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LIVE IN TOKYO 1981 - Rainbow

Drei wirklich gute Bootlegs

Die DIFFICULT TO CURE - Tour ging ihrem Ende entgegen. Seit Beginn des Jahres reist die Band schon um den Globus. Bis Juli 1981 hielt man sich noch in Europa auf. Nach einer kurzen Pause schlug die Formation schließlich am 18. August in Japan auf.

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Die drei letzten Tage dieser Reise durch das Land der aufgehenden Sonne verbrachte die Mannschaft schließlich in Tokyo. Vom 26.August bis zum 28. August spielte Rainbow im Nippon Budokan.

Alle drei Auftritte wurden mitgeschnitten. Sie liegen in mehreren Fassungen als Bootlegs vor. Sie sind bekennendes Zeugnis einer scheinbar noch funktionierenden Band. Allerdings gab zu diesem Zeitpunkt schon Differenzen. Don war mit der Struktur der neuen Besatzung nicht mehr einverstanden. Der Führungsstiel von Blackmore gefiel ihm nicht mehr. Auch bei Roger Glover gab es Bedenken wegen der Qualität der Darbietungen, vor allem im Studio. 

 

Bei den hier thematisierten drei Auftritten fällt das jedoch kaum auf. Sie wirken alle kompakt und die Band scheint geschlossen vorzugehen. Ritchie wirkt ganz gut mit. Sein druckvolles Spiel zeigt sich nicht nur am letzten Abend. Allerdings neigt der bisweilen mit seinem Musikgerät nicht immer zimperlich vorgehende Gitarrist nicht an jedem Abend zum krachenden Finale. Nur am 27.08.1981 zerlegt dieser brutal ein Altgerät. 

 

"Land Of Hope And Glory" und eröffneten jeden Abend. Erst wenn Judy Garland ihr "Over The Rainbow" schmetterte startet der Großmeister durch. Lediglich im Mitschnitt des ersten Abends fehlt die Einleitung. Sie ist nicht Bestandteil der Aufnahme vom 26.08. 

 

Wir steigen gleich mit dem hart intonierten "Spotlight Kid" ein. Ritchie läßt sich nicht lumpen. Er steigt gleich voll ein. Die beste Version hören wir am dritten und letzten Abend. Sie ist deutlich druckvoller und auch klarer. Dank der Nachbearbeitung in der Limited Edition hört sich alles auch noch stärker an. 

 

Mit "Love's No Friend" präsentiert Joe einen Titel seines Vorgängers. Der Typ kann singen, das stellt niemand in Frage - gerade Balladen. Ich persönlich finde seinen Stil halt nicht so passend zum Song. Graham konnte das besser. Wenn der Begnadete jedoch an den Strippen zieht wird es hektisch. Irre Arbeit von Ritchie. Bis zum großen Finale ein unbedingter Höhepunkt. 

 

"I Surrender" stammt nun wieder vom aktuellen Werk. Am 26.08. erklingt dort kurz vorm Start das Riff von "Woman From Tokyo". An beiden anderen Auftritten startet das Teil direkt. Der Herr Turner klingt auf der restaurierten Fassung des letzten Abends wirklich am besten. Als Präsentation geht das Teil in Ordnung. 

 

Wenn die ersten Töne von "Lazy" anklingen freut sich der Fan. Hier jedoch sind sie nur die Einführung vom einstigen Oberhammer "Man On The Silver Mountain". In dieser Phase verkümmert das Teil zu einer Nummer unter anderen. Die Massen gehen mit, es fehlt jedoch die Ausnahmeleistung von Ronny. Doch die Zeit war vorbei. Epische Werke sind nicht mehr gewünscht. 

 

Auch "Catch The Rainbow" ist ein so zu beschreibendes Stück spitzenmäßig ausgekleideter Musik. Ist des Sängers Stimme verklungen, so zeigt der Herr Blackmore seine einfühlsame Seite. Also Augen zu und lauschen. Ein echter Hammer ist das Teil auch mit dieser Formation. Von der Einleitung bis zum Ende ein echter Rainbow-Klassiker. Die längste Version findet sich in der Aufnahme vom 27.08. Den besten Klang findet man einen Tag später. 

 

Weiter geht es mit ein wenig aktueller Werbung. "Can't Happen Here" wird druckvoll in den Raum vor die Bühne geworfen. Joe ist voll bei der Sache. Natürlich punktet auch hier wieder der letzte Abend. Dicht gefolgt vom Mitschnitt des zweiten Konzertes. 

 

Don Airey hatte zu dieser Zeit schon die Nase voll. Ritchie’s Kaderkarussell war ihm zu bunt und zu schnell. Seine Solos sind in der damals üblichen Länge. Begeisterung für die Darbietung hört sich anders an. Er lässt unter anderen auch eine Lokomotive durch den Synthesizer fahren. Wirklich schick. Seine Solos sind immer abwechslungsreich und technisch interessant. 

 

"Lost In Hollywood" wird erneut als Jam-Grundlage verwendet. Nach der Einleitung gibt der Supergitarrist seinem Instrument die Sporen. Wir hören ein ausgeflipptes Solo. Der dem Herrn Blackmore in tiefer Demut verfallenen Fan lauscht gespannt was so aus den Boxen quillt. Ganz sicher reibt dieser seine Gitarre an verschiedenen Gegenständen und schiebt sie über etwas Festes. Er reißt am Verzehrer-Arm und läßt sein Instrument quasi ausländisch reden. Hier geht es nicht so sehr um Fingerfertigkeit, sondern der sich ergebende Ton ist Faszination genug. Kurz blitzt "A Light In The Black" noch auf. 

 

Dann lässt Ritchie Beethoven auf die Bühne. Wie auch immer man zur Klassik steht, diese Version zeigt wie eng beide Stile sich verbunden fühlen. "Difficult To Cure" ist der Titelsong des aktuellen Albums. Es setzte nie wirklich Rost an. Auch später mit anderen Bands immer einer der Höhepunkte eines jeden Konzertes. Nie werde ich das teuflische Lachen am Ende der Studio-Version vergessen. 

 

Hier jedoch vernimmt man es nicht. Stattdessen trommelt Bobby „Bob“ Rondinelli. Sein scheinbar von Speed getragenes Solo gefällt mir nicht wirklich. Es nervt manchmal ein wenig. Man kann jedoch getrost sagen, dass er diese manchmal hohe Geschwindigkeit gut durchhält. Es wirkt hektisch und gewaltig übertrieben. Dem Publikum gefällt es sicher. Die Aktion ist schon beachtenswert. 

 

Mit "Long Live Rock 'N' Roll" rast der offizielle Teil dem Ende entgegen. Das Volk wird durch Joe noch einmal zum Mitgrölen animiert. Dann ist auch schon alles beendet. 

 

Doch so kommt es natürlich nicht. An allen Abenden kommt es zu Zugaben. Sie unterscheiden sich. Am ersten und dritten Tag in Tokyo spielt Ritchie auf. Er schreitet jedoch nicht zu äußersten. Nur am 27.08. gibt es die ultimate Schlachtung. Nur an jenem Abend muss ein Sechssaiter sein Leben opfern. 

 

Doch bevor das Schlachtfest gefeiert wird geht man mit "All Night Long" in die erste Verlängerung. Wie auch schon beim Song zuvor hören wir einen Anheizer. Das Teil schießt förmlich in die ersten Reihen der dort versammelten Hörgenussfanatiker. Die Masse tobt und fordert mehr.

 

Das erste Instrumental der aktuell zu bewerbenden Scheibe beendet die bandinterne Ruhe. Erst allein und dann mit dem Rest der Band leitet "Maybe Next Time" den kurzen Ausflug zu "Woman From Tokyo ein. Schließlich driftet man in "Since You've Been Gone". 

 

Nicht zu lange, denn der Meister opfert schließlich anschließend eines seiner Griffbrätter. "Kill The King" wird dem Schlachterlebnis vorangestellt. Die dritte Verlängerung hat es somit nochmals in sich. Das Inferno bricht aus, die Bühne brennt. Wenn Ritchie mit der Gitarre über die Bühne fegt verteilen sich bald die Einzelteile. Die Masse tobt und der Hexer schwitzt. Es ist bestimmt körperlich anstrengend. Allerdings reagiert sich der gute Schwarzbekleidete nich lange ab. Gnadenvoll geht das Ableben doch relativ schnell. Bald hört man den Virtuosen wieder an einer vollständigen Gitarre ziehen. Mit einer zweiten kurzen Intonation von "Long Live Rock 'N' Roll" verschwindet die Band dann wirklich hinter der Bühne. Das Licht geht an und das Publikum wird sich selbst überlassen. 

 

Der Abend vor dem Zerstörungswerk des Gitarristen startet in der dritten Zugabe ebenfalls ähnlich wie am Tage danach. Alles ist doch anders, nicht nur weil Ritchie sein Arbeitsgerät ganz lässt. 

 

Am ersten und am letzten Abend hören wir Joe Lynn Turner zu "Blues" auch singen. Eine ganz eigene Variante entsteht. Sie hört sich echt gut an. Verbunden mit dem tollen Klang ein echtes Erlebnis im Sonderteil. Während dieser Abende begibt man sich auch wieder nach Montreux. "Smoke On The Water" lässt die Halle beben. 

 

Mit diesen drei Bootlegs können wir eine Band erleben, welche sich in guter Spiellaune präsentiert. Die Länge der Mitschnitte unterscheiden sich minimal. Drei Abende mit fast identischem Ablauf, jedoch immer auch anders präsentiert. Das schaffen nur die ganz großen im Geschäft. 

 

Erstaunlicherweise ist die Qualität der vorliegenden Aufnahmen ausgesprochen gut. Den klanglich wohl schlechtesten Mitschnitt hören wir am ersten Tag in Tokyo. Vergleicht man diesen mit ebenfalls verfügbaren Mitschnitten zuvor überzeugt er dennoch. Der zweite Abend ist noch besser. Einen Tag danach hören wir eine Band  welche in wirklich präzisem Bootleg-Sound durch die Aufarbeitung der Limited Edition wieder aufersteht. Es bedarf zwar kleinerer Nacharbeiten im Rechner, diese sind jedoch nicht zwingend nötig. 

 

Mit der letzten Note von Tokyo war die Tour fast beendet. Ein Konzert stand am 05. September noch in Honolulu (USA) auf dem Merkzettel. Im Andrews Amphitheatre versagte jedoch der Verstärker von Ritchie. Das führte dazu, dass Airey über 25 Minuten sein Solo ausdehnen musste. Er und seine Mitstreiten gingen nach einem fürchterlichen Konzerterlebnis frustriert ins Hotel. Don nahm  diesen Abend zum Anlass um endgültig aus der Band auszutreten. Roger hingegen zögerte und erhielt so eine wichtige Rolle beim nächsten Album der Band.

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