GETTING THERE - Birth Control
Ein Lebenszeichen der Band
Seit dem letzten Album 1996 war die Welt nicht gerecht zur Band. Ihr fehlte ein zielorientiertes Management. TWO WORLDS und JUNGLE LIVE wurden in Eigenregie produziert und auch vermarktet. Der Band fehlte es an breit angelegter Werbung. International wurde sie nicht erkannt. Sie tourte durch kleinere Clubs und verdiente sich das Geld mit harter Arbeit.

1998 mutierte zu einer kompletten Katastrophe. Die Beteiligten bastelten am neuen Album. Plötzlich erkrankte Horst Stachelhaus schwer. So ziemlich alle Bassläufe an den neuen Stücken hatte er noch aufnehmen können. Sein letzter Auftritt mit der Band fand am 28.02.1998 in der Titanic in Sendenhorst statt. An jenem Abend übergab er der Band eine Kassette mit einem Mitschnitt aus der Stadthalle Korbach (vom 01.05.77). Auf diesem Band war die einzige Version von "Meta Ventilator". Über das Label MIG kann man diesen Abend live erleben. Der Mitschnitt ist enthalten auf der ersten Scheibe des Doppels TWO EGGS - TWO CONCERTS. Ausschnitte des Konzertes wurden auch später als Bonus der LP BACKDOOR POSSIBILITIES hinzugefügt.
Niemand konnte zu jener Zeit auch nur ahnen wie ernst es um den Bassisten stand. Er traf den Sensenmann zu früh und verstarb am 20.05.1999. Was für ein Verlust für die Musikwelt und die Band.
Am 29.05.1998 gab Hannes Vesper in der Großen Freiheit in Hamburg seinen Einstand. Er vervollständigte noch einige Bass-Spuren der neuen Songs.
Mitte 1998 gab schließlich die Musicfarm auf. Manfred Zahn ging nach Spanien. Die Band stand ohne Vermarktung und Buchungsstelle da. Ein Bündnis mit dem Label Ohr (Ohr Today) brachte schließlich die Rettung.
1999 erschien schließlich GETTING THERE auf CD. Es beginnt mit "When The Night Fall". Das Midtempo-Stück führt mit jeder Menge Keyboard gekonnt ins Werk. Geruhsam gleitet man durch die sechs Minuten. Auf dieser tollen Klangkulisse driftet man durch die Zeit. Willst du mir folgen … so lautet die Devise auch beim nächsten Song.
Bleischwer geht es mit "Garden Of Gold" weiter. Fast schon eine Spur zu schwer. Auch der zweite Titel stellt grundsätzliche Fragen. Fast meint man das Stück verliert sich. Langsam und gewaltig drückt es sich ins Innere der Hörers.
"Love Strike" beginnt mit einer tollen Bass-Line. Diese schiebt das Teil voran. Ein wirklich toller Liebes-Song. Die Zurückhaltung der anderen Musiker passt nicht so richtig zum irren Grund-Drive des Bassers.
Schlicht und bescheiden beginnt "Simpler As It Seems". Ein Rock-Titel mit einer einfachen Botschaft. Die inhaltliche Finsternis steht dem doch eher positiven Kontext der Überschrift deutlich entgegen. Peter spielt hier wirklich gut über dem Klangbett der restlichen Mitstreiter.
Es bleibt auch im nächsten Abschnitt dunkel und schwer. Das Riff von "All That I Want" klingt modern. Es fordert und steht in guter alter Rock-Tradition. Im Grunde tauglich fürs geneigte Rock-Radio.
Mit dem Titelsong geht es weiter. "Getting There" wiegt ebenfalls schwer. Ungewöhnlich ist es schon ein Album nach einem Instrumental zu benennen. Doch diese Band hier ist auch alles andere als normal. Man braucht etwas Geduld. Es ist nicht so langweilig wie es sich nach dem ersten Hördurchgang anfühlt.
Klassisch zur einfachen Gitarre leitet Nossi in den nächsten Song. "The Rose" ist ein wenig wehmütig. Melancholisch treibt man durch die Zeit. Die sieben Minuten ziehen sich. Es fehlt die große Melodie. Nossi singt das Teil echt cool.
Beim achten Song wacht man aus der Schwermütigkeit auf. "Hard Times" lebt von Anfang bis zum Ende. Ein wirklich schicker Song mit einer guten Länge um im morgendlichen Frühstücksradio aus den Lautsprechern zu springen. Das wollen potentielle Neukunden hören. Legt die Beine hoch und sinnt übers Leben nach.
Doch dieser Anflug von Lebenslust hält nicht lange an. Wieder ziehen den Hörer schwere Rhythmen in den Keller. Selbstkritische Fragen rattern dem Hörer durchs Gebälk der Denkstube. "Will Someone Know My Name" belastet.
Man ist fast schon glücklich, dass beim letzen Titel der Text fehlt. "After 360 Degrees Of The Cycle" ist ein gutes Stück spacig geraten. Die Melodie des Gitarristen passt gut und heitert das Unterfangen deutlich auf.
Das Album ist düster und wirklich fast schon depressiv. Was gänzlich fehlt sind die schnellen Rhythmen, die Abwechslung im Gefüge und die Spontanität in der Interpretation. Das Album ist gewiss nicht das Beste der Band, jedoch ein Lebenszeichen.


