LIVE IN JAPAN 1976 - Rainbow
Eine komplette Tour als Konserve
Am 17.Mai 1976 erschien RISING. Das nunmehr zweite Album der Band war das erste mit der neuen Besetzung. Kurz danach begab sich die Band auf Tour. Diese startete am 11. Juni des Jahres in Columbus, USA. Von dort aus ging es auf eine Reise um die ganze Welt. Die offizielle Tour zu diesem Album ging mit einer neunmonatige Pause (von Januar bis September ´77) noch bis zum November des Jahres 1977. Während dieser Zeit gab es schon wieder personelle Veränderungen.

Die von vielen Fans jedoch als einzig wahre Stammbesetzung angesehenen Musiker gaben im Jahre 1976 eine Reihe von sehr guten Konzerten. Diese wurden auch mitgeschnitten. Die Band war dabei ein Live-Album zu erschaffen und brauchte Material.
Neben den bekannten Aufzeichnungen aus Deutschland kam es so auch zu Mitschnitten auf dem Rest der Tour. Ronny James Dio, Ritchie Blackmore, Tony Carey, Jimmy Bain und Cosy Powell bekamen so eine Gelegenheit ihr Können für immer festzuhalten.
Touren durch Japan sind immer wieder eine Erwähnung wert. Die Konzerte dort waren und sind immer wieder einzigartig. Oftmals ist es so, dass die Atmosphäre dort immer wieder überraschend auf die Musiker wirkt. Bei diesen Auftritten entsteht dann oftmals eine Dynamik, welche das Beste aus den Musikern hervor holt.
Vom 02. Dezember bis zum 16. Dezember 1975 bereiste Rainbow das Land der aufgehenden Sonne. Die Band war gut eingespielt. Sie spielten nun fast ein Jahr zusammen und verstanden sich blind. Für das geplante Live-Album ON STAGE fehlten noch Aufnahmen. So wurden auch die Auftritte in Japan mitgeschnitten. Drei Auftritte in Osaka (davon ein Doppel-Event) und auch drei Abende in Tokyo (zwei davon an einem Tage) erleichterten das Unterfangen. Neben diesen beiden Orten traten sie noch in Nagoya, Kyoto, Fukuoka und Hiroshima auf.
Alle diese Auftritte wurden mitgeschnitten und lassen sich heute noch verfolgen. Sind diese Mitschnitte auch qualitativ in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden, so überrascht deren Sound doch zur Gänze.
Dieser ist für Bootleg-Veröffentlichungen ausgesprochen gut. Das kommt sicher auch von eventuell aufgefundenen Master-Bändern des Aufzeichnungs-Teams. Wie auch immer diese Teile erhalten blieben erscheint hier nicht von Bedeutung; deren Inhalt jedoch verdient einer näheren Beleuchtung.
Hier hat sich gerade das japanische Label Tarantura hervor getan. 2010/2011 verschafften die Verantwortlichen diesen Auftritten im Rohschnitt die gebührende Wertschätzung. Gerade der Umstand eine vollständige Tour nachverfolgen zu können ist außergewöhnlich und ermöglicht dem Interessierten einen tiefen Einblick ins Leben der Musiker und ihrer Musik.
Im Grunde sind die Abende immer ähnlich gestrickt. Etwas anderes zu erwarten erscheint auch unrealistisch. Sich auf eine Aufzeichnung festzulegen fällt schwer. Das ist reine Geschmacksache. Anhand des wohl besten Auftrittes am 10.12.1976 in Kyoto möchte ich es wagen das Gesehen auf der Bühne zu schildern und einen Überblick über die Tour und die Veröffentlichungen zu geben.
Wie bereits bestens bekannt beginnen alle Abende mit dem üblichen Intro. Das einst von Judy Garland im Film "Der Zauberer von Oz" interpretierte "Over The Rainbow" eröffnet seit Tour-Beginn jeden Abend. Noch während der Einleitung schlägt Ritchie eisenhart zu. "Kill The King“ erhebt sich gewaltig. Ronnie und Ritchie schleudern das Teil bretterhart auf das Publikum ab. Im Grunde wird der Titel immer mit der ihm gebührenden irren Geschwindigkeit über die Bühne gezogen. Ein famoser Einstieg nicht nur am Abend in Kyoto.
Mit "Mistreated" geht es in die nächste Runde. Wie auch bei den Konzerten in Deutschland hört man hier einen tollen Ronnie und einen fantastischen Ritchie. Zum Beginn der Tour beim ersten Auftritt in Tokyo kommt es zu einem Tumult während sich Ritchie in den Song einspielt. Hier bricht Ritchie ab und verlässt die Bühne. Auf dem Bootleg bekommt man nicht allzu viel davon mit. Schließlich muss der Veranstalter mit einer kurzen Rede die Ruhe wieder herstellen. Kein guter Start einer Tour durch das Land.
Diesen Titel schlug er Ritchie einst vor. Sein Text und die Melodie gefielen dem Man in Black. "Sixteenth Century Greensleeves“ wird während dieser Konzertreise immer ein wenig stiefmütterlich behandelt. Er wird in ähnlichen Versionen mit einer Länge von gut sieben bis acht Minuten ausgebreitet. Man merkt jedoch wie gut das Teil ist und ist beeindruckt vom tollen Spiel des Herrn Blackmore. An mehreren Abenden nach dem 04.12.1976 widmet Ronnie diesen Titel hier dem verstorbenen Tommy Bolin. Dies ist bemerkenswert, da dieser einst Blackmore bei Deep Purple ersetzte.
Bei "Catch The Rainbow" kommt fast in jeder Version Stimmung auf. Die längste Version hören wir beim Auftritt in Nagoya. Egal welche Version wir auch lauschen, der Song trägt sich von der Präsenz des Gitarristen. Er wird durch die Band vorbildlich unterstützt. Ronny trägt seine Gesangs-Passagen meisterlich und zeigt hier keine Schwächen.
"Man On The Silver Mountain“ wird als Plattform für allerlei Jams genutzt. So wird das gute alte "Lazy" angespielt. Auch ein kleines Intermezzo mit "Blues" wird in den Song integriert. "Starstruck" findet immer wieder eine kurze Erwähnung. In Osaka wird zu beginn auch ein wenig auf Jimi Hendrix "Purple Haze“ gejammt. Dieser Jam verleiht dem dazu gehörigen Bootleg seinen Nahmen.
Mit "Stargazer" geht es dann in die nächste Runde. Diesen Song leitet Tony Carey mit einem Solo ein. Wenn er genug Tasten gedrückt hat steigt der Song. In Kyoto verpasst Ronnie seinen Einsatz. So wird eben ohne ihn gestartet bis er zur Band findet. Ist der Song zum Ende findet Jonny Cash’s "I Walk the Line“ seinen Weg durch die Verstärker. Auch "Apache" von The Shadows findet Beachtung. In Fokuoka strauchelt Ronnie bei "Stargazer" und verhaspelt sich in Ton und Text.
Fast ohne Unterbrechung wechselt die Band an den meisten Abenden in "Still I’m Sad". Machmal vermischen sie diesen Song mit dem vorherigen und wechseln scheinbar im Thema immer wieder. Auch hier merkt man deutlich die Spielfreude der Band. Fast bis zum Ende des Titels währt dann das Drum-Solo von Cozy. Während dieser Darbietung wird seine "1812 Overture" angestimmt. Ist der letzte Ton der Band verstimmt endet das reguläre Programm der Band
Zugaben sind mit dem Herrn Blackmore noch das was sie sein sollten. Ein Dankeschön ans aufmerksame Publikum. Wenn der Meister es für gut erachtet gibt es dieses Extra. Oftmals wurden die am Fuße der Bühne stehenden Erwartungsfreudigen schon enttäuscht. Am Abend des 05.12.76 (dritter Auftritt in Osaka) muss das Publikum ohne Zugabe gehen.
Auch beim Nachmittags-Konzert am 16.12.76 müssen die Zuseher in Tokyo ebenfalls eher nach hause. Hier allerdings sind nicht die Musiker schuld, sondern es fehlt schlicht die Zeit. Da am Abend ein zweites Konzert geplant ist kollidierte man mit dem späteren Event. Dieser verkürzte Auftritt am Nachmittag führte dann auch dazu, dass die Band ihr Programm zusammenfasst. "Man On The Silver Mountain" wird verkürzt und "Stargazer" wird mit "A Light In The Black" verwoben. Auch "Starstruck" wird integriert bevor alles mit "Still I’m Sad" endet.
Was die Zugaben angeht so werden während der Tour zwei Titel in Abwechslung dargeboten. "Do Yo Close Your Eyes" findet an sechs Abenden eine Erwähnung. Nur in Kyoto und in Hiroshima finden "A Light In The Black" den Weg in die Extra-Runde am Ende des Konzertes. Für die Aufzeichnung des Live-Albums wurde von der Produktion der Wunsch laut auch diesen Song aufzuzeichnen. Also gab es ihn während der Zugabe. Interessant jedoch ist, dass dieser Song dann nicht auf dem Album ON STAGE erschien.
"Man On The Silver Mountain" von der Nachmittag-Vorstellung des 16.12.1976 schaffte es jedoch auf das künftige Live-Album. Genauso verhielt es sich mit "Catch The Rainbow" vom dritten Auftritt in Osaka am 09.12.76 und "Sixteenth Century Greensleeves" von der Abend-Show in Tokyo am 16.12.76.
Die Version von "A Light In The Black" vom Konzert in Kyoto jedoch verlangt aus einem weiteren Grund eine Erwähnung. Während der Einleitung spielt Tony Carey "Toccata And Fugue In D Minor (Dorian), BWV 538" an. Eine schöne Einleitung bis die Blackmore-Gitarre das Zepter übernimmt.
Bei fast allen Zugaben platzt der Man In Black förmlich und vernichtet auch gelegentlich mal eine seiner Gitarren. Wenn der Meister Lust dazu hat wird es ein grandioser Abschluss eines jeden Konzertes. Diese Vernichtungsaktion sorgt so für immer im Fan anhaltende Begeisterung. Dieser sprichwörtliche Zerstörungsakt auf der Bühne ist immer wieder Thema bei Gesprächen von Fans untereinander. Auch später gestaltet der Gitarrenzauberer immer mal wieder seine Stratocaster um in dem er sie hart auf die Bühne und an den Boxen anschlägt.
Erst wenn das bekannte Outro aus den Hallenlautsprechern schallt, von der Bühne nur noch ein Brummen kommt, dann ist der Auftritt beendet und der Geneigte kann sich auf den Heimweg begeben.
Diese Serie von Bootlegs sind in ihrer Vollständigkeit bemerkenswert. Eine komplette Tour zur Gänze nachvollziehen zu können; das ist äußerst selten möglich. Vor allem der bisweilen hervorragende Klang der Aufnahmen führt beim Hören zu einer euphorischen Stimmung. Teilweise benötigt man nur wenige Eingriffe um die Qualität der Aufnahmen auf ein gutes Niveau zu bringen.
Macht man sich die Mühe hört man die Schwankungen in der Band von Abend zu Abend. Für einen Liebhaber von echter Live-Mucke ein wahres Vergnügen. Es benötigt ganz sicher viel Zeit und auch eine ungestörte Atmosphäre. Meiner Meinung nach sind diese Aufnahme es wert den Alltag auszublenden.



