LIVE IN LACHENDORF - Birth Control
Nicht der beste Live-Mitschnitt
Am 20.05.1999 verstarb Horst Stachelhaus. Seinen Platz am Bass nahm schon im Vorjahr Hannes Vesper ein. Zusammen ging die Band auf Tour.

Am Abend des 28. August trat diese Formation neben anderen Bands in der Foßmühle in Lachendorf auf. Dieser Abend wurde in guter Qualität durch einem langjährigen Freund der Band, Eckhard Gallus, mitgeschnitten.
Es beginnt mit einem alten Bekannten. "The Work Is Done" ist ein wirklich cooles Stück. In jeder Version wirkt es flüssig und scheint nie aus der Zeit zu fallen. Der Refrain besitzt einen hohen Wiedererkennungseffekt. Nicht übertrieben hart geht man zu Werke. Es knallt jedoch gewaltig.
"Love Strike" ist einer der Höhepunkte des letzten Albums. GETTING THERE ist mir im Grunde zu dunkel. Dieser Song passt jedoch ins Portfolio der Band. Purer Drauf-Los-Rock mit einem starken Drive. Unweigerlich ein toller Begleiter live auf der Bühne. Schade ist, das sich das volle Potential nicht entfaltet. Alles zu kurz ohne Ausflüge.
Statt das Teil so zu ehren zieht man "Trail Trip" aus der Mottenkiste. Auch diese Teil gehört nicht zu meinen persönlichen Favoriten. Seit 1975 wird es immer mal wieder auf der Bühne ausgebreitet. Es passt in seiner düsteren Klangoptik ganz gut zur Bandzusammensetzung dieser Periode. Hier fällt es bleiern ins Publikum. Peter lockert das Stück schön mit seinem gefühlvollem Spiel auf. Schick und ganz gewiss meisterlich.
Im Jahr 1996 erblickte "Call Me" das Licht der Welt. Eine Hammer-Hymne reißt den Hörer aus dem Dämmerzustand. Jetzt brennt die Bühne. JUNGLE LIFE grüßt heftig und erschlägt die Konsumenten. Man wünscht sich mehr davon, ist voll im Sucht-Modus. Doch zu plötzlich endet das Teil.
Schwer schleppt sich "All That I Want" über die sieben Minuten. Vom zu jener Zeit aktuellen Album stammend erkennt man das Defizit dieser Epoche. Zu schwer und irgendwie zu lang.
Einst als Doppel auf TWO WORLDS veröffentlicht hören wir hier den zweiten Teil der ˋSperminator-Saga´. Auf dem Studio-Album durfte erst Horst sein Bass-Solo spielen ("The Sperminator's Lost Battle"). Im zweiten Abschnitt ("The Sperminator Strikes Back") schlägt Nossi mit den Drums zurück. In diesem Mitschnitt fehlt das Bass-Solo. Das wirklich starke Schlagwerk wird hier direkt nur mit kleiner Einleitung an die Massen vor der Bühne abgeleitet. Und was für ein Solo wir hören. Freunde der gepflegten Fellbehandlung lauscht in die Ohrmuscheln des Kopfhörer, reißt die HiFi-Anlage auf! Das Schlagen der genervten Nachbarn bildet einen tollen Hintergrund zum sich offenbarenden Spektakel.
Diesen Höhepunkt kann nur noch mit einem Song gesteigert werden. "Gamma Ray" kann man zu jedem Event genießen. Ankündigen muss man dieses Teil gewiss nicht. Wirkt der Start auch wenig gestresst, so kann man während der 22 Minuten mit den Beinen wippend den Alltag getrost ausblenden. Wenn der Postbote jetzt klingelt; verdammt dann geht das Paket zurück oder einer der Nachbarn opfert sich! Nichts auf der ganzen Welt reißt mich aus dem Rhythmus. Es brennt die Bude und ich bin gezwungen zu lauschen.
Nach dem ersten Teil des Stückes übernimmt Nossi das Geschehen. Mit dem Bass steigen die anderen wieder ein. Peter zieht und drückt dann die Saiten gepflegt und nicht ausgeflippt. Mit Verstand kleidet er seinen Part aus. Eine gelungene Improvisation breitet sich auf dem Teppich der restlichen Beteiligten aus. Das ruhige Ende überrascht total und entspannt den Bogen.
Unweigerlich nimmt einem dieser Song mit. Die Instrumente sind präsent und drücken sich frei durch die Membranen. Wem hier nicht das Rocker-Herz bebt der ist bereit Tod und für immer verloren.
Zum Abschied wird "Jungle City" auf die Bretter geschmettert. Jedoch spürt man nach dem letzten Hammer ein wenig Frust. Schade mit diesem Song geht diese Konserve in die finale Runde.
Das Album ist ein Zeichen. Es zeigt die Live-Performance dieser Band. Sind die letzten beiden Alben auch wenig bekannt und auch nicht besonders toll, so werden Stücke daraus durchaus massentauglich in die Reihen der Zuseher und vor allem der Zuhörer gedrückt. Nicht unbedingt das beste Live-Werk, jedoch immer noch ganz sicher eine Messlatte für andere Bands.
Xaver Fischer war dann vor Beginn des nächsten Jahres weg. Eigene Interessen mit seinem parallel betriebenen eigenen Trio überwogen. Hannes Vesper half ihm dabei. Er blieb der Band erst einmal erhalten. So sammelte Sascha Kühn Erfahrungen mit der Band. Am 13.03.2000 stand dieser das erste Mal mit der Band im Schwarzen Adler in Rheinberg auf der Bühne.


