ON STAGE - Rainbow
Trotz guter Musik nur Mittelmaß
Einfach nur noch als Rainbow wurde das zweite Bandalbum RISING aufgenommen. Die Band wurde bei den Fans dafür gefeiert. Es galt das Teil zu promoten. Im Frühjahr 1976 startete die Tour.

Über die USA und Europa ging es nach Japan. Dabei wurden Konzerte in Deutschland (September) und in Japan (Dezember) mitgeschnitten. Martin Birch schnitt aus unterschiedlichen Auftritten das später bekannte Endprodukt zusammen. Im Juli 1977 konnten sich die Fans das Doppel-Album kaufen.
Alles beginnt mit dem damals noch nicht auf einem Studio-Werk veröffentlichten "Kill The King". Hier hört man die Version vom 29.09.76 aus München. Wird es auch auf dem Cover nicht gesondert erwähnt, so geht dem ersten Titel das typischen Rainbow-Intro aus dem Zauberer von Oz voraus. Dieses hier stammt vom Auftritt von Nürnberg am 28.09. Das gesamte Werk bricht von der ersten Minute an voll los. Der Hörer wird überrollt von der Gewalt der Band.
Entgegen der normalen Reihenfolge der Live-Auftritte folgt auf der ersten Seite nun "Man On The Silver Mountain". In der Originalreihenfolge der damaligen Auftritte hören wir jetzt schon den fünften Titel. Nun jedoch sind wir in Tokyo am 16.12. Diese vier miteinander verbundenen Teilstücke stammen aus unterschiedlichen Auftritten an diesem Tag. Am Anfang hört man eine Konserve der Nachmittags-Show. Augen zu und einfach lauschen. Kann man Musik noch schöner verpacken? Die Band ist in jeder Fase einfach toll beteiligt. Ritchie spielt wunderschön zusammen mit der Orgel. Impro-Blues (Abend-Auftritt) bis kurz "Startruck" (Abend-Veranstaltung) anklingt. Zum Schlussakkord kehrt man nochmals in den Nachmittag zurück. Hier brilliert Ronnie. Leider fehlen hier die oftmals schönen Intro‘s vom Herrn Blackmore.
Erst wenn der letzte Ton verklungen ist rafft man sich auf. Schnell das runde Ding drehen, denn es gibt noch mehr zu hören.
Die zweite Seite beginnt mit dem eigentlich dritten Titel der Live-Performance. Dieses Mal sind wir akustisch in Osaka zu Gast am 09.12. Von der ersten Scheibe RITCHIE BLACKMORE’S Rainbow stammt "Catch the Rainbow". Wir hören hier eine druckvolle Interpretation des Songs.
Wieder ist der Konsument mit dem Lauschen beschäftigt. Erstaunlich ist es immer wieder wie feinfühlig sich die Band in den Titel einspielt. Doch bald wollen Boxen springen. Ritchie lässt die Gitarre sprechen.
Die dritte Seite gehört dann dem Superhit der Vorgängerband. Seit BURN kennen wir "Mistreated". Hier mit Rainbow und vor allem mit Ronnie wird dieses einfach geniale Stück in einer Fassung weitergegeben, welche ich für die gelungenste der Nach-Purple-Ära bezeichnen möchte. Wieder zurück in Deutschland hören wir die Version von Köln am 25.09. Im Grunde ist es auf der Bühne der zweite Song des Abends. Doch wem stört das Reihenfolge-Durcheinander lange, wenn man so schönen Klängen lauschen darf. Ritchie spielt das Teil echt cool. Vor allem das Mittelteil jagt einem Schauer über den Rücken. Der Gitarrist und das Publikum; braucht es mehr um glücklich zu sein?
Unglaublich schnell vergeht die viertel Stunde. Zu schnell - was ist? Muss ich schon wieder Aufstehen? Die Mühe lohnt sich.
"Sixteenth Century Greensleeves" eröffnet die letzte Scheite. Live immer hinter dem alten Purple-Hit. Hier also wäre das richtig. Die romantische Verklärung des Mittelalters ist Ronnie zu verdanken. Auch in der Abendshow in Tokyo am 16.12. erobert das Teil die Bühne. Ritchie‘s Einleitung ist ein Traum dezent untermalt mit der Orgel. Dann bricht es los. Es donnert gewaltig mit Ronnie Stimme als Bindeglied.
Das Ende eines jeden Auftritts wurde im Stil einer Jam-Session zeremoniert. Wieder sind wir zurück im Land der Teutonen. Am 28.09. war diese Version von "Still I‘m Said" in Nürnberg zu hören. Der Song bekam inzwischen einen Text. Neben den anderen Mitgliedern bekam während der Auftritte auch Cozy die Gelegenheit seine Drums in den Mittelpunkt zu stellen. Schade dass man dieses Solo hier wegschnitt. Von den einst mal 16 Minuten blieben elf übrig. Trotz dieses Mankos ein echt schönes Stück Handwerk. Keine Spur langweilig.
Leider findet man keine Zugabe mehr auf dem Album. Während dieser Zeit spielte man "Do You Close Your Eyes" oder auch "A Light In The Black". Warum das so war ist aus verschiedensten Texten nachlesbar. Ich glaube man wollte einen guten Klang. Aus diesem Grunde war die Spielseite der LP auf ca. 20 Minuten beschränkt. Das erklärt sich aus der Entfernung der Rillen zueinander und der Drehzahl. Für diesen Mitschnitt war schlicht und einfach kein Platz da. Bei späteren CD-Ausgaben kam denn auch "Do You Close Your Eyes“ als Bonus mit auf den Tonträger.
Nun gab es ja bei der Veröffentlichung LVE IN GERMANY (erschienen 1990) anscheinend diese Probleme nicht. Hier passten alle Songs der Auftritte in der richtigen Reihenfolge auf die vier Seiten. Auch wurden hier keine Titel gekürzt oder angepasst. Nur klafft zwischen den beiden Veröffentlichungen ein beträchtlicher Zeitrahmen. Die Technik verbessert sich stetig und somit auch die Klangfülle der LP.
Einzig auf der britischen Insel erreichte man mit dem Album einstellige Plätze. Für mich zählt es nicht zu den besten Live-Alben. Die geänderte Reihenfolge, die unterschiedlichen Spielorte und das doch in der Endbewertung negativ auffallende gekürzte "Still I‘m Said" reißen mich runter. Die Musik ist ohne Frage stark, jedoch die Mischung verdirbt hier ein gutes Resultat.
Als Fan ganz sicher in den Siebzigern ein unverzichtbares Album, doch vor dem Hintergrund der wirklich toll erhaltenen Live-Auftritte der Deutschland-Tour 1976, ein nicht zwingend zu erwerbendes Vinyl.
Verschiedene Bootlegs sind für mich der Beleg für eine wirklich tolle Tour durch Japan. Diese gibt es in vereinzelt wirklich toller Qualität. Auch von den frühen Auftritten am Anfang der Tour in den USA gibt es Mitschnitte. Erstaunlich ist gerade die doch hohe Anzahl von Bootlegs während dieser Tour. Alle zusammen sind sie Zeitdokumente und präsentieren eine tolle Band in starker Verfassung.
Das wiederum zeigt auch dieses Album in beachtlicher Qualität. Ein Mitschnitt für den Fan, welcher für lange Zeit auch das einzige Live-Dokument darstellte. Also, wenn man so will, auch ein geschichtlicher wichtiger Aspekt zum Anhören der LP.


