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BACKDOOR POSSIBILITIES - Birth Control

Kompliziert und schwer zu verstehen

Nach PLASTIC PEOPLE endete die Zusammenarbeit mit CBS. Von nun an arbeitete die Band mit Brain zusammen. Alle Musiker waren noch an Bord und man zündete die nächste logische Stufe der Zusammenarbeit.

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Im Sommer 1976 traf man sich in “Conny's Studio” in Neunkirchen. Wie schon beim Vorgänger angedeutet entwickelte sich die Band weiter hin zu komplizierten Geflechten. Ein Konzept-Album in die Läden zu stellen erschien ganz sicher als der nächste Schritt.

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Um das Album verstehen zu lernen bedarf es kurz einer Einleitung. Im Grunde bezieht sich Handlung auf den Geschäftsmann Mr. Striver. Dieser begegnet dem Teufel (Scheleton). Der stellt ihn vor Gericht, Striver bettelt um sein Leben, wird verurteilt, betet und kommt in den Knast. Von hier an ist sein Schicksal ungewiss. Sicher wartet die Hölle auf ihm. Als Pointe wird dem Hörer die Weisheit präsentiert, dass der Tod zu jedem kommt. Lebt euer Leben und tretet ihm aufrecht entgegen. 

 

Im Grunde finden sich auf dem Werk drei Suiten. Diese bestehen wiederum aus drei Bestandteilen. Eine jede Suite läuft gute acht Minuten. Zwischendurch gibt es auch einzeln auftretende Songs. Diese laufen gute fünf bis sechs Minuten. 

 

Mit der ersten Suite geht es los. "One First Of April" erzählt die Geschichte der Begegnung mit Scheleton. Sie beginnt mit dem einleitenden "Prologue". Eine gute Minute darf sich der Hörer an diversen Geräuschen laben. Der Titel kündigt sich daraus an. Mit "Physical And Mental Short Circuit" geht es in die Vollen. Die Geschichte beginnt. Durchaus rhythmisch toll aufbereitet startet man in das Album. Die instrumentalen Bestandteile sind gar nicht so schlecht. Mit der vermeintlichen Flucht unseres Protagonisten geht es nun in das Finale des ersten Abschnitts. "Subterranean Escape" ist die stilistische Umsetzung dieser letztlich vergeblichen Versuches. Einen wirklich guten Gitarrenpart hört man hier. Unterstützt vom Rest der Band. Nicht schlecht nur zu kurz. 

 

Die zweite Suite folgt auf dem Fuße. "Beedeepees" sind diffuse Türen durch welche man dem Teufel von der Schippe springen kann. Es startet mit "Film Of Life". Wieder wird man beim Start mit einer Geräuschkulisse empfangen. Der Gesang ist wirklich stark. Zusammen mit dem tollen Bass-Spiel steigt die Spannung. Dann jedoch wird es jazzig. Alles swingt ein wenig. 

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Das Teil treibt sich an und wird immer wieder unterbrochen. Es ändert die Melodie und mündet schließlich mit einem Gitarrenpart in den nächsten Abschnitt. "Childhood Flash-Back" ist im Grunde eine kleine und kurze Einstreuung. Schließlich wird Final mit "Legal Labyrinth" ausgeblendet. Mr. Striver geht sang und klanglos unter, er ergibt sich und über ihm wird geurteilt.

 

Auch das Anflehen einer höheren Macht bei "Futile Prayer" hilft nur mental. Schön mit klassischer Gitarre und mit einem Orgelteppich unterlegt wird es besinnlich. Diese Zerbrechlichkeit erhebt sich zur Klangmauer. Schwer und gehaltvoll strebt  die Nadel dem Ende der Rille entgegen. 

 

Der Hörer ist gehalten das runde Teil vom rotierenden Gestell zu befreien und sich der zweiten Seite des Albums zu widmen. Hier startet die dritte Suite. 

 

"La Cigüena De Zaragoza" kann man mit dem Storch von Zaragoza übersetzen. Dieser Teil des Albums ist rein Instrumental. Das sind wirklich die besten acht Minuten des Werkes. "The Farrockaway Ropedancer" nimmt hier den größten Abschnitt ein. Eine tolle Musik erreicht das Innenohr. Jazz und auch orientalische Klänge vernimmt man. Nicht schlecht bis es in den Spatz von Paris "Le Moineau De Paris" mündet. Wieder hört man Bruno toll aufspielen. Mit Blasinstrumenten. Mit "Cha Cha D'Amour" endet das wirklich starke Stück. 

 

Es folgen zwei allein stehende Stücke. Mit "Behind Grey Walls" wird uns erklärt wie es sich anfühlt wenn man allein in seiner Zelle sitzt und auf den Teufel wartet. Scheleton hat gewonnen und Striver sitzt von Ängsten gejagt innerhalb grauer Wände. Wieder spielt die Band echt toll. Der mit Epos überfrachtete Gesang nervt mittlerweile ein wenig. 

 

Sich dem Tod nicht einfach zu ergeben, sondern mit ihm kämpfen, ihm Widerstand entgegenzusetzen ist endlich die Lehre des Albums. "No Time To Die" ist nicht der Song zum James Bond-Reißer sondern das Ende des Werkes an sich. Lebendig wird die Botschaft verpackt. Mitreißend arrangiert und aufwendig umgesetzt erlebt man hier nochmals die Band wie sich sich zu dieser Zeit verstand. 

 

Leider deckte sich diese Auffassung nicht mit der des Publikums. Während der Herbst-Tour der Band wurden Titel des Albums einem breiten Auditorium unterbreitet. Allgemeines Unverständnis resultierte daraus. Nich nur die Fans sondern auch Fachleute schüttelten die Köpfe. Da half es nichts, dass die Plattenfirma eilig eine Single nachwarf. "Fall Down" und "Laugh Or Cry" erschienen nie auf einem Album. Erst 1997 verfrachtete die Firma Repertoire Records diese beiden einst in 3D produzierten Stücke als Bonus und ordnete diese diesem Werk zu. 

 

Später erschien das Album dann noch mit drei Konzertausschnitten. Unter diesen ist ein wiederum nicht auf Album erschienenes Werk der Band live zu bestaunen. "Meta Ventilator" brennt eine gute viertel Stunde die Bühne in der Stadthalle Karlsbach am 10.05.1977 nieder. 

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Es ist zwar auch wieder teilweise verkopft, jedoch live ein zwingender Beweis für die Agilität dieser Band in dieser Zeit. Mit "Gamma Ray" und "Long Tall Sally" hören wir dann noch massentaugliche Ware. 

 

Weitere Highlight werden mit der Ausgabe 2011 (Label Boutique) veröffentlicht. In diesem Jahr erschien eine Ausgabe mit zwei CD`s. Auf der zweiten war ein Live-Mitschnitt der Band zum Album unter der Bezeichnung Sartory Live (Saturn Saal Köln 24.09.1976). 2017 konnte der geneigte Fan eine Doppel-LP des Albums vom selben Label erwerben. Dieses Mal mit neuem unveröffentlichten Material zum Album. Die zweite LP nannte sich Figure Out The Weather. Neben dem Titelsong befanden sich noch "Shake Those Crazy Nights" und "Rock It With A Long Bone" auf dem Teil. Alle Stücke werden Sessions von 1976 und 1982 zugeordnet. 

 

Wie auch immer diese Wirrwarr an Veröffentlichungen auch gemeint war. Das Album an sich ist ganz gewiss besser als sein Ruf. Vor allem die instrumentale Suite am Start der zweiten Seite weiß durchaus zu gefallen. Das Werk als Ganzes jedoch enttäuscht immer wieder beim Hören. Viele ungewöhnlich Instrumente (Fingerbecken, Sandblöcke, Klangtrommeln und die verschiedensten Synthesizer) machen das Unterfangen einfach noch ausschweifender und unüberschaubarer. Ich verbinde diese Band einfach nicht mit dieser Musik. 

 

Es liegt nicht daran, dass man gezielt hinhören muss. Nein das finde ich sehr gut. Eine andere Art des Musikgenusses kann ich persönlich nicht ertragen. Es ist für mich sehr wichtig den Klängen ungestört zu folgen. Die Darbietung der Stücke selbst, der Anspruch der Musiker, auch die Schwere und die ungelenke Verpackung der doch eher trivialen Botschaft enttäuscht doch sehr. 

 

Diese Bandzusammensetzung hielt auch nicht mehr. Sie zerbrach kurz später. 1977 gaben sie fast keine Konzerte. Der Boden war erreicht. Von nun an konnten sich die Musiker wieder auf den Weg machen ihre Fans wieder abzuholen. Doch das ist eine andere Geschichte. 

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