LIVE IN KÖLN 1988 (AUTOBAHN) - Deep Purple
Ein toller Auftritt - leider zu kurz geraten
Auch im Jahr 1988 enterte die Band in Köln die Bühne. Im September schien die Welt wieder in Ordnung. Die Band zeigte sich in guter Verfassung. Der Auftritt wurde mitgeschnitten und in sehr guter Qualität für die Nachwelt festgehalten.

Wie gewohnt spielt sich die Band mit "Highway Star" in den Abend. Man hört einen starken Einstieg in den Abend. Ritchie ist hier schon echt cool drauf und startet schwunghaft. Alles hat Druck und Power.
Mit "Strange Kind Of Woman" geht es ohne lange Einleitung weiter. Wieder erscheint es, als ob sich die Band gerade erst gefunden hätte. Gerade der Zaubergitarrist gibt schon am Beginn Gas. Er hat diesem Abend echt Lust zu Spielen. Nach einem formlosen "Jesus Chris Superstar" gibt es ein kleines Intermezzo zwischen Gillan und Blackmore. Nicht ganz so ausschweifend wie einst in den Siebzigern, jedoch das ist meckern auf hohem Niveau.
Noch bevor der Herr Paice alleinig auf die Felle schlägt, zelebriert die Band druckvoll "The Unwritten Law". Auch hier fällt wieder auf wie gut sich das Ganze anhört. Ian‘s Trommelschläge sind präzise und er hält sich gut an das eigentlich Songtempo. Alles wirkt schlüssig und durchdacht bis zum wirklich schicken Ende.
Ritchie bluest hammermäßig geil. Das kann der echt toll und mit Jon‘s Orgel entsteht so ein breiter Sound. An die kleine Improvisation "Blues" schließt sich gleich "Dead Or Alive" an. Der Song von aktuellen Album passt zur Band wie kein weiterer. Die Band spielt traumhaft, auch wenn Gillan zu Beginn ein wenig patzt.
Seit der Réunion gehört "Perfect Strangers" zum festen Bestandteil des Bandprogramms. In gewohnter Qualität wird es auch dieses Mal an das Auditorium weitergeleitet. Auch hier fällt wieder die Hingabe aller Beteiligten besonders ins Gewicht. Das Teil klingt einfach stark und wirkt beeindruckend auf den Hörer.
"Hard Lovin‘ Woman" stammt wieder vom zu promotenden Werk. Wieder brennt die Bühne. Gerade die ständig aufbäumende Gitarre im Hintergrund beim Gesang kommt stark. Dann reißt Ritchie an den Saiten. Stärker kann das Teil bestimmt nicht klingen.
"Child In Time" ist keine herkömmliche Mucke. Der Song entstand live und erhält auch in dieser Darbietungsform die höchsten Weihen. Es gibt kaum Gradmesser über den Zustand der Band über solch einen langen Zeitraum. Sieht man von den Echo-Spielchen auf der Bühne mal ab, so singt auch Ian einfach toll. Hat er seinen Part erst hinter sich hebt die Band ab. Jon‘s Orgelteppich wird messerscharf von Gitarrenhieben zertrennt. Ritchie hat hier echt Bock zum Spielen. Es kracht gewaltig und der andere Ian bedient die Schießbude wie ein Wahnsinniger. Auch wie Gillan im Finale singt ist sowas voll toll. Das ist die Band wie man sie liebt.
Ritchie’s Hang zur Klassik ist bekannt. Als er damals bei Rainbow die Ode an die Freude in dieser Art in den Hard Rock transferierte war ich hin und weg. "Difficult To Cure" ist wahrlich ein besonderes Stück Musik. Einige Jahre später entzündet sich nicht nur an diesem Stück erneut der Funke der Missgunst. Doch hier herrscht eitel Sonnenschein. Allein die feinfühlige Einleitung vom Herrn Blackmore gibt dem Song Bedeutung. Auch im Stück lässt er die Gitarre nochmal sprechen bevor an den Herrn Lord übergibt. Dieser spielt sein Solo wie immer mit einer Güte, welche im Grunde immer gleichbleibend hoch ist. Von Klassik über Blues bis zur harten Rock-Orgel; es wird nie langweilig. Er springt zwischen den Genres hin und her und schafft es alles miteinander zu verbinden. Spielerisch leicht und unbeschwert folgt man den Tönen.
Schließlich mündet sein Orgel-Solo in den Beginn des nächsten Hammers. "Knocking At You Back Door" ist meiner Meinung nach der beste Song des Réunion-Albums. Über sieben Minuten hört man einer toll aufgelegten Band zu. Wieder langt der schwarz gekleidete Hexer kräftig zu. Er bleibt im Song jedoch unterstreicht er die Härte deutlich. Eine tolle Fassung!
Wieder traditionell wird es beim nächsten Teil. "Lazy" ist schlichtweg eine tolle Jam-Nummer. Einfach in der Botschaft, aber gewaltig in der Ausführung. Wie gut das klingt hört man hier, schon zu Beginn improvisieren Ian und Ritchie. Beiden scheint es zu gefallen. Stotternd bricht es im Anschluss los. Man höre nur dem Zaubermann an den sechs Saiten. Jon löst ihn genauso brachial ab. Erneut hört man den Refrain, dann tritt der Herr Gillan in die Band. Er verbreitet seine schlichte Botschaft, spielt Mundharmonika und ist festes Bestandteil der Truppe auf dem Podest an der Vorderseite der Halle.
"Space Truckin‘" ist wie immer der Abschluss des regulären Konzertbeitrages. Gut 19 Minuten lang zeigen alle zu was sie fähig sind. Die Band ist ausgezeichnet aufgelegt. Sie sprüht förmlich und so ist auch dieses Teil ein Beispiel dafür wie diese Musiker in dieser Epoche klingen konnten. Jon‘s Hammond ist dominant wie nichts. Er scheint aus ihr alles herausquetschen zu wollen was geht. Von zart bis Hart verblüfft er den Hörer. Nach gut neun Minuten darf Ritchie ran. Man höre sich nur die Töne an. Sowas konnte nur der Ego-Zauberer im schwarzen Dress. So stirbt dann auch das Musikgerät den Heldentod und der Mörder greift zum nächsten Hals. Wieder würgt er die Gitarre. Töne in höchster Vollendung.
Die Zugaben "Speed King", "Black Night" und "Smoke On The Water" fehlen. Das ist sehr schade. Auf dem Bootleg das ich kenne finden sich leider diese Stücke nicht. Nur zwei kurze Schnipsel sind vorhanden. Diese sind eher kurz und sind zur Aufbewahrung einfach ungeeignet.
Das ist auch wegen des ausgesprochen guten Klanges wegen bedauerlich. Diese Aufnahme hat fast das Format einer offiziellen Veröffentlichung. Im Sound sauber aufbereitet erwartet den Hörer ein fast perfekter Klang. Lediglich ein leichtes Rauschen stört in leisen Passagen. Mit wirklich wenig Nachbearbeitung lässt sich so ein wirklich tolles Live-Dokument wahrnehmen. Hier verstehen sich alle Beteiligten, sie haben Spaß an ihrer Musik und aneinander. Alles scheint gut und die Zukunft sieht rosig aus.
Doch wie immer hält diese Illusion nicht lange. Sie verachten sich privat und dann immer mal wieder auch auf der Bühne. Auch hierzu gibt es Live-Mitschnitte und so können wir als Fans auch die andere Seite der Medaille betrachten. Licht und Schatten gehören in jedes Bild. Hier bei diesem Auftritt erstrahlt die Band in den tollsten Farben.

