SARABANDE - Jon Lord
Heiterkeit und Freude eingebunden in Anmut
Jon Lord war immer größer als sein Portfolio in der Rockmusik. Er war ein einfach genialer Komponist und Arrangeur. Das bewies er nicht nur beim Concerto For Group And Orchestra.

Nach seiner dritten Sinfonie (Windows) traf er sich vom 03. bis zum 06. September 1975 mit anderen Musikern in der Stadthalle Oer-Erkenschwick, in der Nähe von Düsseldorf. Mit dem Dieter Dierks Mobile Recording Studio wurde dann dieses Album aufgenommen.
Neben der ungarischen Philharmonie waren auch Paul Karass am Bass, Andy Summers an der Gitarre und Pete York an den Drums dabei. Mark Nauseef unterstütze das Schlagwerk. Alles wurde durch Jon‘s Lieblingsdirigenten und guten Freund Eberhard Schoener geleitet.
Das Album besticht durch seine Leichtigkeit und Freude. Aus jeder Pore atmet man Zuversicht. Im typischen sinfonischen Stil beginnt es mit der Einführung. "Fantasia" ist gewaltig und doch zerbrechlich schön. Wunderschön intoniert mit Streichern und Bläsern. Dann bricht wieder das Motiv vom Anfang durch und es endet dann wie es begann. So etwas konnte er wie kein anderer in drei Minuten packen.
Locker und leicht gleitet es dann in den Titelsong des Albums hinein. Wie schön hier die Melodie fliest. Unweigerlich schwingt das Bein mit und man möchte sich bewegen. Auch wie sich diese Melodie immer mehr entwickelt ist einfach schön zu hören. Drama und Anmut geschickt verpackt. "Sarabande" ist des Albumtitel‘s voll und ganz gewachsen. Immer wieder hört man das leichtgängige Schlagwerk. Eine echte Schönheit. Kein Wunder, dass Jon es immer wieder in sein Live-Programm packte.
Eine einfache Piano-Begleitung gibt es bei "Aria". Mit Streichern und später auch Flöten und auch einem Orgel-Hintergrund geht durch diesen kleinen Abschnitt des Werkes.
Wenn dann "Gigue" startet wird es wieder spannend. Wieder baut er um ein zerbrechliches Grund-Motiv die ganze Melodie und Spannweite des Stückes auf. Erstaunlich gut integriert sich das Rockinstrumentarium in das Orchester. Wieder spürt man wieviel Gefühl Jon für beide Genres aufbringen kann. Während der ganzen elf Minuten gibt es keine Sekunde lange Weile. Immer wieder keimt das Grund-Motiv vom Neuen auf und führt den Hörer in immer höhere Sphären. Der wirklich gelungene Gitarrenlauf passt in dieses Stück wie selbstverständlich. Das gilt auch für die coole Bassline. Die im Stück enthaltene Schlagwerk-Passage ist echt cool gehalten. Drums treffen sehr effektvoll auf die Schlaginstrumente des Orchesters. Im Übrigen passt Pete York’s leichter jazzlastiger Spielstil sehr gut zur orchestralen Grossfassung. Was für ein Abschluss der ersten Seite.
Während man das Album dreht fragt man sich unweigerlich was es noch zu entdecken gibt?
Mit "Bouree" beginnt die zweite Seite des Albums einfach famos. Der Hörer wird wieder mit Perkussion empfangen und dann gleitet dieses riesige Stück Musik den Gehörgang hinunter. Wieder entfaltet sich eine fast simpel anmutende Melodie. Gleich einer Schlangenbeschwörung windet sie sich bedrohlich. Fast schon orientalisch wird sie immer komplexer, zerfällt fast und endet dramatisch. Herz was willst du mehr. Jon war schon immer mein Held doch nach dieser Nummer erklimmt er Höhen, welche nicht möglich erscheinen. Augen zu und munter in die Kopfhörer gelauscht. Kann es etwas schöneres geben, so fragt man sich und warum ist nach elf Minuten Schluss? Verdammt was ist eigentlich passiert? Wo ist die Zeit geblieben?
Mit "Pavane" bekommen die Lauscher wieder einen Moment der Ruhe geschenkt. Anmutig mit klassischer Gitarre starten die nächsten sieben Minuten. Jon lässt sich auch hier geschickt Zeit und entfaltet dankt des Herrn Summers ein zerbrechliches Instrumental. Trotz der Langsamkeit hat man nicht das Gefühl gelangweilt zu werden. Mit einem deutlichen Jazzhauch versehen gleitet man ab und findet sich in leichten Träumen wieder. Man beachte im Hintergrund das federleichte Schlagwerk von Pete York.
Leider findet das Unterfangen ein zu zeitiges Ende. Beschwingt und heiter geht es mit "Caprice" weiter. Ein Stück wie aus einer Laune heraus entstanden. Ein wunderschönes Orgelspiel führt dann in das "Finale". Alle Melodien vereinen sich hier und bilden ein dem Ende zustrebendes tongewaltiges Bollwerk. Einen Abschluss, welchem ein solches Meisterwerk ganz sicher angemessen ist. Man lauscht den letzten Tönen nach. Es klackt in den Hörmuschel aber die Musik ist vergangen.
Was für ein Erlebnis sich aus den schwarzen Rillen in den Äther hinausdrängt ist ohne echten Vergleich. Diese Album ist für mich eines der Besten von ihm. Es steht als beständiges Mahnmal für die Verbindung von Rockmusik mit Klassik. Ich weiß nicht ob es besser geht.
Am 18. September 2010 wurde das gesamte Werk in Budapest live uraufgeführt. Nochmals kam es am 30. Oktober in Sofia und am 15. November des selben Jahres in Essen zur Aufführung. Lord änderte das Werk vor den Live-Aufführungen nochmals an einigen Stücken ab. Auch später fanden diverse Stücke der 1975 entstandenen LP immer wieder im Live-Set des Ausnahmemusikers Verwendung.
Dieses Album sollten sich Rocker und Klassikfans gleichermaßen zulegen. Beständig lauschend kann man in traurigen Zeiten nach dem Durchhören wieder freudiger in die Zukunft schauen. Ist der letzte Ton erst verklungen sieht man sich und die Welt um einem herum mit einem Anflug von Heiterkeit. Man nimmt sich die Kopfhörer herunter und hat all‘ die Lasten des täglichen Allerlei hinter sich gelassen.


