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BOMBAY CALLING -Deep Purple

Deep Purple gibt sich nicht auf und erfindet sich neu

Anfang März 1995 trat die Band mit dem neuen Gitarristen und neuem Material vor ein kleineres Publikum in Florida auf. Es galt nun zu schauen ob es mit einem Amerikaner in der Band klappt. Danach buchte man eine kurze eine kurze Tour. Man wollte sehen ob der neue Mann auch von dem internationalen Publikum anerkannt wird. Hierzu ging man kein Risiko ein und spielte in Ländern, in welchen man zuvor noch nicht war.

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Diese Reise begann am 18. und 19. März mit zwei Konzerten in Seoul (Südkorea). Weiter führte es die Band ab dem 22.03. nach Südafrika. Schließlich endetet die Reise mit zwei Konzerten in Indien.

Das vorletzte Konzerte dieser Tour wurde in guter Qualität aufgezeichnet. Am 08.04.1995 schnitt das indische Fernsehen einen Auftritt der nun neuen Deep Purple mit. Vorgeschaltet wurden Interviews aus der Pressekonferenz. Im Hintergrund der Ausführungen des Herrn Morse wird das Konzert hineingemischt.

 

So wird man in das startende "Fireball“ eingeblendet. Schon hier hört man deutlich Druck. Allein die tollen Drums. Die Band war positiv und das konnte man schon jetzt hören. 

 

Als zweiter Song kommt dann das selten gespielte "Maybe Im A Leo" zu Live-Ehren. Steve Morse klingt selbstverständlich anders. Der Song wird anders als im Original auf der Gitarre begleitet. Aber gerade hier stellt er sich voll und ganz in den Dienst der Band. Ganz sicher  war er noch neu in der Band und hatte bei so manchen Titel noch etwas Mühe sich einzufinden.

 

Besonders bei "Black Night" war ihm das anzumerken. Er versucht noch sich anzupassen. Man hat den Eindruck er hat hier noch Mühe mit dem Riff. So wie er es zu anfangs betonte hatte er jedoch nie die Absicht Ritchie zu kopieren.

 

Das wird auch beim Titelsong des letzten Albums deutlich. "The Battle Rage On" ist wesentlich entspannter in der Ausführung.  Der Song hört sich im Grunde nicht so druckvoll an wie mit Ritchie. 

 

"Woman From Tokyo" hingegen kommt locker und leicht daher. Hier hört sich der Herr Morse deutlich lebendiger an. er spielt beherzt und begleitet die Band und den Sänger. 

 

Wie inspirierend diese ganze Sache mit dem Neubeginn für alle damals gewesen sein muss zeigt sicher auch die Tatsache, dass hier bei diesem Auftritt schon eine frühe Version des Songs "Purpendicular Waltz" zu hören ist. Dieser erschien erst im Februar des nächsten Jahres mit dem Album PURPENDICULAR. Der Song wirkt schon fertig. Trotzdem kann man durchaus sagen, dass dieser Song - wie einst auch "Child In Time" - live vor Publikum erprobt wurde. 

 

Leider wurden Anfang März noch zwei weitere Neuwerke des neuen Albums aufgeführt. "Vanvoom: Ted The Mechanic“ und "Soon Forgotten“ verloren sich jedoch im verlaufe der kurzen Konzertreise.

 

Natürlich gab es auch das zerbrechliche "When A Blind Man Cries". Steve Morse spielt das Teil wirklich toll und man vermisst hier den Hexer in Schwarz nicht wirklich. 

 

"Perfect Strangers" darf natürlich nicht fehlen. Auch hier hört man den Song in einer guten Version. Auch "Pictures Of Home" hört der geneigte Fan wieder. Auch hier gibt der Gitarrist wieder ein gutes Bild ab. Der Song wirkt frisch und unverbraucht. 

 

Was bei "Child In Time" durchaus spürbar war, war das Bestreben des Hern Morse hier - über den Namen Blackmore hinweg - zu einer neuen Identität zu finden. Das was er hier zu Werke bringt ist echt beachtlich. Wieder spielt er hart am Original, jedoch mit seiner eigenen Prägung. Trotz der geschwächten Gesangsleistung vom Herrn Gillan ein absoluter Höhepunkt. 

 

Auch beim Lieblingskind des Man in Black gibt es deutliche Unterschiede im Spiel mit den sechs Saiten. Viele Puristen monieren das noch heute. Ich finde das nicht ganz so in die Länge gezogene "Anya" trotzdem gelungen. Hier hört man schon sehr deutlich den Stil des neuen Mannes an der Gitarre.

 

Kurz wird wird "Space Truckin'" angespielt, dann gibt der neue Gitarrist sein Solo. Steve Morse solierte (hier vielleicht noch etwas hölzern vielleicht) dreieinhalb Minuten und ließ aufhorchen. 

 

Aus dem Solo erwächst dann "Lazy". Ich liebe das Stück und finde auch diese Interpretation nicht schlecht. Das im Song eingebetteten Drumsolo ist ein schönes Beispiel für die neue Intensität der Band. Ian Paice trommelt als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her. 

 

Auch "Speed King" eilt im neuen Gewandt herbei. Immer unterstützt durch einen unaufgeregt am Bass zupfenden Roger Glover. Schön wechselt sich Jon mit Steve ab. 

 

Mit "Highway Star" geht es in die Verlängerung. Auch hier liefert die Band ab. Steve spielt den Song wirklich nicht schlecht. Mit "Smoke On The Water" endet sozusagen der sehr gut konservierte Neustart einer Legende. 

 

Was hier nur im Ansatz erkennbar ist, ist die Tatsache, dass der Herr Morse keine Angst vor dem Vermächtnis des Herrn Blackmore hatte. Er spielte frei und in den durch die Grenzen der Stücke gegebenen Möglichkeiten und war nicht ein Abziehbild der Black-Gitarre. Das hieraus ersichtliche Selbstverständnis des Herrn Morse ist das eigentlich besondere an diesem Mitschnitt. Er spielte nicht wie der übergroße Vorgänger, nein er trieb seine eigenen Riffs, spielte eigene Parts, versteckte sich nicht. Schon zu Beginn des Videos erzählt er davon, dass es nicht darum ginge den Herrn Blackmore zu ersetzen.

 

Der Rest der Band lieferte ebenfalls eine echt gute Leistung ab. Allen voran der wieder erstarkte (stimmlich leicht vergrämte) Ian Gillan. Er brauchte nun nicht mehr mit Ritchie um den Vorrang in der Band zu kämpfen. Irgendwie wirkte die Band leichter und freier. Hier waren keine Zwistigkeiten im Wege, gab es keinen Kinderkram, gab es keine sinnlosen Hassattacken zwischen ihm und dem Man mit dem bösen Blick. Von nun an galt es wieder eine Einheit abzubilden, ein großes Ganzes, welches sich auf der Bühne nicht stritt. Zugegeben in manchen Situationen war es auch künstlerisch notwendig, öfters verhinderte es aber auch gute Konzerte. Einzig Jon Lord hielt sich hier bei diesem Konzert ein wenig zurück. Sicher ging es hier ja auch um die Präsentation des Herrn Morse.

 

Abschließend kann man getrost behaupten, dass dieses Live-Dokument sicher nicht das beste Konzert dieser Band einfängt. Es ist eine Konservierung eines Neuanfanges in wirklich gutem Klang. Hier sind die Strukturen noch rau und ungeschliffen, sind noch gewisse Leerräume in der Instrumentierung zu erkennen. Eines aber kommt hier klar zum Vorschein; Deep Purple gibt sich nach dem 

Weggang vom Herrn Blackmore nicht auf. Sie haben eine Zukunft und das werden sie noch beweisen.

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