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LIVE - Jon Lord Blues Project

Eine super Band konserviert für die Ewigkeit

Die letzte Live-Aufnahme von Jon Lord fand im Rahmen einer Tour am 14. Mai 2011 beim Jazzfestival in Rottweil statt. Er folgte seiner großen Passion, dem Blues. Als Jon Lord Blues Band stand er dort mit vielen Freunden auf der Bühne. Hier musizierten sie gemeinsam und hatten einfach jede Menge Spaß.

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Und wer dort alles mit ihm die Bühne teilte. Zoot Money, Miller Anderson, Meggie Bell, Colin Hodginson und Pete York. Eine Schar Gleichgesinnter und vor allem hochkarätiger Musiker. Alle samt sind Könner. Sie bewegen sich seit Jahrzehnten an der Spitze der Studio-Musik, sind ständig live unterwegs, sind Profis durch und durch; schlichte Handwerker.

Jon selbst war kein Mensch, welcher sich gern in den Vordergrund rückte. Bis zu seinem viel zu frühen Ende hielt er sich zurück und ließ den anderen Musikern immer gern Raum zur Gestaltung. Aufmerksamkeit war ihn fast schon unangenehm. 

 

Auch dieser Tonkonserve hört man diese noble Charaktereigenschaft an. Zusammen mit Zoot bildet er eine Einheit. Er verschmilzt mit ihm und so ergibt sich ein Keyboard-Backround von vorbildlicher Ausprägung. Hinzu kommt die fantastische Stimme von Maggie. Kann die Frau singen!

 

Wie immer ist Miller eine feste Basis für eine gute Bluesgitarre. Er singt auch famos. Und Collin kennt sowieso die besten Bluestitel der Welt. Was für eine Band. Mit Pete nun trommelt der wohl beste und vielseitigste, wenn nicht einer der interessantesten Drummer überhaupt. 

 

Anspieltipps gibt es in rauen Mengen. Schon der Start an sich gefällt mit einer präsenten Lord-Orgel. Zusammen mit Zoot am Piano ergibt sich ein würdiger Opener. "Back At The Chicken Shack" ist ein tolles Instrumental. Der fehlende Gesang fällt überhaupt nicht auf. Kaum zu glauben, dass das Teil von 1960 stammt und 63 durch Jimmy Smith das erste mal das Licht der Welt erblickte. 

 

Von Willie Dixon stammt "Hoochie Coochie Man". Muddy Waters machte sich mit dem Teil seit 1954 unsterblich. Hier hören wir eine starke und vor allem lebendige Version. 

 

Seit Woodstock ist Miller Anderson ist eine feste Größe im Business. Nicht jeder weiß von ihm. Für Kenner ist er längst eine Legende. Der Song passt zu ihm und allen anderen auf der Bühne vertretenen Musiker. 

 

"Wishing Well" ist nicht ganz so alt. Im Dezember 1972 veröffentlichten die unvergessenen Free das Teil als Single. Seit dem taucht es immer wieder auf. Es ist nicht tot zu kriegen. Mit Maggie Bell eine Hammer-Nummer. Ihre tolle Stimme rockt das grandiose Orchestrion. Eine Dynamik breitet sich aus, welche durch die kurze Reggae-Einlage mehr Abwechslung erfährt. 

 

Zoot Mooney heißt mit bürgerlichen Namen George Bruno Money. Mit dem Drummer Eric Allen Colin spielte er das erste Mal 1963 in seiner Band Zoot Money's Big Roll Band. Zusammen erschufen sie "It Never Rains But It Pours". Einen hübschen lockeren Blues. Die unglaubliche Band im Hintergrund drückt das Ding fantastisch aus den Boxen. Zoot singt echt stark und zusammen mit dem anderen erlebt man wirklich starke viereinhalb Minuten. 

 

Miller und Zoot kennen sich schon ewig. Sie veröffentlichten "Fog On The Highway" mit der Zoot Money's Big Roll Band. Wieder entfaltet sich ein starkes Stück Musik vor dem Innenohr des Konsumenten. Jon’s Solo-Beiträge sind wie immer stark. Mit Mundharmonika unterlegt driftet man dahin. Niemals wird es langweilig. Wiederum eine Klasse für sich. Der Blues lebt Freunde!

 

Weiter geht es mit den Deep Purple Klassiker "Lazy". Eine Blues-Feier ohne Vergleich. Gesungen wird der Song meisterlich von Maggie und Miller. Dieser Song ist und bleibt für immer ein Hammerstück, gerade auch in dieser Schaffensperode des Herrn Lord.

 

Die 1930 von Son House geschriebene Bluesnummer "Walkin' Blues" ist immer noch aktuell. Robert Johnson, Muddy Waters, Eric Clapton, Joe Bonamassa und viele andere mehr kannten das Teil. Colin spielte den Titel nicht zum ersten Mal. Er interpretiert den Titel mit seinem Bassspiel im Vordergrund. Die Band begleitet ihn dezent.

 

Der Tom Waits Titel "Way Down in the Hole" (1987) wird einfach spitzenmäßig von Maggie wieder gegeben. Mehr Drive und Power geht mit spärlicher Besetzung einfach nicht mehr. Vielleicht eine Spur zu kurz. 

 

Miller Anderson wurde am 12.04.1945 in Housten, Renfrewshire, Scotland geboren. Der nächste Song erzählt von der Liebe zu dieser Stadt. "Houston (Scotland)" wird auch hier nie langweilig. Schon zu Beginn reißt das Teil den Hörer mit. Alles vibriert und schwingt. 

 

"Respect Yourself" stammt aus dem Jahre 1971. die Staple Singers veröffentlichten das Teil auf einer Single im Oktober. In dieser Version hier ganz gewiss ein Höhepunkt des Albums. Johns schwere Orgel drückt beide Vokalisten (Maggie und Zoot) durch den Song. Es lebt während der sechseinhalb Minuten. Alles wird bestimmt in die Lauscher der Zuhörer abgedrückt. 

Ian Gillan lässt "When A Blind Man Cries" nicht wieder los. Seit Jahren ist das Teil ein fester Bestandteil der Auftritte von Deep Purple. Man achte nur auf die Reaktion im Publikum als diese die Nummer erkennen. Miller singt hier richtig gut und die alte Single-Nummer klingt einfach eindringlich und gefühlvoll. 

 

Mit "I‘m A Man" geht der Silberling schließlich in die Endrunde. Einst wurde das Teil von Steve Winwood und Jimmy Miller erschaffen und von der Steve Miller Band als Single 1967 unters Volk geworfen. Hier wird nochmals tüchtig mit der Orgel gejammt und auch das Schlagzeug-Solo von Pete darf nicht fehlen. Wie immer gewohnt einfühlsam und dem Anlass angemessen. Nichts wird irgendwie zu lang. Es passt zeitlich wie auch rhythmisch.

 

Wer die Version der Doppel-LP sein eigen nennt bekommt noch eine Zugabe in Form von "As The Years Go Passing By". 1959 erschuf Pepermind Harris das Lied für Fenton Robertson. Wie gut es Maggie versteht den Blues zu zelebrieren hört man hier sehr deutlich. Sie singt als ob ihr Leben davon abhängt. Sie zeigt Gefühl. Die Band fügt sich ein und unterstütz ihre Stimme und die Stimmung mit soviel Drive wie nötig ist. Eine Zugabe, deren Vorenthaltung auf der CD schon fast strafrechtlich verfolgt werden müsste. 

 

Was für ein Album hier zu hören ist, lässt sich nicht nur am schmerzlichen Verlust von Jon Lord im Jahr darauf ermessen. Hier spielen Freunde und Vertraute. Hier gibt es alles das was das Leben so bietet. Herzschmerz und Lebensfreude wechseln sich ab. Ein kleines Stück Musik, weit über die Grenzen einzelner Musiker hinaus. Ein Gedenk-Album für jene die gegangen sind und noch gehen werden. Danke an alle Beteiligten und an jene die für diese Konserve sorgten.

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