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LIVE

Nicht für alle Ohren bestimmt - aber toll

"Es kommt immer darauf an wer mitspielt..." so kommentiert es Wolgang Dauner 1972. Seine Musik unterscheidet sich von Album zu Album, von Besetzung zu Besetzung. So verwundert es nicht wenn sich Et Cetera beim Auftritt in Sielmingen im Mai 1973 erneut anders anhörte.

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Wieder hört man eine ganz neu eingestellte Band. Einen Gitarristen gab es nicht mehr. Statt dessen spielte Jürgen Schmidt-Öhm nun die Geige und die Flöte. Sogar und Bass bedient an jenem Abend Matthias James Thurow. Wolfgang Dauner wird auch wieder von zwei Percussionisten begleitet. Neben seinen fast schon Stamm-Trommler Fred Braceful schwingt auch noch Branislav "Lala“ Kovačev die Stöcke.

 

Die Aufnahme startet mit einem schönen Geigeneinstieg. Dann beginnt Wolfgang. Famos lauscht man dem fast schon barocken Musikstil. Danach spielt Jürgen die Flöte. Ist dieser Part beendet darf sich Matthias am Bass beweisen. Immer begleitet durch einfach lebendiges Schlagwerk. "Twelve And Nine" zieht wirklich frei und ungebunden seine Kreise. 

 

Behutsam geht es mit  "Introduction" in die nächste Runde. Allmählich löst sich die Geige und alles kommt in Schwung. Wieder hört man einen tollen Drumteppich. Ist alles verklungen muss man schnell die Erste der zwei schwarzen Scheiben wechseln. 

 

Die zweite Seite startet kurios. Vom Herrn Dauner sind wir allerhand gewohnt. Wieder erwartet uns ein Sound-Gewitter. Kaum zu glauben, dass er alle Bestandteile frei aus dem Synthesizer zieht. "Es Soll Ein Stück Vom Willi Sein" ist wieder Klangmalerei der besonderen Sorte. Zusammen mit dem Klavier, der Geige und den anderen Musikern wird es interessant. Man muss zuhören können und das was durchs Gehör fließt genießen. Für manchen Hörer durchaus harte Kost; jedoch für den Liebhaber ein Erlebnis. 

 

Zurück aus der surrealen Befremdung kann man sich in "Plumcake" vertiefen. Wieder gewinnt eine feine Melodie das Innenohr. Sofort wippt der Fuß. Alles ist leicht und beschwingt. Wer braucht schon eine Gitarre wenn eine Geige verfügbar ist. So strebt auch die zweite Albumseite druckvoll mit Drum-Einlagen dem Rillenende entgegen. Unweigerlich fragt man sich was wohl folgt. Also gilt es die zweiten schwarzen Scheibe herauszuholen.

 

Die komplette dritte Seite des Albums besteht im Grunde aus einem Song. Was auch immer "G X 3" bedeuten soll, dass es (oder er?) den Blues zu fassen bekommt hört man deutlich am Ende des Drum-Solos. Bis dahin allerdings geht es ab wie sonst nichts. Improvisation ist ganz gewiss eine wichtige Zutat für klasse Musik, hier jedoch ist es wahre Kunst. 

 

Alles was man braucht sind ein Satz Ohren und jede Menge Zeit. Die größte Besorgnis wäre hier eine Störung durch ein Klingeln an der Tür, oder das ewig verfluchte Telefon verlangt nervig nach Anerkennung. Wer bis jetzt den Kopfhörer achtlos beiseite wirft, dem kann man nicht mehr helfen. Aussichtslos begibt sich der Ignorante auf einen langen dunklen Pfad hin zur achtlosen Dahin-Plätscher-Musik des Pop-Radios. 

 

Fasziniert folge sich den Klängen dieser einfach stark spielende Band bis zum Ende der wahrlich starken 22 Minuten. Dann endet diese außergewöhnliche Geräuschkulisse und die Nadel begibt sich munter rumpelnd erneut in die kreisrunde Rille nahe dem Drehzentrum.

 

Die vierte leider auch schon letze Oberseite der Doppel-LP beginnt. Ist der letzten Live-Aufnahme des Werkes. Den Rhythmus kann man durchaus mit dem eines französischen Volkstanz vergleichen. Das Bourée-Feeling allerdings weicht schnell und es wird fast schon nahöstlich (indische Raga?). Alles vielleicht ein wenig laienhaft erklärt. 

 

Egal wie man den Start von "The Love That Cannot Speak It's Name" auch beschreibt. Im Ohr hört man die Sitar und diese umschmeichelt sich ein. Immer im Korsett des Songs gefangen gibt es wieder eine Fülle von außergewöhnlichen Klängen zu bestaunen. 

 

Mit einer Studio-Aufnahme endet das Album schließlich. Mit nicht mal fünf Minuten ist es wohl eher ein Lückenfüller. Dass es an jenem Abend ein Stück gab, dass live so schnell beendet worden wäre ist eher unwahrscheinlich. Aber was soll der Geiz; einfach zurücklehnen und das Teil auflaufen lassen. Es ist überhaupt nicht schlimm, sondern so gleitet man wieder zurück ins heimische Vertraute.

 

Wolfgang Dauner war in jener Zeit nichts für den allgemeinen unvorbereiteten Musikkonsumenten. Es bedarf einer vorsichtigen Annäherung und einen freien Geist. Grenzen kannte er nicht, wollte diese überschreiten. Ganz sicher ist das Album selten und nur noch in begrenztem Umfang verfügbar. Gelegenheiten rein zu hören gibt es jedoch immer noch. Das sollte man einmal im Leben wenigsten genutzt haben. 

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