top of page

BÄNG! - Birth Control

Die letzte Studio-LP mit Bruno

In einer Zeit der ständigen neuen Musik-Stile war es schwer noch Bestand zu haben. Neben dem Punk griff die “Neue Deutsche Welle” [NDW] um sich. Die Band konzentrierte sich auf sich selbst. Im Mai und im Juni 1982 traf man sich in Dieter Dierks Studio in Köln. Man spielte live acht neue Songs ein. An den Keyboards saß nun Ulrich Klein.

image.png

Legt man die Platte auf den Teller und ließ diesen dann rotieren, so startet das Werk nach dem Aufsetzten der Nadel mit "Nuclear Reactor". Gleich zu Beginn meint man das Aufnahmeband liefe kurz rückwärts. Stark und zielstrebig begibt man sich in den kritischen Song zum Thema Kernkraft. Ein durchaus aktueller Bezug zur Gegenwart wird hier offenbart. Die Gitarren von Bruno und Stefan sind dominant. Immer wieder erfahren diese tolle Unterfütterung durch die Orgel.

Mit dem furiosen "Get Ready To Run" geht es weiter. Ein irres Tempo reißt den Hörer mit. Dieser Wettlauf ist brutal und brachial. Bernd trommelt hektisch und hält den Rhythmus oben. Die Band ist eindrucksvoll auf der Flucht. Gitarrenläufe, eine schwere Tastensektion und ein cooler Bass schieben den Gesang druckvoll in den Äther. Nach dem tollen Ende fragt man sich ob das wirklich nur vier Minuten waren.

 

Bei "Take Alarm" singt Bruno. Bleischwer sinnt er über die Existenz der Menschheit. Werden wir unseren Planeten vernichten? Ganz gewiss, doch vorher gönnen wir uns doch noch ein wenig gute Musik! Zur Ballade fehlt dem Teil die tolle Melodie. Episch wird es, wenn es auch mit ein wenig zu viel Pathos versehen wurde. 

 

"Greedy Eyes" ist das ganze Gegenteil dazu. Trocken und dynamisch wippen die Füße im Takt. Geradeaus-Rock muss so klingen. Keine Minute ist langweilig. Immer wieder wird die Melodie unterbrochen bis sie es schafft durchzustoßen. Klasse Rock der Superklasse. 

 

Schnell das schwarze Ding gedreht. Die zweite Hälfte beginnt mit "The Day Of Doom Is Coming". Solche Stücke erwartet der Fan von dieser Band. Gute acht Minuten driftet man fantastisch auf den düsteren Schwingungen dahin. Dunkel und bedrückend schwingt die Botschaft mit der Band. Schick wird in den Drum-Teil übergeleitet. Alles ist schlüssig und ganz sicher zum Anfeuern der Massen am unteren Ende der Bühne bestens geeignet. 

Das Chaos ist bei "Doom Boom" ausgebrochen. Rette sich wer kann, gibt es Hoffnung? Ganz gewiss doch, lauscht man der Band. Lebendig und druckvoll rast man dem Ende zu. Wieder singt Bruno. Der Song ist strukturell einfach stark umgesetzt. Die Dramatik scheint immer mehr zuzunehmen. Sie entlädt sich im Refrain. Alles ohne Effekte und Explosionen. Handwerk pur. 

 

Mit "The King Of An Island" endet das Werk langsam und nachdenklich. Die schwere Melodie passt klasse zum Text. Schick veredelt mit einer tollen Gitarren-Spur wird eine brauchbare Ballade aus dem Teil. Als Schlussakkord macht das Stück echt was her. Das Untermalen des Gesangs zum Ende hin bringt reichlich Dynamik zum Schluss des Albums. 

 

Diese Scheibe fand kaum Beachtung im sich immer schneller entwickelnden Musikmarkt. Es erinnert stark an ein Konzept-Album. Dunkel beleuchtet die Band die atomaren Bestrebungen der Menschheit. 

 

Clevere Dukatenzähler produzierten damals schon längst kurzweilige Musik in Serie. Mit dieser installierte man eine Art Hintergrund-Beschallung im Radio. Allein den Punk oder der “NDW“ für den scheinbaren Untergang der Rockmusik in dieser Zeit vors Loch zu schieben wäre schlichtweg falsch. 

 

Dieses Album hier ist eine stete Erinnerung daran was auch Anfang der Achtziger noch möglich war. Ist es auch nicht ganz so gut wie der Vorgänger, so wurde es auch immer mal wieder neu veröffentlicht. Mit allerlei Sigle-Versionen und anderem Krimskrams wurden diese Ausgaben dann aufbereitet. 

 

Nach der Fertigstellung des Werkes entließ man 1983 Ulrich Klein. Für ihn drückte Jörg Becker nun die Tasten. Eine wirklich starke Veröffentlichung einer Band, welche sich nicht von den Strömungen der Zeit gefangen nehmen wollte. 

 

Leider überlebte Bruno Frenzel das 13. Album nur gut ein Jahr. 1975 bekam er aufgrund eines technischen Defektes am Bühnenaufbau einen elektrischen Schlag von seiner Gitarre. Er musste fortan mit einem Herzklappenfehler leben. Am 21.09.1983 gab sein Herz auf. Die Band und die Fans mussten ihn für immer ziehen lassen. Möge er im Frieden ruhen. 

Bildschirmfoto 2026-06-06 um 21.44_edite
Bildschirmfoto 2026-06-06 um 21.44_edite
bottom of page