RITCHIE BLACKMORE'S RAINBOW
Black Sheep of the Family
Für Ritchie Blackmore war das Jahr 1975 nicht einfach. Mit Deep Purple kam er immer schlechter klar. David Coverdale und Glenn Hughes wurden immer mehr funkiger. Der Wunsch nach einer eigenen Band wuchs und wuchs.

Mit der US-amerikanischen Formation ELF (im Vorprogramm) bestritt man schon so manches Livekonzert. Die Mitglieder waren bekannt und der Sänger (Ronnie James Dio) gefiel Rodger Glover und Ian Paice. Sie bekamen über diese beiden einen Plattenvertrag.
Der Herr Blackmore war, wie schon geschrieben, mit dem Istzustand von Deep Purple höchst unzufrieden und wollte den ehemaligen Quatermass-Song "Black Sheep Of The Family" mit Deep Purple aufnehmen. Das wurde abgelehnt. So schnappte sich Ritchie halt die einstige Vorband und spielte diesen Song klamm heimlich ein. Bei dieser Gelegenheit präsentierte Dio noch "Sixteenth Century Greensleeves". Dieses Stück gefiel Herrn Blackmore noch besser als das eigentlich geplante Teil. Das Album wurde fertig eingespielt. Blackmore gab Purple einen Gruß und verabschiedete sich mit einigen wirklich guten Konzerten vom Publikum.
Das Album selbst ist eines der ehrlichsten und schönsten was der Herr Blackmore je hervorgebracht hat. Vom Anfang bis zum Ende ein gelungenes Stück Rockgeschichte. Es ist ein Schauwerk der Sonderklasse. Fünf Songs der neun auf der Scheibe enthaltenen Titel verblieben fast zum Ende des Bestehens der Band - auch in der Folgeband von Dio - über Jahre hinweg im Liveprogramm.
Mit dem ersten Klassiker geht es los. "Man On The Silver Mountain“ wurde über die Jahre ein steter Begleiter von Ronnie und Ritchie. Ein Song der in seiner schlichten Anmut einfach einzigartig ist. Allein das immer wieder ertönende einfache Riff und Ronnie's toller Gesang; ja das sind die Bausteine für Erfolg.
In die nächste Runde gehen es dann mit "Self Portrait". Es trägt fast schon klassische Züge am Anfang. Eine tolle Melodie trägt den Song verbunden mit einem wirklich filigranen Solo des Mannes in Schwarz.
In der Band Quaternass spielten einst musikalische Größen wie John Gustafson, Mick Underwood, Nick Simper, Bernie Tormè. Eine Single der Band war 1970 der von Steve Hammond geschriebene Titel "Black Sheep Of The Family". Im Original hört man deutlich mehr Orgel. Unter der Führung vom Herrn Blackmore erleben wir eine von der Gitarre geführte Version. Im Rhythmus wirklich ähnlich dem Original wirkt diese Fassung deutlich lebendiger. Nicht nur wegen Ronnie, nein es geht deutlich dynamischer daher. Der Hörer geht mit. Ein Ohrenfresser wenn man so will.
Wer "Catch The Rainbow" nicht kennt, der hat dieser Epoche Musik schlicht weg verpennt. Allein Ronnie's einfach fantastischer Gesang ist ein Traum. Zerbrechlich gleitet er über das Stück, schön eingerahmt von Orgel, Gitarre und Bass. Ritchie's Zurückhaltung im Mittelteil unterstreicht den leichten Schwermut.
"Snake Charmer" hingegen pulsiert und strahlt Lebensfreude aus. Ein Titel wie man ihn von dieser Band immer wieder hört. Cooler Gesang trifft eine starke Gitarre. Genau das erwartete man vom Man in Black.
Hat man den schwarzen Diskus erst einmal gedreht beginnt eine außergewöhnliche Ballade. Ein kleines wirklich fein ausgeschmücktes Stück Musik. Keine Massenware und gewiss nichts mit krachenden Riffen. Bei "The Temple Of The King" umspielt eine feingliedrige Gitarre den famosen Ronnie James Dio. Für immer brennt sich diese Melodie ins Hirn. Einmal vom Zauber der Einfachheit erfasst lässt es einen nicht mehr los.
Wem der Titel beim Song "If You Don't Rock‘n‘Roll" nicht Programm ist, dem kann man nicht mehr helfen. Augen zu und Lauschen. Leider ist nach zweieinhalb Minuten alles vorbei. Mehr Zeit benötigt es auch nicht um die Botschaft zu verinnerlichen.
Ronnie schlug Ritchie "Sixteenth Century Greensleeves" vor und es war um beide geschehen. Das Riff ist unverkennbar von der Bauart des großen Meisters. Die epischen dreieinhalb Minuten des Albums werden später live auf mehr als eine viertel Stunde ausgedehnt. Ein Song für die Götter. Schon im Studio spürt man diese treibende Kraft.
Eigentlich stammt "Still I’m Sad" von den Yardbirds. 1965 veröffentlichten sie das Teil als Single. Später wurde es von anderen Musikern gecovert. So befasste sich auch Ritchie mit dem Teil. Deutlich druckvoller als im Original geht es hier zu. Noch ohne Text als Instrumental kommt es modern und schick rüber. Einfach stark wie sich Ritchie auf dem Titel ausbreitet. Das Original ist da deutlich depressiver und bescheidener. Ein starker Ausstieg aus dem Album. Danach ist Schluss und die Nadel knackt in der Schlussrunde des Vinyl.
Alle Songs sind unüberwindlich mit den beiden Namen der Hauptprotagonisten verbunden und über Generationen hinweg bekannt. Aber nicht genug damit. Allein die Art und Weise wie sich das Album dem Hörer präsentiert ist außergewöhnlich. Ein jeder hatte von Ritchie ein steinhartes Album erwartet.
Was am Ende das Ohr des geneigten Zuhörers erreichte war eine Melange aus Gitarrenrock, vielleicht auch Mainstream, auf jeden Fall kein Hardrock. Es war jede Menge Gefühl, Zurückhaltung und Feingefühl zu hören. Eine Zurückhaltung der Musiker zu Gunsten der Musik – Schlicht ein kleines Meisterwerk. Gerade der Herr Blackmore zeigte hier seine gefühlvolle und auch zerbrechliche Natur.
Wie auch immer, es gibt Alben welche nur zu einer bestimmten Zeit eingespielt werden können. Sie entstehen aus einer Stimmung, aus einer Laune und entwickeln sich. Genau das lässt sich hier feststellen. Wurden auch die anderen Alben – gerade der Dio-Ära – eindeutig gelobt und hervorgehoben, so bleibt dieses hier etwas Besonderes. Wie eine Perle sticht es aus dem großen Berg der Veröffentlichungen der beteiligten Herren heraus.
Dass die Beteiligung der drei anderen Musiker leider geschichtlich so negativ in Erinnerung bleibt ist eher eine der vielen Randnoten. Der Herr Blackmore überfiel förmlich diese bestehende Besetzung der Band ELF. Die Gitarren übernahm der Ausnahmehexer, der Rest blieb für die welche ohnehin da waren. Im Nachgang wurden dann die Herren Craig Gruber, Gary Driscoll und Michey Lee Soule vom Chef persönlich gefeuert und ersetzt. Doch das ist eine andere Geschichte. Eine Geschichte von ständig wechselndem Personal. Der schwarze Mann am Rande der Bühne hatte halt so seine Eigenheiten.


