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SCARABUS - Ian Gillan Band

Was sollte das?

Im Zeitrahmen vom Juli bis August ´77 versammelte sich die Band in den Kingsway Studios. Sie spielten hier ihr drittes Studio-Album ein. Im April des Jahres erschien erst das deutlich verspätetet Album Clear Air Turbulence (aufgenommen ein Jahr zuvor). Waren auf dem Vorgänger noch deutliche Jazz-Anleihen zu hören, so schien das neue Album wie von einer anderen Band zu erscheinen.

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Scarabus war keine Jazz-Fusion, sondern ein wirklicher Rocker. Die Bläser waren verschwunden, die Band kehrte zum guten alten Rock zurück. Auch die Länge der Songs veränderten sich von Stücken mit Überlängen hin zu Titeln mit raudiotauglichen Spiellängen.

Schon der Titelsong zu Beginn des Albums gibt die Richtung vor. Schwer schleppt er sich über die viereinhalb Minuten. Man ist sich gleich zum Beginn einig, so etwas ähnliches hört man immer mal wieder. Gewohnheitsmucke aus der Konserve. 

 

Bei “Twin Exhausted“ denkt man nun geht es los. Doch auch dieser gute und schon schnellere Song enttäuscht auch hier. Zumindest ist der Song um Längen dynamischer als der Vorgänger. Das eizig coole Keyboard-Solo verschwindet dann am Ende in den Reglern. Eine Schande.

 

Mit dem Keyboards geht es im nächsten Song dann vordergründig weiter. Nicht dass Ian im Song schlecht singt; er ist wieder in Höchstform. Im rhythmischen Allerlei hört er sich wirklich gut an. Auch die Tempowechsel sind gut gespielt. So ist auch “Poor Boy Hero“ nur als kleiner Höhepunkt zu sehen.

 

“Mercury High“ geht gut ab und gefällt auch in der Melodie. Hier hört man schon fast guten Hardrock heraus. Mit “Pre-release“ allerdings endet die erste Seite wie sie begann - unmotiviert und ohne Inspiration.

 

Zu Beginn der zweiten Scheibe schöpft man Hoffnung. Beim schön eingeleiteten “Slags to Bitches“ wippen die die Beine mit. Der Song hat durchaus was progressives und gefällt mir. 

 

“Apathy“ funkt ein wenig und es ist ein schöner Bruch zum Titel davor. Auch hier hört sich die Band echt cool an. Zusammen mit dem Song davor befinden wir uns wohl am Höhepunkt des Albums.

Dass Brachial-Titel nicht unbedingt immer gut sind zeigt sich beim Song “Mad Elaine“. Sicher wirkt der Rhythmus gewaltig durch den massiven Einsatz der Instrumente im Song, jedoch zündet das Gemisch bei mir nicht. Für mich steht diese Band nicht für harten Rock. 

 

Gott sei Dank ist “Country Lights“ der kürzeste Song des Albums. Alles wirkt irgendwie künstlich und nicht zusammenhängend. Irgendwie fehlt Spannung.

 

Gewaltig und schon wieder äußerst hart startet “Fool's Mate“. Mit fiel Mühe erkennt man leicht jazzige Passagen. Hier wirken die Tempowechsel jedoch seltsam und unstimmig. Sind die Orgelpassagen ganz tragbar, wirkt das Ergebnis jedoch unvollkommen.

 

Ein Ausklang wie er nicht besser sein konnte. Man fragt sich was das sollte? War das noch die Ian Gillan Band, oder hat man sich beim Albumkauf vertan? Im Oktober 1977 erschien das Album. Ein gutes viertel Jahr später war dann Schluss. Die Musiker trennten sich auf Betreiben von Gillan und er startete zusammen mit Colin Towns eine neue Band. 

 

Das Album ist das Schlechteste dieser Formation. Es wirkt unmotiviert und losgelöst vom Schaffen der Band zuvor. Man hat das Gefühl die Band verbog sich fürs Management. Fehlende Verkaufszahlen und der jazzlastige Sound waren wohl Zuviel des Guten. Vermutlich fanden sich keine Liebhaber für diese Art der Musik. 

 

Scarabus jedoch löste das Problem auch nicht. Es bleibt ein Album, welches enttäuscht. Fragend bleibt man nach dem Ende der Rillen zurück. Für absolute Fans ein Sammel-Album, ansonsten ohne echte Höhepunkte führt es in die Vergessenheit. 

 

Die Gesangsmelodie vom Titelsong übertrug Ian 1983 beim Black Sabbath Album Born Aigain auf den Titel “Disturbing the Priest“. 

 

Erwähnenswert bleibt noch die Verwendung von zwei unterschiedlichen Albumcovern. In den USA und Canada erschien das Album mit einer Posterabwandlung des Horrorfilms The Witch Who Came from the Sea. Dieses Outfit finde ich deutlich gelungener als jenes der Alben in Europa und dem Rest der Welt. Hier wurden die Mitglieder der Band in einem Sonnenuntergang hineinretuschiert. Dieses Cover wirkt einfallslos und sieht irgendwie auch laienhaft aus. Leider wurde es bei späteren Veröffentlichungen immer wieder übernommen.             

Bildschirmfoto 2026-04-04 um 21.29_edite
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