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LIVE IN PARIS 1985 - Deep Purple

Hier lebt die Band

Seit Juni 1985 war die Band wieder in Europa unterwegs. Nach mehreren Auftritten in Deutschland spielte die Band am 09. Juli im Palais Omnisport in Paris. Der Auftritt wurde in BILD und Ton mitgeschnitten. Ian Gillan war stimmlich angegriffen. Die Band allerdings war toll in Form.

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Mit dem damals üblichen Orgel-Intro startet der Abend. Mit klassischer Attitüde beginnt dann "Highway Star". Knallig führt die Band in den Abend. Ian versagt ein wenig die Stimme und er wirkt ein wenig blass. Jon hingegen dominiert den ersten Abschnitt. Ritchie hält sich gefühlt zurück.

Mit "Nobody‘s Home" hört das Publikum gleich einen Song vom aktuellen Album. Ritchie gibt hier wirklich Gas und druckvoll wird hier angedeutet was später vielleicht noch passiert. 

 

Kurz geht es wieder in die Fase vor der Wiedervereinigung. Legendär nicht nur seit den Aufnahmen von Japan kennt der Geneigte das nun zu vernehmende Material. "Strange Kind Of Women" gilt seit dieser Zeit als Vorzeigestück der Band. Ritchie gibt sich hier Mühe. Nicht nur als Einzelakteur auf der Bühne, nein zum Ende hin unterstützt er auch noch Ian. 

 

Zurück zum Neuwerk begibt man sich mit einem kleinen Nostalgiestück.  Auch die langsamen Klänge lagen Richie ganz gut. "Blues/Gipsy‘s Kiss" ist ein heisses Stück Handwerk. Eindrucksvoll zeigt es zu welchen Aufschwüngen das im Grunde zu kurze Albumstück fähig ist. Die Band tobt und der Song geht ab wie nichts. Das erwarteten die ausgehungerten Vernarrten am Fuße der Bühne.

 

Weiter geht es mit dem Titelsong des zu promotenden Albums. "Perfect Strangers" hört man hier an, wie cool das Teil ist. Diese Orgeleinleitung ist auch Jahre später das Erkennungszeichen. Schwer schleppt sich das Teil über die nächsten sechseinhalb Minuten. Auch lange nach dem Abgang vom Herrn Blackmore bleibt der Song im Portfolio der Band. 

"Under The Gun" ist für mich gleich ein weiteres Hörerlebnis. Fast schon beeindruckender als der Titelsong selbst. Wieder versucht die Band die Bühne einstürzen zu lassen. Power und Druck egal wo man hinhört. Wieder einmal beweist die Band, dass es keine beeindruckende Geschwindigkeit braucht um hart aufzuspielen. Mittelschnell im Rhythmus forciert allein Ritchie eine irre Beschleunigung hin zum rasenden Endergebnis. So klangen die damals - wenn alles gut ging. 

 

Der nächste Titel gehört fast durchgängig seit Mitte der Siebziger zum Auftritt der Band. Anfangs war "Lazy" eine Jam-Nummer im Blues-Format. Hier zu jener Zeit wurde der Song nach einer längeren Einleitung kurz angespielt und im Anschluss das Drum-Solo eingeleitet. Ein wenig Schade ist das schon. Herr Paice legt dann auch gut im zweiten Abschnitt los. Er trommelt hier nicht seine längste Alleinpassage, jedoch ist es vom Speed echt schnell, Doppel-Bass-Drum inclusive. Dass es dem Sänger nicht besonders ging, hört man auch in der Präsentation des Namen des Drummers. Gewöhnlich schrie er diesen mit viel Power ins Auditorium. Hier jedoch hielt er sich bedeckt.  

 

Auch "Knocking At Your Back Door" ist als Song unverwechselbar. Wieder schafften es die hier Beteiligten neue Meilensteine zu setzen. Wieder wird der Song gepflegt ohne Ausritte von der Bühne gedrückt. Wenn man so will bekommt die Hörerschaft eine kleine Verschnaufpause. Ian‘s seltsamen Tierlaute sind im Grunde eher peinlich. Jedoch beschränkt sich das Gejaule auf einige wenige Ausschweifungen.

 

Schließlich folgt danach die freie Improvisation zu Ludwig von Beethoven. Einst durfte Joe Lynn Turner den schwarzen Supergitarristen auf einer zweiten Klampfe begleiten. Einige Jahre später griff der Meister mit seinen Zauberfingern wieder allein in die Saiten. Behutsam vom Rest der Band unterstütz leitet "Difficult To Cure" das Solo vom Herrn Lord standesgemäß ein. Klassik trifft Rock. Meisterlich gibt hier ein Könner das Zepter behutsam in die Hand des Anderen. 

 

Wer die Solos vom Herrn Lord kennt, der weiß er rettete auch so manchen faden Abend mit den Klängen aus seinem Tastenkabinet. In der Länge durchaus angemessen wird hier wieder die Orgel malträtierte, wird mit dem Moog gerungen und auch am Piano die ein oder andere Taste gedrückt. Alle Übergänge (hart sowie zart) sind schlüssig und wirken nicht im geringsten einstudiert. Von klassischen Klängen, über Volksmusik bis hin zum Blues geht alles in einem gut temperierten Soundgewitter unter.

 

Dann erheben sich die Drums zu "Space Truckin‘". Auch ohne die anderen Beteiligten wird schnell deutlich was nun folgt. Waren die einleitenden Strophen erst beendet beginnt die Jam-Nummer. Gab es auch schon längere Fassungen, so wird aber hier wieder tüchtig eingeheizt. Zehn Minuten lang fliegt nun wieder die sprichwörtliche Kuh über die Bühne. Hitzig braust die Orgel und dröhnt, begleiten von den Drums. Dann hat auch der schwarz gekleidete Griffbrettartist wieder Lust seine Beiträge an die Mitmenschen abzuführen. Im Mai des Jahres in Nagano wollte der Zottelkopf die Einladungen des Tastenmannes nicht annehmen. 

Hier bedurfte es einer solchen Aufforderung nicht. Er demoliert hier sein Instrument wie es der geneigte Fan gewohnt war. Das war der Ritchie den wir alle lieben! Wen wundert es, dass er Gitarren einst schneller entsorgte als andere Pappbecher. Der Mann jedoch tobt hier gepflegt und lässt hier die Boxen sprechen. Nach dem letzten Ton war der offizielle Teil des Abends Geschichte.

 

Doch der Lohn des Musikers ist das Verlangen des Publikums nach mehr. Immer wieder hört man es gern, wenn die brüllende Masse sich mit diesem Zustand nicht zufrieden geben will. 

 

"Woman From Tokyo" kennen wir auch schon von der Zeit vor dieser Réunion. Wieder leidet der Song durch die nicht mehr gute Stimme des Sängers. Schnell ist das Teil beendet. Wurde es abgebrochen oder so geschnitten?

 

Mit dem Zufallstreffer "Black Night" wird die finale Fase eingeleitet. Wieder gibt es Druck aus jeder Ecke. Der Song ist lebendig wie einst in den Siebzigern. Ritchie blitzt nochmals auf und wird danach von Jon abgelöst. Schließlich gibt man dem Volk die Chance mit zu grölen. So geht Live-Mucke. 

 

Mit der schlichten Situationsbeschreibung einer Brandstiftung und den anschließenden Anstrengungen der Band zur Schaffung von Musik geht der Abend endgültig zu Ende. "Smoke On The Water" wird hier zum Rausschmeißer. Als Dankeschön an die Versammlung wird es mit auf den Heimweg gegeben. Wir kennen das und sind immer wieder verzückt und entsetzt; ist das Konzert schließlich beendet, wenn der letzte Ton verklungen ist.

 

Über die Fernsehsendung ROCKPALAST wird dieser Auftritt schließlich bekannt und erfährt eine breite Veröffentlichung. Zahlreiche andere Veröffentlichungen gibt es nebenbei. Im Grunde eint alle die doch eher bescheidene Tonqualität. Meine Aufzeichnung stammt direkt vom TV. Mit ein wenig Bearbeitung am Computer verbessert sich der Klang. In meiner Fassung stört ein wenig ein in den leisen Abschnitten vorhandenes Grundrauschen. Im Grunde höre ich diese Aufnahme jedoch gern.

 

Sie zeigt übrigens auch im Bild eine geschlossene Band. Ritchie hilft hier Ian noch während er mit seiner Stimme ringt. Auch schiesst der Sänger hier (noch) keine vokabularen Pfeile in die Richtung des Gitarristen. Alles ist noch in fast bester Ordnung. Alles fügt sich und man hört die gute Stimmung. 

 

Eine schicke Aufzeichnung der Band in einer Zeit des Glückes. Nicht dass es noch besser nicht ginge; nein schon gut einen Monat später setzt man noch ein vielleicht besseres Konzert in East Troy (USA) als Konserve nach. Doch dazu kommen wir später.

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