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SLAVES AND MASTERS - Deep Purple

Fire, Ice & Dynamite

Ritchie hatte sich durchgesetzt. Ian Gillan wurde entsorgt - wieder einmal. Roger Glover durfte bleiben. Nach einer längeren Suche und einigen Sessions mit diversen Sängern erinnerte sich der Man in Black an seine Zeit mit Rainbow. Joe Lynn Turner hatte Zeit und ein neues Line-up war geboren.

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Joe Lynn Turner ist bei weitem kein schlechter Sänger. Die Mitgliedschaften in diversen Bands (Yngwie Malmsteen's Rising Force, Fandango u.a.) und eine bis heute andauernde Solo-Kariere unter dem eigenen Namen oder zusammen mit Glen Hughes sind bekennendes Beispiel dafür.

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Das Album erschien dann im Oktober 1990. Slaves & Masters wurde nur verhalten aufgenommen. Lag es am neuen Sänger? Zum Teil wohl schon, denn der Rest der Welt sah in ihm den letzten Rainbow-Sänger. Konnte er auch Purple?

 

Nicht zu schnell startet das Album mit einer schicken Rocknummer. Genau das ist "King of Dreams". Joe sang das Teil echt stark und der Titel besitzt ein tolles Wohlfühlpotential. 

 

"The Cut Runs Deep" wird schön eingeleitet. Dann reißt einem das bestimmende Riff mit. Irgendwie könnte das auch guter Rainbow-Song sein. Warum auch nicht; schlecht war die Band ja nicht. Den Titel deswegen nun schlecht zureden; das wäre nicht gerecht. Langeweile gibt es nicht. 

 

Mit "Fire In The Basement" startet ein harter Purpler durch. Erstaunlich viel erwachsener Joe klingt. Gewaltig schwebt er über dem Song. Roger‘s frecher Bass sorgt für Energie bis Ritchie die sechs Saiten entstaubt und Jon überprüft ob die Tasten der Orgel noch fest sitzten. Der erste Höhepunkt des Albums. 

 

Weiter geht es mit "Fortuneteller". Auch hier kann man die Familie nicht verleugnen.  Wieder klingt Joe stark. Eine tolle Ballade die mit Ritchie ihren Siedepunkt erreicht. Ist der letzte Ton verklungen dreht man die Scheibe.

 

Die Rückseite der LP startet wieder mit einer Reminiszenz an Ritchie‘s Solo Band. "Truth Hurts" würde auch gut auf ein solches Album passen. Jedoch hört man eine wirklich schöne Zaubergitarre vom Hexer persönlich. Was kann daran falsch sein. 

 

So einen Song wie "Breakfast In Bed" hätte es mit Gillan nicht gegeben. Ist das schon Pop-Musik? Nicht das es schlecht gespielt ist. Die lockere und leichte Melodie passt und lädt fast zum Tanzen ein. Der Schluss ist toll.

 

"Love Conquers All" schlägt in dieselbe Richtung. Radiotauglich hört man eine Schnulze, welche sich nicht zu verstecken braucht. Schmalz wo man nur hinhört. Ist das noch schön oder gehört es für ewige Zeiten verschlossen? Alles Geschmacksache; für mich der Tiefpunkt des Albums.

 

Einfach in die Aufnahme hineingemischt. So startet "Too Much Is Not Enough". Böse Zungen würden der Band hier eine Art Einfallslosigkeit unterstellen. So wie er begann endet er in den Reglern. Nichts bleibt zurück.

 

Mit einem Hammer schließt das Album. Die Band versöhnt den Hörer mit "Wicked Ways". Dem längsten Song des Werkes und wohl einer der Besten. Vom Anfang bis zum Ende reißt das Teil den Konsumenten mit sich. Ja das waren die Deep Purple, die man kennt! Knochenhart mit Rhythmuswechseln. 

 

Etwas ratlos lässt man das Vinyl noch auf dem Plattenteller drehen. Schwankend zwischen zwei Höreindrücken wunderte man sich. Waren das nun Deep Purple oder Rainbow. 

 

Ist diese Wechselwirkung nun gut oder schlecht? Darüber lässt es sich trefflich streiten. Ich finde das Album durchaus gelungen. Weder bei Rainbow noch bei den Purpletten wurde jemals schlechte Musik gespielt. Auch waren die Mitglieder der Turner-Ära bei Rainbow mit einem großen Teil derer bei Deep Purple identisch. Mir gefällt es bis heute und ich höre es immer wieder gern. Es ist von allem etwas und die Mitglieder Band erfanden sich ja immer wieder neu. Es gab aber bessere Zeugnisse und schlechtere Beispiele im Portfolio der Band.

 

Auf der CD-Ausgabe wurden zwei Songs in der Reihenfolge verändert. Warum wissen nur die Produzenten oder die Band. Vielleicht ging es darum der hinteren Hälfte mehr Drive durch "Fortuneteller" zu verpassen. 

 

Unter den Fans kam der Wechsel des Sängers nicht so gut an wie bandintern gern gewünscht. Vor allem Live gingen dann die Sympathien der Fans weg vom ex Rainbow-Sänger. Zu sehr hatten sich alle an Gillan als Frontmann gewöhnt. 

 

Live gab es viele Veränderungen zu sehen. "Burn" war als Opener der Konzerte zurück gekehrt. Joe hatte mit den Klassikern Probleme. Die Fans lehnten seine Einsätze hier ab. "Smoke On The Water" verfiel in den Rainbow-Modus. Nicht alles gefiel den Fans und auch mir. Zum nächsten Album kam dann Ian Gillan dank des Druckes vom Management zurück.

 

So bleibt dieses Album ganz sicher eines der Besonderen. Nicht nur wegen der Reminiszenzen an längst vergangene Zeiten, sondern auch im Gedenken an so einiges skurriles am Rande. Da gab es viele Interviews mit Turner und anderen Mitgliedern der Band in welchem sie sich gegenseitig und der Band ewige Treue und Einigkeit schworen. Auch gab es eine musikalische Beteiligung an Willy Bogners Ski-Moden-Werbefilm Fire, Ice & Dynamite. Die Band komponierte hier extra den Titelsong für das doch eher als kritisch zu bewertende Unterfangen. Der Film passt übrigens gut zur Schaffensperiode der Band in dieser Zeit.

 

Wie Feuer und Eis - so unverträglich und doch schön - ist auch dieses Album. Wie Dynamit schlug es nicht ein, eine Kaufempfehlung für jeden Rainbow- und Purple-Fan gibt es trotz allem.

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