LIVE IN JAPAN 1980 - Rainbow
Japan ist immer wieder eine Reise wert
Nachdem die Band zum Ende des Jahres 1979 aus den USA zurück waren tourten sie durch Europa. Von Januar bis März reisten sie über den alten Kontinent. Im Mai ging es dann auf nach Japan. Die Tour begann am 08.05.1980 in Tokyo und endete fünf Auftritte später am 15.05.1980 in Osaka.

Es gibt Mitschnitte von allen sechs Auftritten mit unterschiedliche Klangqualität. Ich habe alle Aufnahmen gehört. Am besten finde ich die Mitschnitte vom 9. Mai in Tokyo und die letzten beiden aus Osaka (14. Mai und vom 15. Mai). Klanglich gewinnt bei mir der letzte Abend der Konzertreise. Hieran möchte ich mich entlang hangeln um einen Eindruck von dem zu vermitteln, was damals so geschah.
In der Festival Hall in Osaka sahen die versammelten Fans einer großartigen Show entgegen. Wie schon während der ganzen Konzertreise begann der Auftritt mit der Einleitung durch das als Nationalhymne England‘s angesehenem Stück. "The Land Of Hope And Glory" löst die mit Countdown eingezählte eigentliche Einleitung "Over The Rainbow" aus.
Nun startet die Band mit "Eyes of the World" ruhig und gelassen durch. Auf dem am besten klingenden Bootleg erlebt man hier einen tollen Sänger. Düster angedeutet durch Roger Glover weitete sich das Teil zum viel beklatschten Einsteiger.
"Love's No Friend" wird zur tollen Bühnen-Ballade. Das Orgelbett drückt bleischwer auf die Bühnenbretter. Graham prägt sich auch hier wieder fest ein. Balladen kann er. Doch wenn der Großmeister der Saitenzunft zum Instrument greift, dann wird es heilig. Gefühl wo auch immer man hinhört. Stark wird diese Kraft in die Halle gepresst.
Wenn Ritchie klassische Themen wiedergibt; spätestens dann merkt man wem man lauscht. Johann Sebastian Bach erschuf das "Brandenburgische Konzert Nr. 3" im Verbund mit anderen Werken. 295 Jahre später greift es die Band auf und führt es in die Ohren der Anwesenden. Kurz erfährt "Sixteenth Century Greensleeves" eine Erwähnung. Dann startet "Since You Been Gone". Professionell schieben die Kunstschaffenden das Teil über die Bühne.
Das nun nochmals ins Leben gerufene "Over The Rainbow" führt dem Song dem Ende entgegen.
Ronny James Dio wird wohl für immer mit dem nächsten Stück in Verbindung gebracht. "Man On The Silver Mountain" ist längst nicht mehr eines der Höhepunkte des Abends. Zu kurz und im Grunde als Stimmungsbefeuerung benutzt verpufft es.
Immer noch als Klassiker darf sich "Catch The Rainbow" fühlen. Hier ist der Herr Blackmore in seiner Wohlfühl-Zone zu hören. Wieder muss man dem neuen Sänger Respekt zollen. Er klingt mit zierlicher Begleitung und zum Klatschen der Zuschauer fantastisch. Wenn jedoch dieser begnadete Gitarrist mit seinem Instrument eine Einheit bildet, bleibt genau das zurück. Ein wahres Feuerwerk für die beiden Vorderleute der Band. Fast 15 Minuten Gefühl und gelebte Liebe zur Musik.
Nachfolgend wird es richtig interessant. Mit "Lost In Hollywood" gehen wir in den längsten Abschnitt des Abends. Nicht ganz 30 Minuten teilweise freie Improvisation aller Beteiligten. Es gestaltet zur Zauberei aller auf der Bühne. Der Ablauf ist in jedem Detail abgesprochen, doch im Grunde hören wir bei jedem Abend deutliche Unterschiede.
In dieses Feuerwerk führt uns Don mit einem kurzen Solo. Wir hören einen kurzen Ausschnitt aus seinem späteren Solo-Part. Doch der folgt erst noch. Ist der Gesangspart beendet drückt sich Ritchie fett und breit durch die Boxen. Er intoniert "A Light In The Black" eine Weile. Sein Solo ist gespickt mit verrückten Anwendungen seiner Gitarre. Beobachtet man das Prozedere vom anderen Rand der Bühne bleibt man betroffen mit offenem Mund zurück. Er ist nicht immer hart, sondern zaubert einfach tolle Melodien.
Wenn Beethoven erklingt weiß der Geneigte, dass sich erneut ein Stück Klassik erhebt um einen Seitenblick ins Rockgeschäft zu riskieren. "Difficult To Cure" ist live längst nicht mehr weg zu bekommen. Noch viele Jahre später wird es ein fester Bestandteil eines jeden Konzertes sein.
Ist dieser Epos beendet darf Don Airey endgültig die Initiative ergreifen. Er ist wesentlich technischer unterwegs wie seine Vorgänger. Verzerrungen und synthetische Effekte unterstützen seine Präsens. Wie schon zur Einleitung lauscht der Kostverehrer einer präzisen Darbietung von klassischen Einflüssen, Filmmusik, Blues und Rock.
Schließlich darf der Drummer seinen Solo-Beitrag leisten. Cozy ist ein starker Schlagwerker. Seine Einzelbeiträge sind druckvoll und ohne Show-Elemente. Er spielt hat seinen Stil durch und lässt die Augen vieler Fans erneut leuchten. Wie immer endet es mit seiner "1812 Overture". Nun kommen alle zurück und spielen kurz noch mal auf. Dann verabschiedet sich die Band.
Doch einfach so zu gehen ist nicht gewollt. Die Zuseher wollen mehr. Sie flehen und fordern. Jeden Musiker gefällt ganz sicher das Gefühl gefragt zu sein. Vielleicht hat der gefürchtete Gitarren-Gott nicht immer das Verlangen wieder auf die Bühne zu treten. An jenem Abend jedoch drängt es ihn dazu.
Blackmore startet also den neuen Abschnitt. Sein Solo ist brachial und endet in der Anspielung von "Lazy". Dass der Song über die wohl-temperierte Faulheit nicht auch gesungen wird ist schade. Nach einigen Takten der Einführung zu "Smoke On The Water beginnt "All Night Long". Nun gut der Sänger heizt die Massen nochmals an. Es entsteht eine hübsche Atmosphäre. Live ist halt Live … und so hört sich das an.
Mit dem kurzen Ausflug zum schlichten "Blues" gleitet man ins nächste Stück. Ritchie lässt sich hier nicht lumpen. Breit und fett drückt er sich durch diesen Teil der Zulage. Graham bedankt sich bei den Fans in Japan.
Carole King und Garry Goffin schrieben das nächste Stück. Es wurde 1960 und im Jahr danach zum Superhit der Band The Shirelles. "Will You Love Me Tomorrow" sollte in dieser Version sogar als Single ausgekoppelt werden.
"Long Live Rock 'n' Roll" bereitet dieser Schnulze ein brutales Ende. Kurz bricht das Feuer auf der Bühne aus. Die Boxen heben ab, das Publikum schreit mit, ist angefixt. Dann soll auch diese Zugabe Geschichte sein?
Nicht mit uns; die Forderung nach mehr Stoff ist unüberhörbar. Einst der Opener jeder Show so wanderte "Kill The King" nun in den Endteil der Auftritte. Mit den ausgefeilten Einleitungen von früher hat das Teil nichts mehr gemein. Nicht der König wird nun getötet, nein dieses Unheil widerfährt Ritchie‘s Gitarren. Furcht einflößend tost und kracht es aus den Lautsprechern, wenn der Meister sein Unwesen treibt. Die Band treibt den Rhythmus im Hintergrund. Schließlich endet das Unterfangen mit der kurzen Rückkehr des Vorgängers. Mit "Long Live Rock 'n' Roll" endet nun jedoch der Abend endgültig.
Wir hören hier in dieser Fassung eine ausgesprochen toll aufspielende Band in einem komplett erhaltenem Mitschnitt. Verliert der Klang auch den Vergleich mit offiziell geliefertem Material, so offenbart sich hier eine tolle Atmosphäre.
Auch die anderen schon erwähnten Ton-Konserven sind vollständig erhaltene Konzerte mit allen Beiträgen. Diese kleine Tour durch das Land der aufgehenden Sonne beweist wieder erneut wie besonders die Auftritte hier sind.
Diese Band gibt es so bald nicht mehr. Das letzte öffentliche Konzert endet am 18.08.1980 in Donington. Danach geht der Drummer und der Sänger lässt sich auch nicht mehr länger mit der Band in Einklang bringen.


