LIVE IN GERMANY - Rainbow
Ein Live-Dokument mit Suchtpotenzial
RISING stand seit Mai 1976 in den Plattenläden. Die Band war im Grunde neu und steckte voller Elan. Vom Juni bis zum Juli tourte die Band in Nordamerika (USA und Canada).

Im September wandten sie sich dann wieder nach Europa. Von der britischen Insel aus schwappte die Band dann aufs Festland. Bei dieser Gelegenheit fielen dann die Mannen um den Zaubergitarristen in Deutschland ein. Am 23. September 1976 starteten sie über Hamburg ihren Großangriff auf Deutschland. Bis Anfang Oktober waren sie dort zu sehen.
Neben dem schon erwähnten Start sind die Stationen in Köln am 25.09., in Düsseldorf am 27.09., in Nürnberg am 28.09. und am 29.09. in München sowie in Mannheim am 30.09. bemerkenswert. Bei diesen Auftritten liefen die Bänder mit. Rainbow brauchte eine Live-Aufzeichnung. Ein solches Album war in Planung. Im nächsten Jahr erschien ON STAGE. Auf diesem Album jedoch fanden sich nur Teile von den Aufzeichnungen aus Deutschland. Neben diesen hört man Mitschnitte der Tour durch Japan im Dezember.
Das komplette Material aus Deutschland hingegen lag in fantastischer Qualität gewissermaßen ungenutzt auf Halde. Eine wahre Verschwendung von Ressourcen. Das konnte sich das Label Connoisseur Collection nicht gefallen lassen. 1990 wurden nun diese Aufnahmen als das was sie waren veröffentlicht. Rainbow live in Deutschland, mit Bundesadler im Cover. Das war eine Ankündigung.
Der erste Titel des Albums wurde im Circus Krone in München aufgenommen. Nach dem üblichen Intro donnert "Kill The King" aus den Boxen. Drive und Power wo das Ohr auch hinhört. Ronny ist der König und Ritchie entreißt ihm immer wieder das Zepter. Was für tolle Arbeit man hört ist einfach überall greifbar. Die Band liefert ab der ersten Minute ab.
Mit einem coolen "Mistreated" geht es in München weiter. Was für ein Song! In dieser Version wohl die beste Intonation seit Deep Purple untergingen. Ronnie singt wie ein Gott. Der Song lebt in jeder Pore. Ein Feuerwerk, welches mit David so nicht möglich gewesen wäre. Hier rockt und bebt die Luft. Damit meine ich nicht nur Ritchie‘s feinfühlige Spiel. Ruhig und lyrisch strebt alles dem Höhepunkt zu. Augen zu und einfach Lauschen.
Orgel und Gitarre; schön verpackt und gut vermischt. Und dann das Finale. Ronnie und Ritchie geben sich die Ehre. Was für ein Ende der ersten Albumseite. Bis zum letzten Ton hört man gebannt hin. Oh Musik ist weg - schnell das schwarze Teil drehen!
Akustisch zieht man nach Köln um. Die zweite Seite beginnt mit dem erklärten Liebling vom Herrn Dio. "Sixteenth Century Greensleeves" ist eine romantische mittelalterliche Schwärmerei. Siebeneinhalb Minuten gehen auf der Bühne die Ritter entlang, es rollen Köpfe (nicht buchstäblich). Noch ein gutes Stück mehr mit Druck beladen entlädt es sich.
Wieder zieht man danach um. Nun in Düsseldorf angekommen zelebriert man dem Regenbogen. "Catch The Rainbow“ ist ein weiterer Klassiker vom ersten Album. Hier hören wir eine gewaltig gesteckte Variante des Songs. Über das Doppelte der ursprünglichen Länge offenbaren warum der Fan sich auch heute noch an diese Aufnahmen erinnert. Nach gut 15 Minuten wird es wieder still im Raum. Sollte die Zeit so schnell vergangen sein? Ja es klickt ganz leicht. Mist Scheibe drehen.
Der dritte Teil des Albums führt uns nach Mannheim. Ronnie James Dio wurde später zu dieser Person. Ein Song welcher ihm wie kein zweiter hinterdrein folgt bis er für immer die Augen 2010 schließt. Eigentlich ein wenig zu Unrecht. Ritchie gibt auch hier sein Bestes und sorgt mit seinen vielen Extras auch für den Erfolg von "Man On The Silver Mountain". Die Einfachheit im Refrain ist typisch für Ritchie. Es zündet nicht nur wegen dem tollen Gitarren-Solo und dem Blues-Abschnitt. Wenn Ronnie das Micro mit Tönen versorgt braucht es keine große Band. Gänsehaut und die Fans klatschen den Titel wieder in Fahrt. Wem man nun dieses Teil auch zuschreiben will, es bleibt ein Brecher für alle Zeiten.
Im Anschluss zieht es den Hörer wieder nach Köln. Nun darf Tony Carey zeigen was er drauf hat. Mit seinen Keyboards leitet er diesen Song meisterlich ein. Ein wirklich gutes Solo hört man hier. Abwechslungsreiche Musik mit tollen Überleitungen. Mit Herz und Verstand beginnt "Stargazer". Der Song zieht sich ein wenig. Das ist gewiss so gewollt. Wieder zeigt im Mittelteil der Herr Blackmore wo der Hammer hängt. Irgendwie unrund und dennoch toll zieht er mit seiner Strato über die Bühne. Wenn der Meister in die Sterne sieht hört sich das so an! Das Echo noch im Ohr muss der Hörer sich ein letztes Mal aufzwingen.
Die letzte Seite wartet. Man bleibt weiter in der Domstadt hängen. Abermals in Köln aufgenommen geht es im Freiflug durch "Still I‘m Sad". Wenn man die Album-Version nicht kennt, weiß man von dieser wunderbaren Wandlung nicht das Geringste. Hemmungslos zum Jam-Song aufgestiegen, bricht hier das Inferno aus. Nicht dass man einen Schutzhelm bräuchte, eine gewaltige Walze von Tönen sorgt jedoch für einen ordentlich Ansturm von Spielfreude und Solo-Improvisationen. Wenn man hier die Verstärker aufdreht, die Boxen sich bewegen; ja dann kommt die Feuerwehr oder die Polizei. Je nach Vorlieben der Belästigten. Doch alles klingeln und klopfen nützt nichts, wenn Die Band nach Cozy‘s Schlagzeug-Solo ins Finale einzieht - da stehen nur Narren auf um zu sehen was da draußen los ist.
Zum Schlussakkord zieht es den Hörer wieder nach München. Schließ die Augen beim Sex ... Eine einfache Botschaft, welche ganz sicher nicht nur bei der zwischenmenschlichen Zusammenkunft angebracht ist. Beim Musik hören zum Beispiel. "Do You Close Your Eyes" ist emotional und vielleicht auch aus diesem Grunde ein toller Rocker. Vielleicht mit einer kleinen Spur Kommerz versehen, so kommt das Teil trotzdem cool rüber. Ritchie wird später oft genug noch zeigen, dass er sowas gut zusammen bekommt. Die Band stellt sich auch bei diesem Song breit auf und drückt das Teil gewaltig vom Bühnenrand ins Publikum. Stoisch rattert die Rhythmusgruppe durch den Song. Derweil schlachtet Ritchie eine seiner Gitarren. Mitleid ist fehl am Platze. Wenn die Rettungskräfte es nicht bis hier hin schafften die Gewalt über die Anlage dem Hörer zu entreißen, nimmt die Auseinandersetzung erst mit dem dröhnenden Finale der Show ein feierliches Ende.
Dieses Album ist ohne Zweifel die wohl beste Aufnahme der Band aus jener Zeit. So klangen Ritchie Blackmore‘s Rainbow für alle Zeiten. Nicht das Live-Album On STAGE sondern diese Aufnahme hier sind für mich ein ewiges Äquivalent für ein Bandleistung der damaligen Zeit.
Ab 2005 dann konnten der geneigte Fan auch drei der hier erwähnten Konzerte als Komplett-Mitschnitte erwerben. Die Abende von Köln, Nürnberg und Düsseldorf sind hier in voller Länge dokumentiert. Drei wundervolle Aufnahmen, welche auch zeigen, dass die Zugabe "Do You Close Your Eyes" nicht immer Programm waren. Egal wie sich jeder Auftritt entwickelt entfaltet sich beim Hören immer ein tolles Gefühl. Man hat zu jedem Zeitpunkt das Gefühl inmitten der anderen zu stehen und von diesen tollen Musikern verzaubernd mitgenommen zu werden. Man erlebt gewissermaßen eine musikalische Reise durch die Zeit und den Raum.
Wenn auch diese Aufnahmen hier deutlich nach dem Ende dieser Formation veröffentlicht wurden, so sind sie doch Zeitzeugen und Erinnerung an jene Zeit. Ich hatte damals noch den Ranzen auf dem Rücken und andere Interessen. Doch halt, längst schon hörte ich Ritchie‘s Adaption von Beethoven‘s Neunter. So war ich im Bannkreis der sozialistischen Schulbildung im Geiste ein Verehrer einer westlichen Band.
Rainbow sind für mich immer wieder diese Band hier. Immer wenn ich Bock auf tollen Rock habe, schmeiße ich eines dieser Konzerte in den Verstärker. Was gibt es besseres als diesen Klängen Zeit zu widmen.



