LIVE ´79 - Birth Control
Leider als LP zu kurz
Die Band befand sich in einer Art Transformation. Sie wollten wieder zurück zum einstiegen Knaller-Rock. Mit diversen Experimenten spannten alle Beteiligten die Nerven der meisten Fans. Zeus B Held hatte die Band verlassen. Er beschäftigte sich jetzt weiter mit Solo-Projekten, als Produzent und hatte noch eine lange Kariere.

Das aktuelle Album musste jedoch promotet werden. Mit Wolfgang “Vox” Horn konnte der vakante Posten auch schnell neu besetzt werden. Der wiederum war der Band von allerlei Konzerten bekannt, bei welchem seine frühere Band Soundedge als Vorgruppe spielte. Auch Zeus B Held spielte einst in dieser Band als zweiter Keyboarder.
Am 24.03.1979 präsentierte sich die Band mit dem neuen Keyboarder in der TV-Sendung “Sparring“. Während der Tour im Frühling liefen in der Niederrheinhalle in Wesel am 19.05. die Bänder mit. Ein Live-Album sollte entstehen. Schlicht und einfach mit dem betitelt was sich zwischen den Rillen verbarg. Diese Scheibe zeigt die Band bei dem was sie schlicht ausmachte.
Gleich zum Beginn ertönt der Titelsong des aktuellen Albums. Ein entspanntes Stück Live-Mucke empfängt den Hörer. "Titanic" wird hier druckvoll und authentisch aufs Publikum losgelassen. Zwischendurch hört man das Volk klatschen während sich die Band auf der Bühne gegenseitig stützt.
Weiter geht es mit "Saturday Special". Dieses Stück gehört neben dem Erstling hier zu den besseren Stücken des letzten Studio-Werkes. Die leichte Atmosphäre des Songs hinterlässt eine gelockerte Stimmung im Inneren des Hörers. Die Band jammt ein wenig und man spürt deutlich die pure Kraft von frei aufspielenden Musikern.
"Seems Like It‘s Confusion" stammt ebenfalls vom letzten Album. Die Orgel pumpt beständig, begleitet durch eine starke Rhythmus-Gruppe, breitet sich eine offene und dynamische Stimmung aus. Wolfgang gibt hier gehörig Gas. Genau solche Klänge erwarten die Gäste im Saal und die Band liefert klassisch ab.
Sehr lebendig wirkt "Fight For You". Die Band drückt das vom Album Increase kommende Stück gekonnt durch die Boxen. Neben Bruno darf Horst mit seinem Bass-Spiel glänzen.
Das gelingt ihm ausgesprochen gut und der Hörer hört hier ein tolles Solo. Schön eingebettet in das Spiel der anderen Beteiligten auf der Bühne wird einem dieser Höhepunkt nicht langweilig. Auch das ergänzende Trommelspiel vom Herrn Noske hört man an dieser Stelle richtig gut. Die Band zeigt sich von ihren besten Seite. Ihre Musik live ins Publikum zu feuern, dazu waren die Herren in jeder Phase ihrer Formation einfach geboren.
Zum Abschluss wird noch ein Klassiker der Band zum Besten gegeben. Nicht das immer wieder gespielte "Gamma Ray" wurde auf dem Vinyl verewigt, sondern der Anti-Kriegs-Song "The Work Ist Done". Nicht im geringsten steht dieser Song dem Vorgenannten nach. Das Teil wird gekonnt in Szene gesetzt. Nossi gibt hier kurz den Unterhalter unterstütz von Bruno. So etwas braucht der Fan und die Band im Grunde auch.
Das Album ist eigentlich viel zu kurz. Die Brillanz der Beteiligten kommt in den fünf zur Verfügung stehenden Stücke nicht ausreichend zur Geltung. Hierzu wäre nur ein kompletter Mitschnitt der Show in der Lage gewesen. Die Musik selbst ist ganz sicher hervorragend festgehalten.
Das Album war eher eine Pflichtaufgabe der Band gegenüber dem Label. Ein Live-Mitschnitt galt hier als Abschluss der Handlungen für das alte Management. Ein neuer Plattenvertrag mit Ariola wurde angestrebt. Auch der Verleger änderte sich. Restlos überzeugen kann das Werk nicht. Die zu kurze Werkschau bildet nicht die volle Performance der Band ab. Sie gibt im Grunde nur eine kurzzeitige Aufblende des Bandschaffens wieder.


