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HEAVY PORTRAIT LIVE - Rainbow

Eine gelungene US-Premiere

Seit August lag das mit dem Namen des Supergitarristen beworbene Album in den Plattenläden. Die Band vom Album gab es zu einem großen Teil nicht mehr. Ritchie und Ronnie ließen das Kaderkarussell tüchtig kreisen. Mit neuen Beteiligten entstand das, was viele Fans bis heute als die einzig wahre Formation der Band bezeichneten. Die Tasten drückte nun Tony Carey, am Bass zupfte Jimmy Bain und die Drums bearbeitete Cozy Powell.

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Nach einer kurzen Zeit der Einspielung begab man sich noch im Jahr der offiziellen Vorstellung auf eine kurze Tour. Diese startete am 10.11.1975 in Montreal (Canada) und führte von dort aus in die Staaten. Hier trat die brandneue Band in New York auf die Bühne. Der über die Maßen bekannte Gitarrist zog mit seinem Nahmen sicher eine größere Scharr an Verehrern in das im Beacon Theatre. Der Rest der Beteiligten waren ganz sicher nur wenigen ein Begriff.

Dieser Auftritt wurde mitgeschnitten. Als Bootleg blieb der Abend erhalten. Bis auf die Zugabe bekommt man einen Eindruck vom Start dieser Band. Sie befindet sich noch im Rohzustand. 

 

Das Konzert beginnt nicht mit dem gewöhnlichen Intro. "Over The Rainbow" wurde einst von Judy Garland im Film "Der Zauberer von Oz" gesungen. Ab dem Jahr 1976 war das Motiv ein fester Einstand zu jedem der Konzerte. 

 

Der Start in diesen Abend wirkt ein wenig improvisiert. Die Band fängt nach einigem Geplänkel einfach an. Mit "Do You Close Your Eyes" gibt es schon einen kleinen Vorgeschmack auf das nächste Album. Alles wirkt noch ein wenig wackelig. Die Band zieht den Song auf gute sieben Minuten. Auf RISING hingegen bleiben nur drei Minuten übrig. Das ist sehr schade. 

 

"Self Portrait" hingegen stammt vom aktuellen Album. Die Konserve des Titels ist allein schon ein Grund fürs Hören. Später findet das Teil kaum noch Beachtung und wird auch live nicht mehr präsentiert. Versemmelt der Sänger auch ein wenig den Einstieg, so muss man eingestehen, dass der Song live gut rüberkommt. Ronnie hört sich trotz des schlechten Klanges der Aufnahme recht gut an. 

 

Dem Herrn Dio ist der nächste Programmpunkt zu verdanken. "Sixteenth Century Greensleeves" war im Grunde das Kind vom ihm. Wie gut es Ritchie gefällt hört man schon bei der Einleitung. Geradezu lieblich lässt der Gitarrist die Saiten schwingen, dann befreit sich das Riff und der Gesang setzt ein. Beim Hören bekommt man die Kraft des Titels zu spüren. Ritchie und Ronnie präsentieren das Teil von Beginn an. 

 

Auch "Catch The Rainbow" stammt vom Erstling. Hier ist es in der US-Primären-Version festgehalten. Ronnie präsentiert es mit viel Glorie. Es bleibt noch nach dem Weggang des Sängers im Live-Programm. Langsam breitet es seinen Flair auf der Bühne aus. Ronnie hat genügend Zeit sich zu präsentieren, dann startet Ritchie durch und der Sänger beendet es famos. Zerbrechlich endet es im Klang der Gitarre.

 

Mit dem einstigen Einsteiger der zu promotenden LP geht es im Programm weiter. "Man On The Silver Mountain" ist hier in einer der frühesten Live-Variante verfügbar. Schon zu Beginn der Bühnenpräsenz war das Teil über zehn Minuten lang. Die filigrane Ausführung späterer Aufnahmen fehlt jedoch. Der Supergitarrist überzeugt mit einem tollen Spiel. 

 

Das nächste Stück wird mit dem Keyboard-Solo von Tony eingeleitet. Finden sich darin auch schon die bekannten Grundzüge ist es jedoch viel zu kurz geraten. Auch "Stargazer" wird erst auf RISING offiziell veröffentlicht. Schwer schleppt es sich über die Zeit. 

 

Ein Produkt fürs Folgealbum stellt auch "A Light In The Black" dar. Im Gegensatz zum Titel zuvor fliegt es locker und leicht über die Bühne. Unwillkürlich wippen die Füße mit. Man wird von der ersten Sekunde an mitgerissen und kann sich der Melodie einfach nicht entziehen. Ronnie‘s Stimme wird hier am schlechtesten ins Soundbild integriert. Das Stück jedoch wird einfach spitzenmäßig an die Verehrer am Fuße der Bühne abgedrückt. Alle Mitglieder sind vertreten und schaffen eine tolle Stimmung. 

 

Als Abschluss des regulären Programms folgt dann "Still I‘m Sad". Zu Beginn glaubt man erst, dass Ronnie den Text zum Song improvisiert. Ein wirklich starker Moment. Zusammen mit Ritchie entsteht so der Eindruck man ist gerade dabei wie dieser Song live aufgestellt wird. Dann jedoch startet das Teil durch und man erkennt den vertrauten Text. Dann legt die Band los und der Sänger schweigt, bis schließlich das Drum-Solo steigt. Eine Wucht trifft den Hörer, welche in der Dynamik unglaublich scheint. Cozy konnte das richtig gut. Druck und Speed gibt es jede Menge. Einfach stark das alles und mit richtig viel Energie gespielt. 

 

Die Zugabe des Abends ist jedoch nicht mehr verfügbar. "If You Don‘t Like Rock‘n‘Roll" kenne ich nur von der Fassung des Erstlings. Es wäre ganz toll könnte ich das Teil an diesem Abend auch hören. Leider muss ich mit dem Leben, was erhalten blieb. 

 

Ungeachtet dieses Mankos, muss man diesem Bootleg jedoch die Besonderheit anrechnen, die wohl erste Live-Konserve dieser fantastischen Band zu sein. Ebenfalls beachtet werden sollte, dass man an jenem Abend kein Material von Deep Purple hörte. Ritchie’s "Mistreated" kommt erst 1976 live auf die Bühne. 

 

Wir hören auf diesem Konzert eine tolle Band. So werden wir Zeugen des Momentes und wir können ihren Start hautnah verfolgen. Auch wenn der Klang des Albums sehr zu wünschen lässt, ist es ein starkes Stück Zeitgeschichte. Mit einer stärkeren Bearbeitung am Rechner kann man dem Abend ein kleines wenig mehr Klang verpassen. Doch das ist nur was für Leute, welche sich mit Klangbearbeitung auskennen. Meine Künste genügen mir um mir die Titel hörgerecht zurecht zu biegen.

 

Dieser Abend ist gewissermaßen der zweite Auftritt der Band überhaupt. Ein Moment, welcher es nicht verdient hat vergessen zu werden. Dieser Auftritt steht allen anderen in dieser Periode festgehaltenen Abenden vor. 

 

So wurde die Band zwei Tage später in der Calderone Concert Hall in Hempstead, Long Island, mitgeschnitten. Auch zwei Auftritte in Philadelphia fanden ihren Weg auf Bänder. Bei diesen handelte es sich um den Abend im Tower Theatre in Upper Darby am 15.11.75 und die Show am 17.11.1975 im Syria Mosque in Pittsburgh.

 

Diese zuletzt erwähnten Mitschnitte sind jedoch in der Aufnahmequalitäten schlechter als jener Auftritt in New York. Die Konzerte ergänzen sich zudem in der Setlist. Das erste Konzert in den USA (New York am 12.11.75) ist hier wertvoller, da es sich hier um eine echte Primiere handelt. Die nächsten offiziellen Live-Auftritte der Band gab es erst wieder im Juni ’76 zur RISING-TOUR. 

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