TROUBLE - Whitesnake
Ein starkes Album - die weiße Schlange lebt
Im Sommer 1978 wurden die Songs zum ersten vollen Album der weißen Schlange aufgenommen. Die Band wurde seit der EP SNAKEBITE leicht umgestellt. Nun griff der gute Jon beherzt in die Tasten. Er kam rechtzeitig um seine Parts mit jenen der Anderen zu verbinden. Das erneut durch Martin Birch produzierte Album stand im Oktober des Jahres in den Läden.

Was bekam der Fan fürs Geld? Einen wirklich toll singenden David Coverdale vor allem. Wie schon auf der EP davor überzeugt er hier mit seiner tollen Stimme, er keucht und holt tief Luft, man kann hören wie er sich anstrengt. Auch der bluesige Grundcharakter des Albums lässt ihm hierbei großen Raum zum schmachten und betonen.
Der Sound der Band ist hier nicht so sehr auf Orgel/Klavier eingestellt. Die Gitarren agieren im Vordergrund und werden durch den Tastenmann im Grunde unterstütz. Immer wieder hört man Piano und Orgel hindurch doch die Gitarren sind dominant.
Alles beginnt mit "Take Me With You". Eine leichte Nummer zum Einstieg in die LP. Die Bassline ist echt toll und lässt den Song aufleben. Der Titel ist gut gelungen und die kurze Drum-Unterbrechung in der Mitte peppt ihn auf.
Ein langsamer Bluestitel wie "Love To Keep You Warm" besitzt eindeutig Schlangenpotential. Man wünscht sich hier mehr Zeit bei der Gitarrenauskleidung. Eine Spur gefällt der Song mehr als der zuvor.
"Lie Down (A Modern Love Song)" ist ein wirklich starker Blues-Rocker in Pseudo-Live-Atmosphäre aufgenommen. Schöne Solos werden durch eine tolle Piano-Unterstützung abgefedert. Gerade das Klatschen und Jubeln am Ende des Titels macht ihn glaubhaft. Eine wahre Club-Nummer.
Bei "Day Tripper" hören wir wieder einen anderen Stil. Frech blitzt Jon's Orgel hier und da auf. Elektronisch wird ein wenig gespielt. Der Song schleppt sich schwer dahin. Insgesamt frischt dieser Titel das Album nochmals merklich auf.
Bei "Nighthawk (Vampire Blues)" hängt sich Dave Dowle anständig in die Felle. Einfach cool wie sich die Band hier durch den Titel spiel. Ganz sicher einer der Höhepunkte des Albums. Die Band überschlägt sich gewissermaßen, ist kontrolliert unrund, hinterlässt ein impulsiven Eindruck. Ein starkes Ende der ersten Seite.
Ebenso toll steigt man in die zweite Seite ein. "The Time Is Right for Love" zeigt wie melodiös die Band aufspielen kann. Man wippt automatisch mit den Füßen auf dem Boden. Locker und leicht spielt man zusammen auf; leider viel zu kurz. Manche könnten fast schon behaupten das Ganze wäre zu poppig geraten. Ich denke nicht so. Richtig kurzweilige Unterhaltung halt.
Schwere und bluesige Titel sind jedoch das Salz in der Suppe. "Trouble" ist später live nicht mehr wegzudenken. Man höre nur wie David sich über dieses Stück ausbreitet. Die Melodie ist hier eher unwichtig, hier gehört der Song dem Sänger. Das Teil lebt von David und die bissige Lord-Orgel bringt Dynamik hinein.
Beim Instrumental "Belgian Tom's Hat Trick" hört man wie gut die Musiker sich hier verstehen. Das Stück wurde schon währen der Back to the Roots-Tour im März 1978 erprobt. Es ist nicht überfrachtet und kommt druckvoll daher. Die fehlende Gesangsspur stört nicht sonderlich. Man geht unweigerlich mit der Melodie mit und freut sich über die tollen Solos von Orgel und Gitarre. Einfach schick, kurzweilig und unterhaltsam.
"Free Flight" passt hinter das Instrumental zuvor wie die Faust auf's Auge. Im Rhythmus abwechslungsreich ins Vinyl gepresst braucht es eine gewisse Zeit um sich einzulassen. Hat man es erst geschafft entfaltet sich eine starke und clever gestrickte Nummer.
Kräftig schiebt "Don't Mess With Me" die Nadel in Richtung der Auffangrille. Als Aussteiger echt gut getroffen gibt die Band noch mal alles und beeindruckt mit komplexem Spiel und tollem Drive.
Micky Moody und Bernie Marsden sind gut aufeinander abgestimmt. Sie stehlen nicht den anderen Musikern die Show, sondern spielen entspannt auf dem Klangteppich der Rhythmus-Gruppe. Einfach klasse wie frech sich hier und da der Bass immer wieder dezent in den Vordergrund setzt.
Ein wirklich gutes Album erreicht das Ohr des Hörers. Es gibt kaum Schwächen. Lediglich die eher durchschnittliche Länge der Titel enttäuscht bisweilen. Es macht durchaus Laune die Titel einen nach dem anderen zu hören. Allerdings hat man nach dem Ende der zweiten Albumseite das Gefühl, dass es nun reicht. Für mich ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich hier nichts außergewöhnliches höre. Ein tolles Album bleibt es trotzdem.
Egal wie man alles endgültig bewertet. Die Band war jedenfalls gut drauf und der Produzent initialisierte das Dargebotene mit Abwechslung. Alles gut also und für den Anfang einfach ein guter LP-Start. Das Album nur auf Bluesrock zu minimieren; das geht zu weit. Die Aufnahmen zeigen auch eine variable Band. Lange Weile kommt nicht auf. Einzig der ganz große Hit fehlte. Sind die Stücke aus diesem Grunde jedoch Mittelmaß? Ganz gewiss nicht.
Das Album wurde oftmals neu aufgelegt. Ich kenne die LP und schätze jedoch die 2006 remasterte Variante sehr. Ich favorisiere sie wegen des tollen Klanges. Mir gefällt sie und schließlich ist ja alles Geschmacksache.


