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BEYOND THE NOTES - Jon Lord

Die Schönheit des Daseins

Ein neues Album sollte entstehen und diesen Geist des Neustartes einfangen. Die Freude dabei sollte spürbar sein. Gleichfalls bewegte ihn immer noch der Weggang von seiner Stammband. All das gab ihm genug Antrieb neue Musik zu schaffen.

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Seit 2002 war Jon kein ständiges Mitglied von Deep Purple mehr. Er konzentrierte sich auf seine Solo-Karriere und war fortan mit klassischen Werken unterwegs. Auch mit dem Blues, ging er eine kurze Liaison ein. Er wollte jedoch wieder eine eigenes Werk schaffen.

Vom 14. Juni bis zum 31. Juni 2004 mietete man sich in die Hansa Haus-Studios in Bonn ein. Mit ihm fand sich eine Scharr Musiker ein. Viele klassische Instrumentalisten, tolle Gesangskünstler und auch Rockmusiker spielten 10 Songs ein, welche auf BEYONT THE NOTES zu hören sind. 

 

Jon gibt auf seinem Internetportal Auskunft über die Songs. An jenen hangele ich mich entlang und versuche diese Musik anderen Menschen zu beschreiben. Die Schönheit dieser Melodien sollte nicht im Verborgenen bleiben. 

 

Mit "Miles Away" startet man die Reise. Im Grunde kommt man jedoch an. Jon beschreibt die Entstehung des Songs als Traumgeschichte im Halbschlaf im Garten. Dort legte er sich nieder in den Neunzigerjahren als er nach einer langen Tour nach Hause kam. Die Geige führt uns in dieses schön beschwingte Musikstück. Begleitet durch Cellos zwitschern die Vögel und der Wind bläst eine leichte Brise durchs Gehirn. So startet man eine bewegende Reise über die Zeit und das Irdische hinweg.

 

Einen Teil dieser Melodie verwendete Jon auch in seinem Konzert "Boom of the Tingling Strings". Hier hören wir das eigentliche Werk.

 

"De Profundis" beschreibt seine Gefühle nach dem Weggang von Deep Purple. Es schwingt zum Beginn sehr viel Wehmut mit. Seine neue Zukunft inspirierte ihn und schaffte viel Freiraum für seine Musik. Diese Aufbruchsstimmung kann man im Stück wunderbar wiederfinden. Locker und leicht geht es daher. Langeweile sieht deutlich anders aus. 

 

Das Stück beginnt immer wieder, ersinnt sich neu und spielt sich so immer wieder erneut in die Herzen der Hörer. Seine Zerrissenheit auf Grund des vermeintlichen Verlustes der Freunde und der Zuversicht aufs Neue kommt gut zu Geltung. 

 

"One From The Meadow" ist genau das was der Titel beschreibt. Diese poetische Wanderung auf einer Sommerwiese hätte man nicht kleidsamer in Töne fassen können. Den Text schrieb Sam Brown und sie singt ihn auch meisterlich. Einfach die Augen schließen und der Stimme folgen. Das Schwelgen in all dieser sich offenbarenden Herrlichkeit kann man auch ohne die Übersetzung gut nachvollziehen. 

 

Jon’s Romantik ist im Grunde allumfassend schön. Ihre schicke Stimme lässt das Stück weit über die Instrumentierung hinaus wachsen. Alles konzentriert sich auf die Frau im Vordergrund und unterstützt das Gefühl. Zärtlich und fast schon verliebt spielt die Geige. 

 

Im Februar 2004 begab sich Jon nach Köln um die ersten Gespräche zu führen über sein neues Leben. Diese Melodie begleitete ihn. Sie verfolgte ihn ins Hotel. Dort gab er dem Drängen nach und schrieb sie aus seinem Kopf auf das vor ihm ausgebreitete Papier. 

 

So erblickte einer der Höhepunkte dieses Albums das Licht dieser Welt. Rhythmisch durchsetzungsfähig startet "Cologne Again". Eine echte Hammer-Nummer, welche ganz sicher ohne Vergleich aus der Karriere des Tastenmannes heraussticht. Nicht nur wegen der starken Orgel-Passagen, sondern wegen der Koexistenz dieses und anderer Rockinstrumente mit dem restlichen Orchester. So was konnte der Mann wie kein zweiter. Bis zum Ende gewinnt es an Dramatik und reißt den Hörer total mit. 

 

Tony Ashton war ein von Jon sehr geschätzter Freud und Musiker. Als er 2001 diese Welt verließ war diese nicht mehr so bunt wie Jon sie vorher wahrnahm. Jon hatte die Gelegenheit mit ihm kurz vor seinem Tod zu reden. Vor einer anstehenden Tour trafen sie sich. Zum Gruße und als Zeichen seiner Wertschätzung versprach Tony Jon von oben eine Postkarte zu schreiben. Wie Jon diese empfing hört man in "I'll Send You A Postcard - Pavane For Tony". Kann man Verlust und Freude besser umsetzten. Vor diesem Hintergrund ein echt tolles Stück und wirklich große Emotion. 

 

"The Sun Will Shine Again" passt dahinter wie die Faust auf Auge. Trotz der Trauer und den täglichen Niederschlägen darf man sich natürlich daran erinnern, dass die Sonne immer wieder aufgeht und scheint. Anni-Frid Synni Lyngstad (ABBA) kleidet diese Zuversicht in ihr stimmliches Gewandt. Sie trägt einem wie auf Flügeln durch den Song. Wieder ist alles in schicker Romantik versteckt und wird mit Anmut über die Zeit gebracht.

 

"A Smile When I Shook His Hand - In Memoriam George Harrison" beginnt schwer. Es entwickelt sich über Geigen und Cellos zu einem doch leichten Musikstück. Immer wieder sprenkelt Jon mit dem Piano zwischen die klassischen Einzelstücke. Geschickt verpackt mit einer einprägsamen Melodie. Sie haftet noch eine Weile nach ehe sie verschwindet. Wenn man sich Mühe gibt erkennt man leichte Anspielungen an die Musik der Beatles. 

 

Schwer und müßig kommt "November Calls" daher. Besinnlich zieht man sich zurück und lauscht der Stimme von Miller Anderson. Wieder ergreift einen eine melancholische Stimmung. Der Sommer ist gegangen, die Welt verändert sich. Doch das ist nicht schlimm. Erinnere Dich an das längst Vergangene und schöpfe darauf Zuversicht. 

 

Ende der Achtziger stieß Jon auf die Musik von Georg Philip Telemann. Ein Zeitgenosse Bachs, welcher deutlich unterschätz wurde. Ein Stück von ihm "Rejouissance" [auf Deutsch Freude] tat es ihm an. 

 

Im März 2004 weilte Jon in Trondheim. Dort hörte er der schwedischen Volksmusikerin Emilia Amper zu. Diese spielte ein Instrument welches sie Nickel Harfe oder Schlüsselharfe nannte. Als Jon seine Reminiszenz an Telemanns fertiggestellt hatte bat er sie das Stück mit dieser Instrument zu eröffnen. 

 

"The Telemann Experiment" war einst der Name auf dem Entwurf. Er blieb und ist eine Anspielung an eine längst vergessene Zeit. Wenn man so will ist es eine neuzeitlich erstellte Geschichtsstunde in Punkto Telemann. Jon‘s eigenes Verständnis von Harmonie und Musikalität erschufen dieses einfach starke Instrumental. Wer so viel Kraft und Ausdruck in die Noten verpackt braucht keine Verschönerung durch Text und Sprache. Er schafft es ohne Probleme diesen Komponisten mit tollem Gespür erneut aus der Vergangenheit ins Hier und Jetzt zu rücken. Ohne Zweifel ein Meilenstein seines Solo-Werkes. 

 

Symphonisch lässt Jon das Album  ausklingen. "Music For Miriam" besitzt wieder diese ausschweifende Romantik lordscher Ausprägung. Orchestral begonnen verleiten uns die Solisten zum zuhörendem Dahingleiten.

 

Was letzten Endes hinter den Noten verborgen ist liegt an der Betrachtung des Einzelnen. Für mich schmachtet man zwischen Romantik und der tatsächlichen Realität eine Stunde dahin. Man begreift die Schönheit des Daseins und die Flüchtigkeit der irdischen Existenz. 

 

Ausufernde Worte hinterlasse ich als Wertschätzung des Gehörten. Wieder gelang es Jon Gefühle musikalisch zu verpacken und sie an den Konsumenten weiter zu leiten. Dass es dazu Zeit und Muse braucht versteht sich von selbst. 

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