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CONDONIUM - Birth Control

Ein starker Neustart einer Legende

Nach dem Tod von Bruno Frenzel 1983 löste Bernd Noske die Band auf. Die Musiker tingelten durch verschiedenste Bands. Nossi und Horst Stachelhaus verloren sich jedoch nicht aus den Augen. Als beide zusammen bei der neugegründeten Band Mr. Goodtrip mitmischten konnte man einer Réunion von Birth Control nicht mehr widerstehen. Es kam also zu Vorstellungen von neunen Kollegen.

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Rocko Zodiak spielte schon bei der Klaus Lage Band. Mit seinem tollen Gitarrenspiel beeindruckte er die Anwesenden während einer Session auf der Musicfarm. Rolf Klein (so sein bürgerlicher Name) passte nach Meinung der beiden feststehenden Mitglieder sehr gut zur Band.

Für die Tasten bewarb sich Xaver auf die vakante Stelle. Mit gut 20 Jahren befand ihn Nossi schließlich als noch zu jung. Er änderte seine Meinung als er dem Herrn Fischer bei der Arbeit zuhörte. 

 

Im Frühjahr 1993 zog man sich zurück um zu proben. Man wollte mit Live-Auftritten den beabsichtigten Neuanfang öffentlich bekannt geben. Die Band war schließlich eine bekennende Live-Truppe und genau dorthin wollten sie zurück. Es galt dem Publikum wieder einzuheizen, ihnen knallhart zu zeigen wo der Hammer hängt. Sie waren wieder zurück und suchten das alte Publikum.

 

Der Rest der Welt jedoch nahm davon relativ wenig Notiz. Zu lange fehlte der einst gefeierte Bandname in den Schlagzeilen. Die Welt drehte sich schlicht weiter. Also wurde eine Tour gebucht. 

 

Es begann in der Balver Höhle am 21.08.1993. Hier spielte die Formation noch vor relativ wenigen Zuschauern. Unter den Fans sprach es sich schnell herum. Die Anzahl der zahlungswilligen Musikkonsumenten nahm jedoch während der Herbsttour deutlich zu. Diese führte die Band durch Clubs in Deutschland und in der Schweiz. 

 

Drei Konzerte wurden in Deutschland mitgeschnitten. Es gab letztendlich Aufnahmen der Abende aus Düsseldorf, aus Oberpleis und Übach-Palenberg. Einzig für das letztgenannte Event lässt sich einem Datum zuordnen. Hier trat die Band in der Rockfabrik in Übach-Palenberg am 14.12.1993 auf. 1994 veröffentliche die Band Ausschnitte dieser Aufnahmen auf dem Label des Bassisten - Affengeil-Records.

 

Das Album beginnt mit dem Protest-Song vom Album OPERATION von 1971. "The Work Is Done" drückt sich scharf und breit in die Ohren des Hörers. Die überaus harte Gitarre von Rolf Klein (alias Rocko Zodiak) ist brutal. Auch Xaver erscheint voll im Sound. Die Band wirkt frisch.

 

Mit einem Song von 1982 geht es weiter. Auf der LP BÄNG befand sich einst "Get Ready To Run". Druckvoll wird man in das Teil eingesaugt. Wieder fällt einem dieses dynamische Gitarrenspiel auf. Fast schon dominant kommt es einem vor. Stark mit dem Bass unterfüttert geht hier die Post gewaltig ab. Später schießt sich die Orgel rein. Die Drums von Nossi sind phänomenal.

 

"Trail Trip" stammt von Plastic People. Dieses Stück von 1975 wird hier deutlich entschlackt. Der bleischwere Grundrhythmus breitet sich auf der Bühne aus. Dann weitet sich das Stück. Wieder zündet Rolf ein kleines Feuerwerk.

 

Der Blues-Titel "That Was Yesterday" findet sich nur auf dieser CD. Er klingt wie eine Erinnerung an das was mal war. Gleichzeitig begründete er mit viel Kraft den Neubeginn der Bandgeschichte. Wirklich tolle sechseinhalb Minuten. Die Härte der Gitarre wird in einem tollen Orgelbett eingefangen. Bis schließlich Xaver voll loslegen darf. Alles total glaubwürdig und ehrlich. 

 

Von REBIRTH kommt "No Shade is Real". Einfach entspannen und sich erfreuen an der einfach starken Mucke. Der Song wird nicht überspielt. Die kurzen Solos passen exakt in die Nummer. Leider wird wahrscheinlich das Bass-Solo vom Herrn Stachelhaus ausgeblendet. 

 

Mit "Stop The Little Lady" hören wir wieder einen Brecher aus der besten Zeit der Band. Mit über 13 Minuten Laufzeit wird diesem Song auch der gebührende Raum eingeräumt. Die Bühne brennt, alles pulsiert und Nossi treibt die Fans an. Das liebe Kostverehrer sind Birth Control. Auf der Bühne fegen sie alles weg. Sie sind die ungekrönten Meister - Live einfach ein Hammer-Act. Zusammen mit einem tollen Drum-Solo von Bernd Noske ist es nicht eine Sekunde langweilig.

 

Das Album HOODOO MAN steht 1972 mit dem Über-Hit "Gamma Ray" immer ein wenig über dem restlichen Schaffen der Band. Das ist nicht gerecht, da wir wissen welche Großtaten diese Band noch drauf hatte. Wie gut das Teil auch nach dieser langen Pause immer noch passt kann man nun herausfinden. Nachdem die kurze Synthesizer-Einleitung verflogen ist beginnt das Teil einfach. 

 

Wer kennt diesen Song nicht. Gut zwanzig Jahre sind vergangen, viel hat sich im Bandgefüge geändert, das Gefühl beim Hören bleibt gleich. Dieser Druck ist wirklich stark. Unterlegt mit einem tollen Bass gleitet man in die erste Improvisation des Titels. Diese Mucke ist einfach Spitze. Einfach irre wie gut und brutal sich Rolf anhört. Warum er sich hinter einem Pseudonym versteckt ist nicht nachzuvollziehen. Nossi treibt die Massen an und das Teil startet neu durch. Nun wird die Orgel in den Vordergrund gedrückt. Xaver greift in die Hammond und Horst drückt mit dem Bass gehörig nach. Nossi führt das Stück seinem Untergang entgegen.

 

Quasi als Zugabe gibt es auf dem Werk noch "She’s Got Nothing On You"  zu hören. Einst mit REBIRTH das erste mal zur Welt gebracht, wird es auch hier gehörig aufgepeppt. Wie schon das ganze Album über einfach bretthart durch die Boxen gejagt wirkt es so frisch wie selten. Die Band ist stark motiviert und zeigt es auch mit jeder Minute ihrer Präsentation.

 

Die CD endet schließlich mit einem kurzen Ausflug zu letzten Album mit Bruno Frenzel. Ist es eine Reminiszenz an diesen leider zu früh verstorbenen Gitarristen? Auch "Greedy Eyes" wirkt frisch. Man wünscht sich gut die doppelte Spiellänge. Leider endet der letzte Song des Werkes nach gut dreieinhalb Minuten. 

 

Sind die Töne erst verklungen bleibt man unweigerlich im Geschehen noch eine Weile hängen. Man ist begeistert. Der näheren Umgebung und vielleicht auch der ganzen Welt möchte man die frohe Botschaft unterbreiten. Freunde sperrt die Ohren auf und öffnet eure Herzen; wann und wo ihr hinhört - die Legende lebt!

 

Die Band tourte in dieser Besetzung noch bis zum Jahresanfang 1995. Mit Rolf stellten sich Komplikationen ein. Es entstand ein Missklang zwischen ihm und der Band. Am 07.01.1995 spielte er in der Stadthalle Hilden ein letztes Mal zusammen mit den anderen auf der Bühne. Xaver brachte Bernd Engelhardt in die Band.

 

Leider verloren sich die Spuren von Rolf Klein von diesem Moment an. Er experimentierte später und spielte mit dem Gitarristen Dennis Hormes. So beteiligte er sich ausgerechnet als Bassist bei der Band Cancer & Aquarius. Zusammen veröffentlichte man 1997 das Album The Dennis Hormes Project. Leider verstarb er am 02.01.2015. Sein früher Tod stellt einen traurigen Umstand dar. Dieser Gitarrist war durchaus bedeutend. Faktisch erfuhr er nie die Beachtung, welche ihm im Grunde doch zugestanden hätte.

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