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LIVE IN JAPAN 1978 - Rainbow

Zwei Aufnahmen in Osaka und eine Katastrophe in Sopporo

Die Tour zum neuen Album begann in Japan am 11. Januar 1978 in der Nagoya-Shi Koukaido. Diese Reise führte die Band bis zum 03. Februar durch das Land der aufgehenden Sonne. Viele der Konzerte blieben als Bootlegs erhalten. Ich kenne sehr viele dieser Mitschnitte. Die meisten davon sind eher von schlechterer Qualität. Die für mich besten Aufnahmen möchte ich hier vorstellen.

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Am 16., 17. und 20. Januar stand die Band im Kousei Nenkin Kaikan in Osaka auf der Bühne. Der zweite Auftritt (am 17.01.) wurde in guter Qualität mitgeschnitten. Das Bootleg ist frei verfügbar und mit relativ wenig Arbeit auch hörfähig.

Auch der letzte Abend dort fand in relativ guter Qualität den Weg auf die Bänder. Dieser Abend am 20.01. soll von einem Radiomitschnitt aufgenommen wurden sein. Das Bootleg davon kenne ich als Mono-Mitschnitt. Mit etwas Arbeit lässt sich jedoch ein glaubhaftes virtuelles Stereo daraus basteln. So kann man diesem besonderen Auftritt verfolgen.

 

Doch kommen wir zum Programm der Tour. Jedes Konzert startet immer ähnlich. Am 17.01. wirkt die Einspielphase etwas gediegener. Am dritten Abend fliegt nach dem Intro das Riff von "Kill The King" energisch durch die Halle. Es wirkt dort noch aggressiver als beim Auftritt drei Tage zuvor. Egal wann man zuhört das Teil ist zu jedem Zeitpunkt ein echter Bretterknaller. Ritchie gibt sich in beiden Versionen Mühe und er spielt rasant. 

 

"Mistreated" ist noch ein Überbleibsel von Deep Purple. Es wird wie immer zum absoluten Höhepunkt eines jeden Abends. Am 17.01. spielt der gute Ritchie doch ein wenig länger bevor er dann in den Song einsteigt. Auch die gesamte Spielzeit ist ein wenig länger. Beim letzten Mitschnitt aus Osaka hingegen donnert der Begnadete viel eher in das Stück. Er wirkt aggressiver als noch drei Tage zuvor. Wieder hat man das Gefühl von mehr Härte des Zaubergitarristen. Ansonsten werden beide Versionen professionell über die Bühne gebracht. 

 

Mit "16th Century Greensleeves" geht es wie gewohnt in die nächste Runde. Am 17.01. ist die Version ein wenig länger. Wieder hat man das Gefühl, dass Blackmore liebevoller an den Saiten zieht. Beim letzten Abend in Osaka ist der gute nicht so gut. Irgendwie läuft es an diesem Tage nicht. Der Song jedoch brettert an beiden Abenden Staubtrocken durch die Membranen der Boxen. 

 

Der nun folgende Song verbleibt auch noch länger im Live-Programm der Band. "Catch The Rainbow" hat sich über die Jahre fest in die Herzen der Fans gegraben. Wieder erleben wir am zweiten Abend eine deutlich längere Version davon. Ritchie ist verspielt und sucht die Saiten gezielter aus. Man hat den Eindruck am 17.01. einen konzertieren Gitarristen zuzuhören.

 

Bei "Long Live Rock 'n' Roll" sieht es wieder anders aus. Dieser Song passt besser zur vermutlichen härteren Stimmung des Saitenbegabten. Dass die Darbietung am 20.01. gute zwei Minuten länger ist lässt das doch vermuten. Ritchie nimmt auch keine Rücksicht auf Ronny. Der vermisst das Einstiegs-Riff und startet doch tatsächlich zu spät. Ritchie ist extrem hart und lässt die Kuh fliegen. 

 

"Man On The Silver Mountain" ist auch so ein Dauerbrenner, welcher auch später Bestand haben wird. Ritchie startet am 17.01. gleich mit "Lazy". Der Gitarrist ist immer präsent und lässt sich zu keiner Zeit das Zepter bei "Blues" und "Starstruck" aus der Hand nehmen. Er übergibt die beiden Solo-Einlagen des Tastenmannes und der Bassers sauber.

 

Am 20.01. jammen Ritchie und die Band sich noch ein Weilchen ein. Man lässt sich Zeit und dann startet erst das kurze Intro ("Lazy"). Wieder ist im zweiten Mitschnitt ein härterer Gitarrist zu hören. Es scheint fast als ob Ritchie Problemen kämpft. Es wirkt irgendwie unrund zu Beginn. Auch die kurzen Einspielungen von den verschiedensten Einsprengseln (unter anderen "Blues" und "Starstruck") wirken zuweilen wackelig. Ein wenig fehlen der Feinschliff und das präzise Spiel des so oft Gelobten. An jenem Abend glänzt auch David Stone. Er drückt zusammen mit der Band einen Teil des Songs. Natürlich darf auch Bob Daisley mit seinem Bass in den Vordergrund. Ritchie ist streckenweise nicht mehr zu hören. 

 

Bei "Still I'm Sad" verändert sich vieles. Das Stück dient als Jam-Basis für alle Beteiligten auf der Bühne. Am zweiten Abend (17.01) beginnt es sehr zügig. Es startet direkt mit dem Orgel-Intro. Die nächsten 20 Minuten hört man die zu erwartenden Einlagen. Wie damals üblich klingt die "Ode an die Freude" kurz durch. Danach übergibt der Gitarrist wieder an den Tastenbediener. Der wiederum lässt Raum für den Schlagzeuger. 

 

Am 20. Januar ist alles anders. Ronny wirk aufmüpfig bei der Präsentation der Mitmusiker. Ist er nur übermütig oder hören wir dort schon Verdrossenheit? Mit dem kurzen Anklang von "Hall Of The Mountain King" wird schon die Einleitung deutlich länger. Noch vor dessen Start probieren sich alle mal aus und schaffen so eine tolle Atmosphäre. Dann drückt David in die Tasten. So beginnt am letzten Konzertabend in Osaka "Still I‘m Sad". Hier geriet es deutlich anders als beim letzen Event in der selben Stadt. An jenem letzten Abend hat man das Gefühl, dass die anderen Mitglieder der Band deutlich mehr persönlichen Spielraum haben als gewöhnlich. Der Meistro selbst hält sich seltsam zurück. Ist das Stück schließlich beendet gehen im Saal am 20.01. die Lichter an. Eine Zugabe gibt es nicht. Die Band geht von der Bühne. Eine feierliche Gitarrenschlacht fällt einfach aus.

 

Am 17. Januar hingegen geht die Band in die Zugabe. Nun verwöhnt man das Publikum mit "Do You Close Your Eyes". Gute 13 Minuten darf der Geneigte Band-Verehrer der Band zusehen, sie anfeuern sich mit Ihnen im Takt wiegen. Der Band-Vorsteher zerlegt noch schnell eines seiner Arbeitsgeräte und lässt das staunende und sicher auch verdutzt Volk am anderen Ende der Bühne zurück. Noch kurz eine neue Klampfe um den Hals gewickelt, und der Schlussakkord ist angeleiert. So endet ein zünftiges Live-Erlebnis. Der Fan darf sich glücklich schätzen über gut angelegte Kohle.

 

Ritchie stand der Band vor. Er war damals nicht einfach zu Händeln. Hatte er ein Problem, hatte das auch die Band. Oder war Ronny der Grund? Gab es Streit zwischen den bald Getrennten? Am 20.01. präsentierte sich eine andere Band. Die Konserve jener Nacht verdeutlicht wieder mal wie hart es bisweilen war sich mit dem wankelmütigen Super-Gitarristen eine Band zu teilen. 

 

Wie auch schon bei Deep Purple, so gab es auch bei Rainbow Höhen und Tiefen. Wir hören mit beiden Bootlegs genau diese Momente. Licht und Schatten bedingen sich. Große Momente werden verfolgt von tiefen Einbrüchen. So verhielt es sich auch mit dieser Tour. 

 

Ein absoluter Tiefpunkt ereignete sich am 27. Januar 1978 im Nakajima Sports Center in Sapporo. Bei dem Auftritt kam eine Studentin ums Leben. Zu Anfang des Konzertes stürmten die Fans von den Sitzen nach vorn zur Bühne. Dieses Verhalten war zu jener Zeit durchaus üblich. 

 

Während dieser Bewegung der gut 5000 Versammelten stürzte ein Teil der Bühnenverkleidung nach vorn und begrub die später Verstorbene. Dieser Umstand ist schon tragisch genug. Der Band sagten man nichts davon. Eine längere Unterbrechung zwischen dem ersten und dem zweiten Titel zeugen von der Verwirrung. 

 

Während "Man On The Silver Mountain" (gut 45 Minuten später) wurde die Interpretation der Band dann vollends unterbrochen. Ein Sprecher der Veranstalter machte hektische Ansagen. Man erwägte ernsthaft das Konzert zu unterbrechen. Es kam zu Ordnungsrufen. Das Konzert wurde schließlich bis zum Ende gespielt unter Beibehaltung der Saalbeleuchtung. Die Band selbst erfuhr erst nach dem Auftritt vom Tode der Studentin. 

 

Ein Bootleg (mit doch eher schlechtem Sound) ist Zeitzeuge jener Augenblicke. Wer will kann sich so diese Tragödie und den Umgang damit auf der Bühne in Erinnerung rufen. 

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