LOCKED IN A PAPER CAGE - Deep Purple
Ein durchschnittlicher Auftritt mit Schwächen
Die Band war während der Konzertreise schon lange nicht mehr eine Einheit. Ian Gillan und Ritchie Blackmore verhielten sich zu Beginn der Tour zu THE HOUSE OF BLUE LIGHT zueinander noch freundlich.

Dieser Zustand hielt nicht allzu lange. Ian‘s Art die Songtexte zu verfremden, immer wieder neue Wörter einzufügen, seine langen Ansagen und seine Dankesreden in der Ich-Form regten den Zorn des Mannes im schwarzen Gewandt. Der Groll spitzte sich zu und entlud sich in so manchen Momenten. Manchmal wurden die Auslöser schon vorm Auftritt gesetzt, manchmal wurde das Grauen auch als Folge des Geschehens auf der Bühne ausgelöst.
Die Band war im Mai 1987 auch in den USA unterwegs. Am 23.05. wurden sie im Irvine Auditorium in Lost Angeles erwartet. Das Konzert wurde in ziemlich guter Qualität aufgenommen und blieb erhalten. Einige dieser Zwistigkeiten wurden so auch festgehalten.
"Highway Star" leitet einen Auftritt ein. Wie gewohnt toll ausgestattet. Ritchie spielt hier seinen Teil noch fleißig und fügt sich gut in die Band ein. Alles klingt gut und zuverlässig.
Auch bei "Strange Kind Of Woman" hört sich die Band noch spektakulär an. Alles scheint an der richtigen Stelle zu sein. Ritchie spielt im Duo mit Jon richtig schick. Der Hörer findet sich in einem starken Stück Musik wieder. Ian ist auch gut bei Stimme. Auch die Echo-Momente in den Schluss-Momenten sind dezent gesetzt.
"The Unwritten Law" wird cool eingeleitet. Der Start ist furios und zeigt schon hier ein kleines Manko. Ian singt dort obwohl er dort nichts zu suchen hatte. Ritchie versohlt vorm Solo des Herrn Paice seine Gitarre nochmals. Der Drummer der Band ist einer der Besten in seinem Gewerbe. So verwundert es nicht, dass auch dieser Einzelbeitrag wieder toll anzuhören ist. Im Grunde wirkt das Solo zum Ende jedoch ein wenig unrund.
Bei der Einleitung zu "Dead Or Alive" verspielt sich Ritchie unhörbar. Er wirkt danach unkonzentriert. Die kurze Blues-Einspielung entfällt komplett. Der Album-Song vom zu promotenden Werk hingegen wirkt kompakt. Auch Ritchie ist wieder gut hörbar bei der Sache.
Routine hört man bei "Perfect Strangers". Gekonnt und auch als Einheit breitet man den Titel auf der Bühne aus. Sieben Minuten sind Standard für das Teil. Alles scheint gut auf der Bühne.
Wieder singt sich Ian beim Start von "Hard Lovin‘ Woman" ein. Ritchie startet im Song voll durch und wirkt druckvoll. Wieder hat er kleine Fehlklänge im Übergang zur letzten Strophe. Kein Ding und fast nicht zu hören. Den Fans in der Halle fiel das nicht auf.
Von "Bad Attitude" gibt es nur den Anfang zu hören. Sehr schade, denn so ist auch diese Aufzeichnung an dieser Stelle nicht vollständig.
"Child In Time" findet die gewohnte Einleitung. Ian singt sich in den Titel und wird durch Jon toll begleitet. Wunderschöne Momente entstehen. Gewaltig pflanzt sich das Riff fort und mündet dann in die Speed-Attacke. Ritchie spielt einfach Klasse. Seine Aggression ist beispielhaft und seine Übersicht bezüglich des Geschehens auf der Bühne stark. Ian‘s Stimme klingt fantastisch. Herz was willst du mehr!
Bei der Einleitung von "Difficult To Cure" wird es wieder verspielt. Ritchie stimmt sich ein und spielt mit seinem Instrument. Irgendwie hat man auch hier das Gefühl es läuft nicht so wie beabsichtigt. Es hakt beim großen Meister. Also Abbruch des Vorspiels und der Klassiker beginnt. Ritchie gibt bis zur Übergabe an Jon noch ein wenig Gas. Das Solo vom Herrn Lord ist wie immer ein Genuss. Jeder Abschnitt des Teiles fügt sich ineinander. Jedoch hört man auch Fehlgriffe. Doch das macht eine Live-Musik aus.
Wie immer geht das Solo in die Einleitung zu "Knocking At Your Back Door" über. Ian singt im ersten Teil ein wenig in den Gitarrenlauf von Ritchie. Der spielt jedoch das Teil mit einer fetten Präsenz. Allerdings fehlt hier schon ein wenig die verspielte Spielweise von ihm.
Bei der Einleitung von "Lazy" wird es dann böse. Immer wenn Ritchie ansetzt sich einzuspielen redet ihm Ian dazwischen. Der Titel beginnt und wenn der Gitarrist ansetzt schreit Ian Gillan los. Das frustriert sicher, denn für den Herrn Blackmore muss das vorgekommen sein, als ob ihm der Sänger am spielen hindern wollte. Ritchie schießt dann scharf in den Song. Seine Finger fliegen über die Saiten. Nur wenn der Herr Gillan ansetzt seinen Mund zu öffnen hört man ihn kaum. Ritchie‘s Passagen werden nun kürzer. Er hört einfach auf zu spielen. Es entsteht eine unvermittelte Stille. Nur für kurze Zeit bis sich Ian fängt und mit der Mundharmonika die Leere auffüllt.
Ians Becken verkünden vom nahen "Space Truckin‘". Ist der erste Abschnitt erst mal abgehakt, beginnt die Reise in das Weltall. Jon gehört der erste Abschnitt des freien Teils. Die Übergabe an Ritchie hören wir nicht mehr. Es wird ausgeblendet.
Als ersten Teil der Zugaben hört man nun "Black Night". Ritchie’s Riff von einst zieht immer noch. Im Hintergrund hört man die Zuschauer mitgehen. Der Meistergitarrist zerreißt das im Grunde schön geplante Wechselspiel mit Lord. Trotzdem begleitet er die Band.
Mit "Smoke On The Water" geht der Abend zu Ende. Die Band spielt auch diesen Song profihaft zu Ende. Final wird sich höflich beim Publikum bedankt.
Diese Aufzeichnung ist wegen der feinen und gereizten Atmosphäre auf der Bühne bemerkenswert. Ian scheint den durch Fehlspiel und seine Anwesenheit ohnehin gereizten Blackmore noch mehr reizten zu wollen. Alle von Ritchie so kritisch vermerkten Besonderheiten des Sängers sind hier in wirklich gutem Ton festgehalten.
Der Auftritt zählt ganz sicher nicht zu den besten dieser Zeit. Er ist eher eine Zustandsbeschreibungen der Bandverfassung. Ritchie weiß noch, dass er fürs Gitarre spielen zuständig ist. Ihm fehlt jedoch das letzte Quäntchen Spaß und Elan. Schade, dass der Gitarrenpart von "Space Truckin‘" fehlt. Es wäre doch wissenswert wie sich dieser Abschnitt an jenem Abend gestaltete.
Für eine Bootleg besticht hier der wirklich tolle Klang. Nur ein wenig Nachbesserung benötigt es um das Teil hörbar zu machen.

