PHILADELPHIA 1991 - Deep Purple
Ein normaler Tag der Tour
Im Frühjahr 1991 tourte die Band durch Amerika. Zwei Abende verbrachte man in Upper Darby. Sie traten hier im Tower Theatre auf. Ein Abend wurde mitgeschnitten und später als Bootleg unter die Leute gebracht.

Im Internet wird dieser Termin manchmal auf den 05. und 06. April festgelegt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Deep Purple am 19.04. und am 20.04. dort die Halle füllten.Wie auch immer es sich verhielt, eines steht fest: die Band wurde in ganz guter Qualität mitgeschnitten. Der Sound ist ganz gut und mit einigen wenigen Handgriffen hört man einen passablen Auftritt.
Gleich mit "Burn" steigen wir ein. Joe Lynn Turner gibt sich echt Mühe. Er verleiht der einstigen Kraft-Nummer eine schicke Farbe. Reicht das um von einem glücklichen Start zu schreiben? Ritchie und Jon treffen sich jedoch auf der Bühne und die Luft vibriert.
"Black Night" ist noch älter. Die alte Single von der Restrampe lebt natürlich. Na klar kann man über viele Sachen die Nase rümpfen. Das Rainbow-Teil "Long Live Rock‘n‘Roll" passt hervorragend dazu. Natürlich ist der Kontext nun ein anderer. "Child In Time" hingegen ist eine andere Nummer. Nie würde Joe dem guten Ian den Rang ablaufen. Als kurze Impro geht es echt in Ordnung.
Beim nächsten Song sind wir wieder beim aktuellen Album. SLAVES AND MASTERS ist sicher kein Geniestreich. Manche Songs kommen Live jedoch gut. Für solche Sachen lebt der Sänger. "Truth Hurts" bedient Joe natürlich toll. Schwer geht es zu. Gibt sich Gitarrenbediener am Anfang wirklich Mühe? Es wirkt ein wenig unmotiviert. Später wird es besser. Zum Ende hin ergänzen sich der Sänger und der Mann am Griffbrett. Alles sehr gediegen.
"The Cut Runs Deep" hingegen wirkt kräftig und stark. Jon drückt sich mächtig in das Teil. Dann startet Ritchie durch. Freunde der gepflegten Unterhaltung, gebt acht, jetzt fliegen die Fetzen. Der schwarze Mann lässt seine Finger kurz über die Strat streichen. Dann drückt sich der Drummer in den Vordergrund. Nun ist es Zeit die Anwesenden im Saal anzufeuern. Auch "Hush" lässt man kurz durchklingen. Bis schließlich Jon seine Tasten findet. Eine wirklich tolle Version und ganz gewiss nicht langweilig.
Mit "Perfect Strangers" geht es in die nächste Runde. Das Teil ist auch in dieser Phase immer präsent. Das Hauptmotiv kommt natürlich über die Orgel. Joe singt es von Auftritt zu Auftritt besser. Allerdings muss man zugeben, dass sein Stil schlecht rüber kommt. Routiniert schleift man den Song durch die Verstärker.
Deutlich besser wird es mit "Fire In The Basement". Wir hören hier unsere Lieblingsband mit tollem neuen Material. Das fetzt gewaltig und ist bester
Purple-Stoff. Die Bühne bebt, die Membranen der Lautsprecher leisten Schwerstarbeit. Ritchie gibt sich und seinem Instrument die volle Kante. Die Orgel mischt sich ein. Echt toll mit einem starken Bassisten im Mittelteil. Herz was willst Du mehr? Natürlich noch mehr davon; das steht fest!
Leider kommt es anders. "Love Conquers All" gehört natürlich zu Joe Lynn Turner. Zusammen mit Ritchie spielt er hier die Hauptrolle. Das tut ihm gut. Diese Schnulze trägt den Hörer über die Zeit. Die Länge ist ausreichend.
"Difficult Tu Cure" war einst der Titelsong zum Rainbow Album von 1981. Als ich durch Zufall das Teil im Radio hörte, war ich sofort begeistert. Der Klassik-Begeisterte Herr Blackmore brachte das Teil mit zu Deep Purple. Schon seit 1985 ist dieses Musikstück fester Bestandteil der Band. Ritchie’s Begeisterung ist jedes Mal zu hören. Schlechte Zeiten sind dadurch weniger böse, gute Momente verstärken sich. Erst wenn der Saitenverbieger einige Töne gespielt hat darf in die Tasten gedrückt werden. Jon macht das immer wieder toll und bereichert den Abend wirklich. Er vertreibt schnell den eher doch bescheidenen Eindruck seines Vorgängers. Kurz wird er von seinem Schwager an den Drums begleitet.
Wenn er dann zum nächsten Song einleitet wird schnell klar was folgt. "Knocking At Your Back Door" klingt mit Joe besser als beim vorherigen Titel vom selben Album. Wieder wird das Teil routiniert durch die Verstärker gejagt und ans Publikum weitergeleitet.
Blues kann Joe jedoch nicht. "Lazy" wirkt blass. Durch die eher kurze Interpretation wirkt es auch nicht sonderlich nach. Dem Gitarristen hier eine Art überbordende Spielfreude zuzuordnen, wäre echt Zuviel.
Mit "Highway Star" rasen wir nun dem vorläufigen Ende des Abends entgegen. An dieser Stelle fragt man sich, ob die Kohle für den Eintritt gut investiert war. Es gab einige, welche nicht immer positiv darauf geantwortet hätten. Nach gut sechs Minuten ist der Zauber vorbei. Der letze Ton ist verklungen und gerade mal 80 Minuten sind vergangen.
Das kann’s noch nicht gewesen sein. Also wird gefordert. Klar geben dich die Herren hinter der nun leeren Bühne nochmals die Ehre. Sie steigen hart und unverblümt in die Hymne vom Rauch übern Wasser ein. Gute zehn Minuten darf sich das Volk über einen Mehrwert freuen. Auch Ian Paice darf seine Künste Solo geltend machen. Der wiederum trommelt ganz freudvoll. Bei "Hall Of The Mountain King" gab sich Ritchie sonst auch mehr Mühe. Kurz klingt "My Woman From Tokyo" noch an.
Als die letzten Klänge vom alles verbindenden "Smoke On The Water" verklungen sind verlassen die Musikschaffenden die Bühne. Joe verabschiedet sich. Das Licht in der Halle geht an. Das war’s dann also. Ab nach Hause um darüber nachzudenken wem man als Nächstes den schwer verdienten Schotter als sponsert.
Der Abend ist im Grunde ein Standard-Event einer Tour, welche glanzvollere Momente präsentierte. Oftmals liegt es zu jener Zeit am momentanen Gemütszustand des Zauberers der sechs Saiten. So richtig glänzen kann er kaum. Klar ist er verfügbar, man hört ihn gut. Er ist anwesend und meistert seine Anteile. Einen Überschwang oder schlichte Spielfreude hört sich bei ihm anders an. Lieblos zelebriert er seinen Teil und breitet ihn vor den anderen Beteiligten auf dem Boden der Bühne aus.
Die teilweise doch sehr schwankende Vertonung stören den genau hinhörenden Fan durchaus. Ist man jedoch in der Lage diese Umstände zu akzeptieren ergibt sich doch ein cooler Mitschnitt. Er reiht sich ein in andere Mitschnitte dieser Tour. Sie war ja schließlich auch die einzige Chance diese Zusammensetzung live zu erleben.

