LIVE IN SUMMER 1978 - Whitesnake
Eine Band im Start-Modus
Schon während David‘s erster Solo-Tour Back to the Roots schrieb die Band eigenes Material. Es fiel immer mehr auf, dass Brian Johnston für die Band nicht geeignet war. Moody erinnerte sich an einen ehemaligen Band-Kollegen aus der Zeit mit Snafu. Pete Solley stellte sich vor und wurde angenommen.

Noch bevor die Band die neue EP SNAKEBITE im September in die Läden stellte tourten sie 1978 in der nun ersten Besetzung. Es galt dem Bandnamen bekannt zu machen. Angekündigt als Davis Coverdale`s Whitesnake sollten sie sich bald durchsetzen.
Aus dieser Zeit sind noch Aufnahmen erhalten geblieben. Sie tragen den Hörer ein Stück mit in diese Zeit des Neustarts. Sie sind bekennendes Zeugnis einer aufstrebenden Band.
Chronologisch geordnet startet unsere Reise am 27. Geburtstag von Bernie Marsden. Am 07.05.1978 stand die Band im Regal Theatre auf der Bühne. Dort wurde sie in minder guter Qualität mitgeschnitten. Das Bootleg hierzu ist im Internet verfügbar. Hört man sich das Teil an so erfährt man einen vollständigen Abend der frühen Band mit zwei Zugaben. Diese Aufnahme wurde als Bandle mit der Aufzeichnung eines weiteren Konzertes in den Niederlanden veröffentlicht.
Dieses fand am 17.06.1978 im AZ 67 Stadion in Alkmaar statt. Wir hören hier keine vollständige Aufnahme. Der sehr gute Klang jedoch entschädigt deutlich. Man bekommt einen Eindruck von der Dynamik der Band.
Am 05.07.1978 wurde die Band dann durch die BBC nochmals aufs Band verewigt. Im zum Aufnahmestudio umgebauten Paris Theatre stand die Band erneut auf der Bühne. Auch dieser Mitschnitt ist in wirklich toller Qualität erhalten geblieben. Wieder wurde nicht der ganze Auftritt festgehalten.
Gehen wir also davon aus, dass jeder Abend identisch verlief hangeln wir uns an Hand der ersten und vollständigen Konserve entlang. Ist die Qualität im Mai auch die schlechteste, so können wir hier jedoch miterleben wie sich solche Abende gestalteten.
Zu jener Zeit wurde die Band noch unter der Nennung des Namens des Sängers angekündigt. Das war logisch, da dieser ja im Grunde seine Solo-Werke WHITESNAKE und NORTHWINDS präsentierte. Die Band hingegen wurde schon mit dem späteren Namen erwähnt.
Als ersten Song erklang so auch "Lady". Leider gibt es von dieser Aufnahme keine Variante in wirklich gutem Klang. Was am Ende haften bleibt ist ein Zerrbild. Mit ein wenig Arbeit lässt sich aus dem Bootleg vom 07. Mai jedoch genug rausholen um die Töne erträglich zu gestalten.
Weiter geht es mit "Lady Luck". So beginnt auch der Mitschnitt aus den Niederlanden. Bei der Aufzeichnung der BBC befindet sich dieser Titel an der zweiten Position. Der einstige Purple-Song schwebt über die Bühne. David singt klasse und der starke Bass hämmert am 17.06. einem die Ohren frei. In der Version der BBC gibt es keine Makel. In allen Variante präsentieren sich die beiden Gitarristen kurz. Das Ding kracht brutal durch die Boxen. Pete Solley drückt mit seiner Orgel ein wenig nach. Eine tolle Leistung aller. Das Ding kracht brutal in diesen beiden guten Mitschnitten durch die Boxen. Eine tolle Leistung aller. Die Talk-Box-Einlage ist Schick und leichtert auf.
Mit "Come On" hören wir schon einen der Songs von der noch nicht veröffentlichten EP. Hier in einer sehr frühen Variante. Im Live-Programm der Band wird er eine sehr lange Zeit am Anfang jedes Auftritts gespielt. Es fehlt noch ein wenig die aggressive Orgel des Herrn Lord. Bei der Tour zum später veröffentlichen Album TROUBLE finden wir das Teil schon an der richtigen Stelle. Kraftvoll und mit einer Menge Druck hören wir einer tollen Formation zu.
"Ain't No Love in the Heart of the City" wurde 1977 eingespielt. Schon während der Solo-Tour war der Song treibender Bestandteil des Live-Gigs. In der späteren Zeit wird das Teil zum unvergesslichen Erlebnis. Die Fans grölen mit, der Sänger drängt dazu. Wahnsinn und hier in sehr frühen Versionen. Gerade bei den klanglich besser erhaltenen Abenden kommt das Price/Walsh-Cover breit und fett aus den Boxen. David und die Band wirken auch hier wieder kräftig. Der Tastenmann ist bisweilen deutlich hörbarer. Natürlich singen auch die Anwesenden vor der Bühne wieder mit.
Erwarb man im September des Jahres die SNAKBITE-EP so hörte hörte man die Studioversion von nächsten Song in der Studioversion. In dieser frühen Phase ist der Titel noch neu. Micky Moody darf vorher noch sein Solo spielen. Es fällt kurz aus, ist jedoch in seiner Klasse durchaus einer Erwähnung wert. Später wird dieser Abschnitt in seiner Länge zunehmen. Wieder hören wir tollen Blues. Eine tolle Einleitung für "Steal Away".
Einst von Ritchie zur Traumballade stilisiert spielte neben dem Zaubergitaristen auch noch ein anderer Musiker regelmäßig dieses Meisterwerk. David Coverdale wird später öfters kundtun, dass sein "Mistreated" deutlich gewinnt gegenüber der Version von Rainbow. Zwei Super-Egos prallen aufeinander und sorgen für reichlich Spannung und Presse. Gut für beide Formationen ganz sicher.
In den hier hörbaren Varianten wirkt das Teil noch kompakt. Später weitet sich der Titel noch um gut das Doppelte aus. Diese Fassungen gefallen wegen dem tollen Spiel von Bernie Marsden. Kompakt treibt er sich immer wieder nach vorn, unterstützt von einer tollen Band. Leider endet das wundervolle Stück Musik in London viel zu früh nach guten sieben Minuten. Die BBC lässt es einfach in den Reglern verschwinden. Sicher haben wir das der befristeten Zeit im Radio zu verdanken. Traurig über den frühen Untergang der tollen Ballade verlassen wir den Aufnahmeraum im ehemaligen Lichtspiel-Palast im Zentrum Londons.
David gibt am 17. Juni in einer kleinen Episode die Geschichte hinter dem nächsten Instrumental wieder. Micky hatte ein Missverständnis mit einigen Zigeunern (Gipsy‘s). Heute würde man das Erzählte als deutlich übergriffig verschreien. Damals hingegen benutze man die kleine Geschichte als Gag. Die Zeiten ändern sich.
Egal wie man zu solchen Sachen auch steht "Belgian Tom's Hat Trick" gelingt immer und ist ein Parade-Stück für das Zusammenspiel von Musikern. Hier ist es noch eine musikalische Gesamtdarstellung aller außer dem Sänger natürlich. Herrlich offen, frei und unbeschwert geht es zu. Die Beine wollen einfach nicht still stehen. Stark umgesetzt und in Alkmaar und in London brillant im Ton festgehalten. Einfach die Augen schließen und den Song ins Innere dringen lassen. Es hämmert sich in tiefere Hirnregionen und verbleibt dort eine Weile.
Erneut folgt ein kurzer Abstecher zur Zeit bei Deep Purple. Mit "Lady Double Dealer" verabschiedet sich die Band regulär von den Anwesenden in der Halle. In den Niederlanden beendet dieser Song auch die Aufzeichnung. Auf dem Silberling dieser Veröffentlichung befindet sich anschließend noch ein Interview mit David. Er wird befragt zur Solo-Tour, welche diese ja im Grunde schon nicht mehr ist. Nun gut bestenfalls ein Zeitzeugnis.
Die Zugaben hört man leider nur auf dem Bootleg aus Ashington. Von NORTHWINDS stammt "Breakdown". Die Band strengt sich nochmals an. Soweit man das beim schlechten Klang heraushören kann, brennt es gewaltig. Auch das als Whitesnake-Boogie bekannt Teilstück findet Verwendung. Die Fans sind aus dem Häuschen und freuen sich auf das erneute Erscheinen der Musiker.
Mit dem B.B. King-Cover "Rock Me Baby" beginnt dann die zweite Zugabe. Das Stück bleibt noch eine Weile im Gefüge der Band und wird live noch öfters intoniert. Wieder wirkt die Formation dynamisch. Sie scheinen gut in Form zu sein. Danach ist Feierabend.
Alle Veröffentlichungen sind als Bootleg verfügbar und geben einen guten Einblick in das Gefüge dieser noch jungen Band. Sie lassen den Start von Whitesnake eindringlich erleben. Ist der Klang nicht bei jeder Konserve wirklich gut, so bleibt das Gehörte jedoch als Starsignal hörbar zurück.
Ganz sicher sind diese Aufnahmen eine Bereicherung für das Portfolio des überzeugten Fans. Klanglich gewinnen die Aufzeichnungen von Alkmaar und London. Nachteilig ist das Abwürgen der blackmorschen Superballade durch die BBC zu konstatieren. Wer lieber ein komplettes Konzert erleben möchte muss leider zur klanglich schlechteren Alternativ vom 07.05.1978 greifen.

