TWO WORLDS - Birth Control
Ein Live-Album aus dem Studio
Die Band tourte 1995 durch Deutschland und der Schweiz. Am 10.03. stand sie mit neuen Gitarristen auf der Bühne der Festhalle Faulbach. Peter Engelhardt wurde durch Xaver in die Band empfohlen. Im Juli und August verbrachte man die Zeit mit der Einspielung einer neuen CD.

Auf dem Album sind nochmals Werke zu hören für welche Nossi kompositorisch verantwortlich zeichnete. Später übernahm das Xaver. Nicht alle Titel waren neue Werke. Auch einige aus früheren Perioden wurden aufgegriffen und neu gestaltet.
Mit einem frischen "Preacher Man" startet der Hörer. Schwer schleppt es sich, wirkt trotzdem nicht fade. Nossi klingt gleich zu Beginn mächtig. Peter spielt anders als seine Vorgänger. Er hält sich zurück, ist nicht so dominant. Kein schlechter Song zu Start. Dieses Stück findet beim nächsten Album JUNGLE LIVE nochmals Verwendung. Hier hört es sich breiter an. Mir gefällt diese Version nicht so gut wie jene vom Album TWO WORLDS.
Weiter geht es mit "Two Worlds". Der Titelsong wird rhythmisch mitreißend in Szene gesetzt. Eine starke Gemeinschaftsleistung der Band. Beim Hören merkt man diesem nicht dessen Kürze an. Der Neue darf hier gleich glänzen.
Auch "Automatic World" ist nochmals auf JUNGLE LIVE vertreten. Wie auch schon "Preacher Man" gefällt mir die Version besser als jene aus dem Folgejahr. Sie wirkt direkter und auch ein Stück druckvoller. Musikalisch gibt es erneut die volle Breitseite. Diese Art von Unterhaltung erwartet der Typ am anderen Ende des Lautsprechers.
"The Sperminator's Lost Battle" ist eine kleine Besonderheit. Hier spürt man wie gut die Band jammt. Horst spielt einleitend ein wirklich schickes Solo. Einfach die Augen schließen und staunen. Der Bassist überzeugt in der vollen Länge. Er klingt faszinierend. Dann drückt sich Nossi ins Stück.
An diese Improvisation schließt sich ein Titelsong aus dem Jahr 1972 an. "Hoodoo-Man" wird gehörig entstaubt. Mächtig wie einst sorgt es für freie Gehörgänge beim Konsumenten. Klar und präzise breitet sich das Teil aus. Peter versorgt es mit einem tollen und gelassenen Solo.
Vom Nachfolger REBIRTH stammt "Back From Hell". Es passt gut an diese Stelle. Wieder werden wir mit einem messerscharfen Sound verwöhnt. Die Spannung baut sich hier erst langsam auf. Zum Ende entlädt sie sich dann meisterlich. Es macht einfach nur Spaß zuzuhören.
Mit "The Sperminator Strikes Back" begibt man sich mit Bernd Noske auf die Reise. Er übernimmt die kurze Einleitung und trommelt fortan allein weiter. Das liebe Freunde macht er erneut richtig cool. Hier hört man zweifelsohne einem Könner zu. Ist das Solo auch nicht sonderlich lang, so lässt er die Felle jedoch gewaltig fliegen.
Bei dieser Synthesizer-Einleitung weiß der Fan sofort was nun folgt. "Gamma Ray ˋ95" ist nicht nur eine neue Version des alten Songs. Nein hier steht er für den Neuanfang der Band selbst. Egal wo das Ohr auch hinhört. Überall gibt es Mucke direkt fürs Herz. 1972 wurde es weltweit bekannt. Auch 23 Jahre später ist es immer noch unsterblich. Tausende Abende in schwitzigen Hallen schärften das Gefühl für das Teil. Nossi als einzig verbliebenes Erschaffungs-Mitglied gibt diese Gefühl beständig weiter. Auch Horst hat es sicher schon tausendmal mit seinem Hammer-Bass befeuert. Gitarre und Orgel kleiden das Teil schließlich ins frische Gewand. Wem bei dieser Jam-Nummer nicht die Beine wippen, wer hier rummäkeln muss, dem kann nur Luzifer selbst helfen!
"Burnt Gas" ist vom letzten Album mit Bruno. Es steht wie kein zweiter Song fürs Motto der CD. Bruno fehlt uns ganz sicher; er wird durch Peter jedoch gut in Erinnerung behalten. Der spielt mit Sicherheit auch mehr im Sinne des 1983 verstorbenen Gitarristen als es sein Vorgänger Rolf Klein vermochte.
Mit "The Work Is Done" geht der Mitschnitt zu Ende. Der alte Bretterhauer von 1971 ist auch 1995 ein echt toller Song. Gut eine Stunde lang hörten wir dieser Legende zu. Die Arbeit ist ganz sicher getan, wird können uns zufrieden zurücklehnen und das Album auch ruhig nochmal hören.
Dieses Album wirkt auf mich wie eine Studioversion eines tollen Live Konzertes. Die Titel wirken nicht wie aus der Konserve. Sie leben und fühlen sich klar und direkt an. Man hat den Eindruck die Band hat uns mitgenommen in die Musicfarm. Quasi sind wir Zeugen dieser Interpretationen. Mittendrin im Geschehen steigert sich das Verlangen mehr von diesen fantastischen Musikern zu hören. Kann es eine schönere Erfahrung geben?


