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LIVE - Birth Control

Ein vielseitiges Werk mit Ewigkeitsgarantie

Für REBIRTH verstärkt er mit seinem Gitarrenspiel die Band. Im Januar 1974 verließ Dirk Steffens diese leider schon wieder. Es standen Touren auf dem Plan. So machte die Band halt ohne ihn weiter. Quasi das ganze Jahr war man mit einigen Pausen in Deutschland und auch in der Schweiz unterwegs. Am 28. Oktober enterten sie die Bühne im “Palais des Sports“ in Paris. Die Band spielte sich zum Publikumsliebling. "Gamma Ray" war immer noch schwer angesagt. Für die Leser des MUSIK EXPRESS waren sie die Live-Band Nummer 1.

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Ohne Peter Dirks wurden die Auftritte in der Eishalle Freiburg, der Stadthalle Attendorn und der Stadthalle Dorsten aufgezeichnet. Glaubt man den Angaben zum Album wurden die Mitschnitte im Juni 1974 aufgenommen. Der Auftritt in der Eishalle Freiburg ist belegt. Er fand am 02. Juni unter dem Motto “Birth Control At Rock City 1974” statt. Der Auftritt in der Stadthalle Attendorn lässt sich für dieses Jahr nicht belegen. Am 22.10.1972, am 14.03.1973 und am 12.09.1976 fanden dort Konzerte mit der Band statt. Nirgends findet man einen Vermerk auf ein Konzert im Jahr 1974 in Attendorn. Mysteriös ist auch der Bezug zum Veranstaltungsort der Stadthalle Dorsten. Am 08.Juni 74 traten sie in der Aula der St. Ursula Realschule in Dorsten auf. Dieses Durcheinander ist ärgerlich, da es nicht transparent erscheint.

Doch zurück zum Album selbst. Egal wo und wann es nun genau aufgezeichnet wurde, so entstand jedoch ein tolles Werk. Die Aufnahmen für die wahrscheinlich im Herbst 1974 erschiene Doppel-LP sind sicher nicht in der damals üblichen Live-Reihenfolge aneinander gefügt. Das stört ebenso ein wenig. 

 

Die erste Seite startet mit "The Work Is Done". Der Song stammt von OPERATION. Die Band spielt einfach klasse. Hier gibt es jede Menge Druck. Die Einlage mit dem Saxophon, gespielt von Zeus, ist neu. Sie gibt dem Song einen leichten Jazz-Verschnitt. Dann geht es kurz mit Nossi durch. Er trommelt ein schönes kurzes Solo und leitet so in den harten Teil über. Geil gemacht und die Gitarren-Mucke im Anschluss muss sich vor großen Namen nicht fürchten. Bruno hat richtig Speed in den Fingern. Entspannt mit einem starken Zeus geht es dann dem Ende entgegen. Einfach stark wie sich die Band hier anhört. 

 

Bei "Back From Hell" (zweite Seite) singen Nossi und Bernd Föller gemeinsam. Dieser Song stammt vom aktuellen Album REBIRTH. Der Gesang hört sich nicht so toll an wie auf der Studio-Produktion. Ich denke, dass das für eine Live-Aufzeichnung auch normal ist. Die Musik hingegen wird wirklich stark in Szene gesetzt. Das Stück reist wirklich mit. Der zweite Gitarrist fehlt im Sound-Bild nicht im Geringsten. Eine tolle Hammond hört man im Zusammenspiel mit der restlichen Band. Wieder schwingt Bernd Noske irre gut die Trommelstöcke. Schon das zweite Solo im zweiten Song. Wo bitte hörte man das sonst. Im Verständnis der Zeit sprach alles dafür auch dieses Instrument als vollwertig anzuerkennen (Ginger Baker lässt grüßen). Das genau hört man hier. Nur als Rhythmusgeber aufzutreten war vielen Drummern zu wenig. Wie das Teil am Ende Untergeht ist stark gemacht. 

 

Seit dem "Gamma Ray" auf WOODOO MAN erschien durfte es bei keiner Live-Mucke fehlen. Auf der dritten LP-Seite hören wir das Teil in einer schicken 20 Minuten Version. Live hört sich der Start ganz anders an. Mit einer verzerrten Gitarre zu beginnen macht Sinn. Der Synthesizer im Original ist jedoch besser. Die Teile waren zu dieser Zeit irre schwer und für eine Tour schlecht zu Händeln. Ist der Text beendet gibt Bernd Vollgas. So startet er durch und bringt den Song in Schwung. Meisterlich drischt er die Band nach vorn. Dann gibt Nossi wieder ein Zeugnis seiner Kunst ab. Unterstützt wird er zu Beginn noch vom Herrn Föller. Dann brechen die anderen Instrumente wieder durch. Ein Hammer-Bass verwöhnt die Zuhörer. Auf diesem geben sich Orgel und Gitarre ein Duell. Nach einem tollen Inpro-Gesang startet die Orgel vom Herrn Held. Mit dieser findet der Ruf nach einer Welt ohne Krieg und Waffen ein tolles Ende. 

 

Das letzte Viertel des Werkes beginnt. Mit "She's Got Nothing On You" tritt die Band den Zugabe-Rufen entgegen. Das aktuelle Album wird durch diesen Song eingeleitet. Das Teil besitzt definitiv die DNA der Band. Druckvoll wird es professionell über die Bühne gezogen. Wieder darf Peter alleine Singen. Keine Frage hier gibt es irre viel Spielwut, welche sich gekonnt in Grenzen hält. Schließlich ist man ja auf Werbe-Tour für das Album REBIRTH. 

 

Als Abschluss des Doppelalbums folgt ein Rock’n’Roll-Klassiker. Little Ritchard glänzte mit "Long Tall Sally" 1956 und setzte sich ein Denkmal. Birth Control beherrschen es toll dem damals schon 18 Jahren alten Song einen mächtigen Schwung zu geben. Zeus bläst die Mundharmonika und gibt dem Song eine starke  Blues-Prägung. Wenn er dann jedoch wieder in die Tasten greift geht die Post ab. Eine Mucke, welche immer wieder schwankt und dadurch den Hörer mitreißt. Peter Sing das Teil echt cool. Wie die Band immer wieder Schwung aufnimmt ist wirklich stark. Letztendlich rast die Band um sich dann selbst wieder zu entschleunigen. Bis zum famosen Finale baut sich Spannung auf. 

 

Was für ein Album! Drei Songs laufen jeweils über eine LP-Seite. Nur die letzten zwei Stücke teilen sich zum Abschluss eine Seite des Werkes. Für den Hörer des doppelten Vinyl war es daher vielleicht auch etwas anstrengend immer wieder Aufzustehen um die Scheiben auszutauschen und zu drehen. Die Mühe jedoch lohnt sich.

 

Das Album ist ein gelungenes Stück Musik-Geschichte. Eine Feier der freien Improvisation, des Spaßes und des Glückes. Die Stücke werden mit einer großen Menge an Härte aus den Membranen gedrückt. Abwechslung findet sich an jeder Ecke. Mehr als man meint bei den teilweise überlangen Stücken. 

 

Nicht nur wegen der musikalischen Leistung des Herrn Held. Er drückt nicht nur die Tasten seiner Hammond, sondern bedient auch Blasinstrumente. Das schmälert nicht im Geringsten die Leistungen der anderen Beteiligten, zeigt jedoch wie aufgeschlossen sich diese vier Musiker auf der Bühne präsentierten. 

 

Man benötigt einfach Zeit, darf sich nicht ablenken lassen, muss sich auf die Musik einlassen. Losgelöst vom reinen Genre-Denken erlebt man hier was eine gute Live-Mucke ausmacht. Die Vielfältigkeit geht weit über puren Hardrock hinaus. Sie streifen Jazz, sie spielen einen Hammer-Blues und sie jammen wie die Wilden. Allen Ernstes muss man der Band eine Blütezeit anerkennen, welche selten so zum tragen kommt. 

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