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HUNGARY DAYS - Deep Purple

Es mangelt an Nichts nur am Klang

Seit dem offiziellen Ende der Tour zum Vorgängeralbum PERFECT STRANGERS Ende August 1985 wurde die Band von den Fans auf der Bühne vermisst. Im Januar 1987 stand das neue Album in den Läden. THE HOUSE OF BLUE LIGHT war eine Zeichen der Band. Es zeigte wir sind noch da.

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Die also dringend erwartete Tour zum aktuellen Album startete an drei Abenden in Budapest (Ungarn). Vom 26. Januar bis zum 28.Januar stand man im Sportcsarnok auf der Bühne. Es war gewissermaßen die Generalprobe für die anstehende Tour, welche erst im September des Jahres enden sollte. Diese Auftritte wurden aufgezeichnet. In unvollkommenen Klang wurden diese als inoffizielle Veröffentlichung an den Fan gebracht.

Die Band war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr dieselbe. Vor allem die fast schon kindliche Aggression zwischen dem Sängen und dem Gitarristen lebte wieder auf. Es knisterte wieder im Gebälk und das durch die Réunion ausgeschmückte Bandgefüge bekam Risse. 

 

An jenen Abenden jedoch hörte man nichts davon. Verständlicherweise hört man Vollprofis zu, welche sich auf ihre Musik freuen. Es galt sich einzuspielen und das neue Tour-Programm am Zuschauer zu testen. 

 

Der Mitschnitt beginnt mit dem viel erprobten "Highway Star". Schon bei vielen  Touren davor wurde dieser Titel als Einstieg genommen. Keine Überraschung und wie immer eine gute Wahl, zündet das Teil schließlich vom Beginn an. Ritchie und Jon geben hier schon eine Menge Gas. 

 

Weiter geht es dann mit "Strange Kind Of Woman". An gewohnter Stelle gibt Ian erste Kostproben seines stimmlichen Vermögens ab. Allerdings gibt es wieder jede Menge Tierlaute. Nach dem Ausflug zu JESUS CHRIST SUPERSTAR gibt es das übliche Ende. 

 

Mit "The Unwritten Law" gibt es Stoff vom neuen Album. Gewaltig und mit Macht startet die Band in den Midtempo-Song. Einfach cool das Ganze und deutlich mit mehr Druck als auf dem Album. Schade ist jedoch, dass man diesen Song zum Start das Drum-Solo nimmt. 

Der Herr Paice trommelt nicht übel und versucht sich an den Rhythmus des Songs zu halten. Das klappt einigermaßen, jedoch hört man durchaus leichte Ungenauigkeiten. Im Grunde ist es auch nicht sonderlich lang. Dann jedoch wird es ausgeblendet. Die erste Seite der LP ist zu Ende. 

 

Mit "Short Blues" startet die zweite Seite. Von Ritchie kennt man dieses kleine Gebilde. Mit Inbrunst wiedergegeben und durch die Orgel mit reichlich Druck versorgt startet man in die nächste Nummer des aktuellen Albums. "Dead Or Alive" ist brutal intoniert. Ian singt fantastisch und Jon gibt mit der Orgel ein irres Tempo vor. Ritchie nimmt die Geschwindigkeit auf und wieder ist Jon zu Stelle. Dann gibt er wieder an Ritchie ab. Das ist die Mucke, welche ein Fan als mentale Nahrung braucht. Ein wirklich starker Song nochmals ein Spur dynamischer als auf dem Studiowerk.

 

"Perfect Strangers" nimmt ein wenig die Geschwindigkeit. Dieser Titel ist seit der Wiedervereinigung ein ständiger Gast auf der Bühne. Er wird auch in dieser Version der Band gerecht. Das berühmte Riff wird durch doch eher schlechte Soudqualität etwas gemindert. 

 

Von der LP der Wiedervereinigung aus springt die Band bei den nächsten beiden Songs wieder auf das zu promotenden Werk zurück. "Hard Lovin' Woman" wird hier auch stark in die Tat umgesetzt. Ian leitet es einfach stark ein. Im Grunde ist fast identisch mit der Albumversion. Glanzleistungen gibt es hier nicht zu bewundern. 

 

Auch auf "Bad Attitude" trifft das so zu. Hier hört man eine studiotaugliche Version. Der schwere Rock-Song zieht sich durch die Zeit. Ritchie schafft es mit seiner Gitarre dem Mittelteil ein wenig Spannung zu erzeugen. Nicht die beste Nummer der Band.

 

Die dritte Seite des Albums beginnt mit dem Überhammer an sich. Wer bei "Child In Time" nicht bei den Orgeltönen dahin schmilzt, ja der muss sich in seiner Motivation hinterfragen lassen. Die Aufnahmeposition aus der Mitte des Auditoriums gibt dem ersten Teil eine starke Intonation. Wieder ist Herr Gillan sehr gut bei Stimme. Das zweitlängste Stück des Albums ist wie immer der Hammer. Hier rastet der schwarz gekleidete Hexer das erste mal voll aus. Druck wo man ihn vermutet. Einfach klasse und keine Minute zu kurz. Alles unterlegt von aggressiven Schlagwerk und einer irren Orgel. Gerade die Tempowechsel klappen einfach toll. Ian singt wie ein Gott und das Echo-Gewitter sonstiger Auftritte ist nicht ganz so aufdringlich. Bis hin zum Ende voll der Hammer.

 

Wird es klassisch bedeutet das, Ritchie hat Zeit gebucht. "Difficult To Cure" ist seit der Zeit bei Rainbow immer ein Beitrag auf den Bühnen dieser Band. Klassik und Hardrock haben viel gemeinsam. Dieses Stück ist dafür bezeichnend. Der Mann in Schwarz lässt sich zurecht Zeit fürs Intro. Auch dieses Riff ist so bekannt wie ein bunter Hund. Ritchie lässt die Finger über die Saiten fliegen und übergibt dann an Jon. 

 

Dieser drückt auch hier Tasten verschiedener Instrumente. Von Klassik bis Hart ist auch sein Motto. Mit der Ode an die Freude im Gepäck geht die Post dann ab. Verspielte Passagen wechseln mit brutalen Abschnitten. Jedem Solo des Ausnahmekünstlers ist es bestimmt besonders geachtet zu werden. Nicht nur wegen der "Ballade pour Adeline"; jedoch in diesem Falle wird sich auch  ungarischer Folklore bedient um die Massen zum Staunen zu bringen. 

 

Zu Beginn der dritten Seite wird man mit einer Version von "Knocking At Your Back Door" verwöhnt. Auch hier wieder in einer coolen längeren Version. 

 

Ein Höhepunkt ist sicher die Intonation des "Hungarian Dance". Einfach schick verpackt und ganz gewiss Klever als Einstimmung für "Lazy". Dieser Blues-Kracher ist immer noch einer der Besten Songs Live. Ich liebe das Teil und kann mich nicht satt hören daran. Einfach, jedoch mitreißend im Rhythmus. Der Text ist einfach und einprägsam. Die schnellste und coolste Beschreibung für Faulheit. Leider wird das Teil auch ausgeblendet. Der Platz reichte wohl nicht mehr auf der Albumseite. Es wurde wahrscheinlich dem nächsten Song zu Liebe gekürzt. 

 

"Space Truckin‘" hingegen ist bestens bekannt. Durch die zeitmäßige Streckung und die Solo-Strecken erhielt dieser Song immer mehr Beachtung. Hier hört man wieso das so ist. Nach der Einführung bricht aufs Publikum die Hölle los. Die Hammond bestimmt für eine lange Zeit das Geschehen. Jon‘s Art verschiedene Stile zusammenzusetzen und sie zum großen Finale zu überführen ist legendär. Jedoch wenn er an Ritchie übergibt wird es echt böse. Es grummelt und dröhnt an jeder Ecke. Der Maestro pflegt gelegentlich die ein oder andere Gitarre auf der Bühne zu killen. So hört es sich an, wenn das Instrument zum Streben vorbereitet wird. Ob es hier tatsächlich den Meuchelmord zu erleben gibt hört man nicht genau. Ich denke nicht. Trotzdem einfach toll das Ganze.

 

Die fünfte Seite der Veröffentlichung beginnt mit der Zugabe. "Black Night" als Gassenhauer und Single-Hit war schon öfters der Rausschmeißer. Hier eröffnet das Teil die Zugaben. Die Halle tobt und die Band gibt Zunder. Ritchie’s Gitarre tönt böse aus den Boxen. Die Orgel macht Druck. Hübsch sind hier die Einbindungen zum Ende hin. Ian heizt zum Schluss alle nochmal an. 

 

Nach einer erneuten Pause ist die Bühne bereit für die Hymne selbst. "Smoke On The Water" ist bei weitem nicht Ritchie‘s Liebling. Zu oft verlangt und zu oft gespielt. Der Fan will das Teil halt hören. Im Grunde ist es Ian‘s Idee die Situation im Montreux zu beschreiben. Ritchie hatte halt ein Riff übrig. In dieser Version hören wir noch ein komplettes Musikstück ohne Unterbrechung von Text und anderen Bestandteilen.

 

Die letzte Seite startet mit "Speed King". Wieder geht es jedoch total ab. Auch diese Nummer wirkt frisch und kompetent. Mit einer Menge Druck schiebt die Formation das Teil über die Bühne. 

 

Mit "Call Of The Wild" hört man im Anschluss einen selten live gespielten Song. Auf der Bühne ist die DNA des Titels eindeutig der Band zuzuordnen. Einfach schick schmiegt sich das Teil in die Präsentation. Es passt ganz gut, dass sich daraus "Woman From Tokyo" entwickelt. Nach dessen Ende werden die Massen endgültig verabschiedet. Die Nadel gerät in Zentrumsnähe der sich drehenden Scheibe. Die Dreifach-LP ist gehört. Das Teil gab es auch als Doppel-CD.

 

Wenn man sich die inoffizielle Veröffentlichung anhört erkennt man schnell die nicht besonders gute Soundqualität. Im Grunde kann man es ertragen. Kennt man sich ein wenig mit digitaler Soundbearbeitung aus kann man die digitalisierte Aufnahmen mit ein wenig Mühe erheblich verbessern. Die Stereobreite ein wenig bearbeitet und mit Hilfe von Filtern lässt sich die Musik durchaus genießen. 

 

Ob man nun eine Version eines Konzertes hier hört oder eine Mischung aus mehreren ist nicht eindeutig geklärt. Die große Menge an Zugaben jedoch erweckt den Eindruck, dass es verschiedene Zugaben von verschiedenen Abenden sind. Was spielt das auch für eine Rolle. Über zwei Stunden beste Purple-Live-Mucke, wen interessiert da dann noch genau woher diese vielen Zugaben kamen. Ich gehe davon aus sie wurden an diesen drei Tagen abgeliefert. 

 

Ist der Sound auch nicht besonders so hört man hier den Start in eine neue Tournee. Eine Serie von Auftritten an deren Ende dann der Abgang vom Herrn Gillan steht. Im übrigen ist es einer der besseren Mitschnitte der Band aus dieser Zeit mit einem vollständig erhaltenen Programmablauf. Das offizielle Live-Album der Besetzung NOBODY IS PERFECT zählt hier leider nicht, da es stümperhaft zusammengestellt ist und im Grunde als Best-Of-Album zu verstehen ist. 

 

Auch wenn sich einige Defizite (Schnitt und Ton) beim Hören des Albums eröffnen, so bleibt es dennoch ein Weg die Konzerte dieser Zeit in erträglicher Qualität nach zu verfolgen. Hier sind die Anzeichen des Zwistes noch gering, haben die Beteiligten noch Spaß aneinander. Für einen Fan ganz sicher ein Grund Zeit zu opfern um sich das auf dem Medium festgehaltene Material zurecht zu biegen und anzuhören.

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