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IN THE ABSENCE OF PINK - Deep Purple

Deep Purple gut durchgespült

Quasi auf der Durchreise besuchten die frisch vereinten Deep Purple das Knebworth Park Festival am 22. Juni 1985. Von Malmö (Schweden am 18.06.) kommend waren sie unterwegs nach Genk (Belgien am 24.06.).

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Neben Bands wie den Scorpions, UFO, Mountain und anderen spielten sich die Purples in die einbrechende Nacht. Dieser Auftritt wurde durch die BBC mitgeschnitten. Das Label Connoisseur Collection brachte das sonst nur als Bootleg bekannte Material 1991 als semi-offizielle Veröffentlichung auf den Markt. Die Band duldete die Veröffentlichung. Zu dieser Zeit stand man bandintern vor anderen Problemen (der Wechsel zurück zu Ian Gillan zeichnete sich deutlich ab).

Wie schon bemerkt kannte man die Aufnahme nur von Bootlegs. Bei dieser Kategorie von Aufnahmen ist eine schlechte bis ganz gute Tonqualität zu erwarten. Hier muss man eindeutig anerkennen, dass die Aufnahme gerade in den oberen Tonbereichen zu stark betont wurde. Dadurch wirkt der Ton ein wenig kopflastig. Der Bass und die anderen Instrumente sind jedoch klar erkennbar und gut definiert. Das trübt den Hörgenuss etwas, lässt sich aber mit einer Änderung über einen Equalizer ganz gut beheben. Je nach Hörgeschmack sind so Angleichungen möglich, welche diesen kleinen Mangel der Aufnahme spielend korrigieren.

 

Das was zu hören ist - ja das ist schließlich das Wichtigste. Und hier muss man deutlich zum Ausdruck bringen, hier hört man die Band wie man sie von früher gewohnt war - hart und knackig. Die Tour nach der Veröffentlichung des Albums Perfect Strangers gehörte wohl zu den besten Touren der nächsten fünf Jahre. Selten waren sie wieder so gut. Seitdem die Band sich wieder fand waren sie ein Quell von Energie. 

 

Mit jede Menge Druck startet "Highway Star". Nahtlos schließt sich "Nobody's Home" an. Beide Songs sind nicht ganz so gut wie einst beim Neustart der Tour zum Réunion-Album. Professionell erlebt man tolle Musik. 

 

Immer wieder einfach stark hört sich "Strange Kind Of Woman" an. Ian ist hier einfach spitze und er wird vor allem durch Ritchie gut unterstützt. So kennt man die Band. Wieder hört man ein famoses Finale.

 

Ein gutes Beispiel für die hohe Qualität des Auftrittes ist auch die Interpretation des Titels "A Gypsy's Kiss". Ritchie und Jon tragen den Song auf ein meisterliches Niveau. Allein die Abläufe und die Zusammenarbeit der beiden beeindruckt besonders. Auch "Perfect Strangers" wurde echt gut wiedergegeben. 

 

Das Set wurde gegenüber dem Start in Australien (Dezember 1984) umgestellt. Einige Titel wurden in der Reihenfolge verändert. Seit dem 1. April 1985 (Auftritt in Toronto/Canada) spielte man "Child in Time" nicht mehr zwischen "Lazy" und "Knocking At Your Back Door". War das ein Verlust? Im guten britischen Landregen fiel es nicht negativ auf.

 

Mit "Lazy" geht es einem der Höhepunkte entgegen. Ritchie's Einstieg in dieses Stück ist einfach cool und total hart. Unwiderstehlich schnell nimmt das Teil Speed auf. Diese Geschwindigkeit geht dann auf das Drum-Solo über. Ian Paice trommelt hier vielleicht eine Spur schneller als im Dezember. 

 

Wenn man so will wirkt "Knocking At Your Back Door" etwas gebremster als im Dezember des Jahres zuvor. Es kehrt wieder etwas Ruhe ein. Auch hier wieder eine gelungene Darbietung, vor allem zum Ende hin. 

 

Einer der Höhepunkte ist das von Ritchie adaptierte "Difficult To Cure" mit der anschließenden Soloeinlage des Herrn Lord. Wie immer brilliert er hier zur vollsten Zufriedenheit und bildet quasi den Übergang zu einem fulminanten "Space Truckin" - sprich natürlich dem unvermeidlichen Solo des Herrn Blackmore. Hier fühlt man den Geist der guten alten Purple-Jahre und hier wird auf der Bühne noch mit den Instrumenten gerungen. Am Ende quält der schwarze Gitarrenhexer wie wild sein Instrument bis zum scheinbar wahrhaftigen Tod der Saitenstation am Hals des Mannes. Das kennen wir und hören es immer wieder gern. Solche Töne bekommt nur der Man in Black aus dem Hals seiner dem Untergang geweihten Gitarre.

 

Was für ein Konzert und was für ein Anblick muss das damals gewesen sein. Die Bühne brennt und das geneigte Auditorium davor ist durchnässt vom Dauerregen. Man höre nur dem Song "Speed King" zu. Auch hier beginnt es wieder geordnet und am Ende erscheint es, als ob die Bühne von der Wucht der Interpretation hinweggefegt wurde. Die auf die Orgel ausgebreitete Plane erscheint das einzige zu sein, dass dem von oben strömenden Wasser das Eindringen ins Innere verhindert. Und um vielleicht einzelne Tropfen Flüssigkeit zu verdampfen haut der Jon die Tasten voll durch - bringt die Orgel zum Dampfen - unter wahnsinniger Unterstützung der Herrn Blackmore. Welch eine Szenario; kein Regisseur der Welt könnte es besser. Ian bedankt sich beim Publikum und es geht in die zweite Zugabe. 

 

Diese startet dann mit dem Dauerbrenner "Black Night". Das Inferno von vorhin blitzt nochmals kurz auf. Donnernd neigt sich der Abend seinem Ende entgegen. 

 

Zum Ende hin bedankt sich der Herr Gillan nochmals bei den im Flutwasser erschienenen Fans. Nicht nur einmal betont er das schlechte Wetter und die damit verbundene Bewunderung der Band. Mit einem für solche Worte unterbrochenen "Smoke On The Water" geht ein Abend zu ende, welcher nie durch die Einflüsse eines Unwetters auch nur im entferntesten gefährdet war.

 

Wen interessiert da noch der nicht ganz so tolle Klang im oberen Spektrum der Aufnahme oder die teilweise amateurhaften Übergänge der Songs. Hier wurde etwas großes festgehalten, etwas einzigartiges, etwas besonders für die Ewigkeit bewahrt. Auch wenn auf Grund der klanglichen Mängel ein Stern gestrichen werden muss (die BBC hätte es besser hinkriegen müssen) bleibt hier eine dicke Empfehlung. Eine Empfehlung nicht nur für Purpler der ersten Stunde sondern für alle die wissen wollen wie Livemusik von Deep Purple wirklich klingt.

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