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LIVE IN OSTRAVA 1991 - Deep Purple

Ein Neustart mit alten Bekannten

Seit Oktober 1990 war SLAVE & MASTERS für die Fans verfügbar. Der neue Sänger war ein alter Bekannter. Nun wurde er zwischen die anderen Bandmitglieder gestellt und sorgte so für einen regen Austausch von Argumenten bei allen Verehrern der Band. Hatte er das Zeug zum Frontmann, konnte er den großen Fußstapfen seiner Vorgänger folgen?

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Die Live-Tour zum aktuellen Album startete in der Tschechoslowakei. Am 04. Februar 1991 trat die Band einem kritischen Publikum entgegen. Dieser Auftritt wurde in BILD und Ton durch das Fernsehen aufgenommen.

Seit dem Ende der bis dahin einzigen Besetzung ohne Blackmore (1976) startete kein Auftritt dieser Band mehr mit "Burn". Schon aus diesem Grunde ein Erlebnis. Lange 15 Jahre währte diese Pause. Ritchie’s hammerharter Rockbrecher katapultiert die Band in den Abend. Wollte man David Coverdale mit Joe Lynn Turner vergleichen so verliert hier der neue Stimmakrobat ganz deutlich. Das Zeichen war hier wichtiger. Wir sind neu aufgestellt zurück! Ohne den immer aufsässige Herrn Gillan. 

 

"Black Night" als zweiten Song zu bringen war außergewöhnlich. Ansonsten als Bestandteil der Zugaben folgt es nun gleich dem Einstieg. Es unterstreicht den frischen Eindruck der Neuerfindung und wird entsprechend dynamisch aus den Verstärkern geschleudert. Ritchie hat Bock und das merkt man. Wie Joe mit dem Gitarristen im Duett das Geschehen bestimmt ist cool. Das Publikum brüllt die Melodie und die Stimmung ist toll. Auch "Long Live Roch‘n‘Roll" klingt kurz durch.

 

Erst mit dem dritten Song wird sich dem neuen Album gewidmet. "Truth Hurts" ist ein langsamer Song, welcher sich in bester Purple-Manier über die Bühne schleppt. Hier hört man eine gewaltige Priese Rainbow mitschwingen. In der späteren Fase der Solo-Band des Gitarristen hatte er mit diesem Sänger großen Erfolg mit solchen kommerziellen Stücken. Das klappt auch hier. Gefühlvoll wird hier vor den Anwesenden ein schöner Soundteppich ausgerollt. 

 

Auch "The Cut Runs Deep" stammt von der aktuellen Scheibe. Hier fliegen die Bretter von der Bühne. Ein wahrer Purple-Song ohne einen Grund zum Klagen. So hören sich die Herren an, wenn alle Feuer und Flamme sind. Allein der Grundrhythmus ist brachial. Als dann noch "Hush" auftaucht ist es ein starkes Stück. Joe klingt echt gut. Wenn Jon seine Orgel anwirft, dann startet die Band bis zum Ende durch. 

 

Mit "Perfect Strangers" geht es wieder zurück zum Réunion-Album. Der Herr Lord startet souverän wie immer. Joe singt das Teil deutlich anders als Ian einst. Leider wird der Titel vom alten Sänger schöner getragen. Es besitzt mehr inhaltliche Fülle. Joe‘s Stimme hingegen wirkt leider irgendwie blass. 

 

Weiter geht es mit aktuellen Stoff. "Fire In The Basement" ist pure Purple-Ware. Hart und direkt konzentriert man sich auf‘s Musizieren. Joe passt tausendmal besser in den Song. Genau diese Art der Leistung erwartet man. Es gibt sogar ein echtes Bass-Solo von Roger. Einem Mitglied, welches leider viel zu oft in den Tumulten der Oberfläche unterging. Hier darf er glänzen. Und das tut er. Wieder hört man den neuen Sänger jammen. Dann beginnt das Teil erneut. Vom Anfang bis zum Ende ein Genuss. 

 

Seichter geht es dann mit "King Of Dreams" weiter. Hier fühlt sich Joe vollends zuhause. Er singt echt stark und man kann nachvollziehen warum sich die Band für ihn entschied. Das Teil wird professionell über die Bühne gebracht. 

 

Noch mehr Rainbow fließt bei "Love Conquers All" ein. Eine lyrische und zerbrechliche kleine Ballade. Was zum schmachten und ganz sicher fürs Solo-Projekt eine Bereicherung. Joe steht hier wie einst in der anderen Band mit der Kampfe vor Blackmore auf der Bühne. Das war echt etwas besonderes für Deep Purple. 

 

"Difficult To Cure" entstammt auch der einstiegen Vorzeigeband des Teufelsgitarristen. Längst jedoch war dieses außergewöhnliche Stück ein Bestandteil eines jedes Deep Purple Auftrittes. Viele Abende leitete dieses Klassik-Thema das Solo vom Herrn Lord ein. Auch in dieser Fase beginnt nach famosem Spiel des Herrn Blackmore der Tastenvirtuose sein Werk. Jon folgt ohne Problemen der klassischen Linie und leitet diese später über andere Stilrichtungen hin zum harten Rock. Streckenweise wird er von Roger unterstützt. Auch Ian Paice mischt ab und zu mit.

 

Wie schon vorher geht es dann mit "Knocking At Your Back Door" weiter. Wieder wird der Song gut in die Halle abgedrückt. Hier klingt Joe auch freier und man hat nicht den Eindruck er wird von innen heraus getrieben. Man merkt ihm an, dass er sich hier wohler zu fühlen scheint. Ritchie hingegen spielt seinen Teil wirklich stark. 

 

Ein alter Bekannter schleicht danach aus den Boxen. "Lazy" kannte ich bisher nur mit Ian Gillan. Ritchie’s Power-Einleitung zum Stück war zurück wie in alten Zeiten. Hart und ohne lange Einleitung beginnt der Song. Er zieht irre gut an den Saiten und richtig schnell. Jon spielt sich schön mit dem Gitarristen ein. Hier nun wieder zeigt sich, dass Joe sich mit Blues nicht so richtig befasst hat.  Er klingt nicht faul und gelassen. Eher singt er wie in einem Musical. Wahrscheinlich gibt es deswegen auch nur eine Strophe. Roger spielt Mundharmonika. 

 

Mit "Wicked Ways" schließt sich der Abend. Auf SLAVE & MASTERS einer der besten Songs. Ein starker Titel mit tollen Beiträgen und faszinierenden Musikern. Im Mittelteil glänzt Ritchie. Bei späteren Auftritten wird der Song auch mal weggelassen. Im Verlaufe der Tour verschwindet er dann gänzlich. 

 

Als Zugabe wird "Highway Star" vom Stapel gelassen. Joe gibt sich Mühe Hart zu klingen. Er hat schon recht, wenn er bei der Vorstellung des neuen Albums behauptet genau das wieder neu lernen zu müssen. Er klingt wieder nicht schlecht. Wenn man beachtet, dass es sein erster Live-Beweis mit der Band ist, so muss man hier schon sagen; es ist gelungen. Ian hingegen hätte seinem Gesangpart mehr Eindringlichkeit verpasst. Dem Rest der Band hingegen ist der weitere Verlauf des Titels in Fleisch und Blut übergegangen. Routine wo das Ohr nur hinhören will. 

 

Mit "Smoke On The Water" endet dann auch dieser letzte Abschnitt des Auftrittes. Wie schon zur Rainbow-Zeit wird der Song am Anfang verunglimpft. Joe singt es wirklich toll, jedoch passt zu dem Teil das Start-Riff am besten. Alles ist letzten Endes Ansichtssache. Mir gefällt es nicht. Auch das Teil zu zerstückeln zeugt von der noch vorhandenen Abneigung des Supergitarristen dem Song gegenüber. Schließlich schrieb der Lieblingsfeind den Text zum übrig geblieben Riff. Ritchie’s Riff! Später hört man hier das Schlagzeug-Solo. In dieser Version fehlt es. So geht es mit Teilen von "Woman From Tokyo" weiter bis im Geiste wieder der Rauch überm Genfer See zu spüren ist. Diesen Klassiker auf diese Art zu bearbeiten ist eine kleine Schande. Ich verstehe den Frust, jedoch muss Professionalität hier die Oberhand gewinnen. 

 

Alles in allem ein wirklich toller Mitschnitt eines wirklichen Neustartes der Band. Sie hatten den Mut und präsentierten einen neuen Sänger. Dass er singen konnte musste er nicht beweisen, das er Purple-Stoff drauf hat; diesen Beweis bleibt er an diesen Abend noch schuldig. Die Band holt hier Schwung um in die Tour zu starten. Eine Tour, welche nicht gut beim Großteil der Anhänger ankam. 

 

Aufnahmen gibt es als Bootleg oder aber in Form der einstigen TV-Aufnahme. Die Fernsehaufnahme ist klanglich sehr gut. Ein wenig mehr Bass und ein wenig mehr stimmlicher Klang lässt sich nachdrücklich mit ein wenig Übung hinzufügen. 

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