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AUSTRALASIAN TOUR 2001 - Deep Purple

The Soundboard Series

Am 04. März 2001 spielte Deep Purple beim Formel 1 Grand Prix in Melbourne. Von hier aus startete die Band ihre Australien-Tour. Über Perth und Adelaide gelangte man schließlich am 09.03. zurück nach Melbourne. Hier spielten sie schließlich in der Rod Laver Arena. Dieses Konzert wurde mitgeschnitten.

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Auch die übernächste Show am 13.03. im WIN Entertainment Centre Wollongong erfuhr eine Konservierung. Einen Tag später erfreuten sie die Fans im Newcastle Entertainment Centre. Wieder wurde der Abend aufgezeichnet. Nach der letzten Show am 15. März in Brisbane (nicht verewigt) verabschiedeten sie sich vom australischen Kontinent.

Nach einem kleinen auch nicht aufgezeichneten Zwischenstopp in Kuala Lumpur besuchten sie ihre Fans in Hong Kong. Am 20.03. rockten sie das Coliseum Kowloon. Auch dieser Abend blieb erhalten. Das Label Thames Thompson erkannte die außergewöhnliche klangliche Brillanz der Soundboard-Mitschnitte und fasste diese Auftritte dann als Bootleg-Bandle zusammen.

 

Sie taten noch die beiden Auftritte in Tokyo hinzu, bei welchem die Band das CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA zum Besten gab. Beide Konzerte am 24. und 25. März erhielten jeweils separate Veröffentlichungen in diesem Rahmen. Das Label verknappte die Anzahl der Veröffentlichungen und schuf so eine bald nicht mehr zu erhaltende Ware.

 

Deep Purple wechselte 2013 das Label. Warum sollte man die wirklich guten Aufnahmen in der Versenkung belassen. Man kann doch Geld an denen verdienen, welche die Box vom freundlichen Mitbewerber (hier Thames Thompson) nicht erhalten haben oder nicht mehr konnten. So wurden schließlich die Aufzeichnung des Konzertes am 14.03.01 in Newcastle (2021) und jenen Auftritt vom 13.03.01 Wollongong im Jahre 2002 nochmals durch die Registrierkassen der Händler geschleust. In gleicher Art veröffentlichte man 2022 auch einen Zusammenschnitt beider Events in Tokyo 2001 zu Lord‘s CONCERTO auf einer Doppel-CD. 

 

Die beiden Tokyo-Auftritte mit großem Orchester habe ich schon als Bestandteil der CONCERTO-TOUR der Jahre 2000 und 2021 besprochen. Hier geht es in erster Linie um die umfangreiche Dokumentation der Rock-Auftritte der Band im Umfeld der Australien-Tour 2001. 

 

Wer in der glücklichen Lage ist sich alle vier Rock-Mitschnitte der Band anzuhören,  der stellt schnell fest, dass diese Band längst nicht mehr das altmodische Jam-Monster von einst war. Die früheren Ausflüge in die nähere und ältere Vergangenheit beschränken sich hier im Aufspielen alter Songs. Die längeren und oftmals so tragenden Solo-Beiträge sind Geschichte. Wenn Herr Gillan nicht mal den Text leicht ändert und Jon mal tiefer in die Tasten greift hat man kurz das Gefühl der alten Band. Ansonsten ähneln sich die Aufzeichnungen doch sehr. 

 

Die Philosophie der Band änderte sich halt. Improvisiert wird immer noch. Die freieren Bestandteile werden in die Songs eingearbeitet. Man muss genauer hinhören. So kommt es vor, dass sich die Zeiten der Songs bisweilen sehr auffällig gleichen. Einzig das von ABANDON stammende "69" macht hier den Unterschied. Noch eine Unterscheidung kann man treffen. Am 13. und 14. März hört man Gastmusiker bei drei Titeln. 

 

Doch was hört man nun auf diesen Aufnahmen. Wir vernehmen eine leicht geänderte Live-Version vom Jahr zuvor. Ian klingt bei allen Auftritten echt cool. Die Solos werden auf ein Minimum reduziert. Improvisation gibt es merklich nur abgesprochen beim Song "Speed King".

 

Schon der Start der Konzerte mit "Woman From Tokyo" wirkt wie ein misslungener Beginn. Der Titel ist als Blues im Grunde zu langsam. Mit den Drums leitete man den Abend also eher ruhig ein. 

 

Wirklich besser wird es bei "Ted The Mechanic". Hier langt die Band so richtig hin. Breit und fett hämmert die Mucke aus den Verstärkern. Unterhaltung pur auch durch die Unterstützung von Backround-Sängerinnen und Bläsern in Melbourne. Die anderen Mitschnitte kommen ohne diese Unterstützung aus. 

 

"Mary Long" ist richtig alt. Who Do We Think We Are ist seinerzeit nie so richtig von der Band beachtet worden. Blackmore war gedanklich weit weg und Ian Gillan mit Roger Glover längst durch den ewig Grimmigen zumindest gedanklich längst Geschichte. Hier wirkt das Teil lebendig. 

 

Mit "Lazy" muss man sich nicht erst langsam anfreunden. Das Teil reißt mit und wenn der Griffbrettverwalter erst am Instrument zieht ist es eh zu spät. Die Beine bewegen sich der Kopf wackelt. Orgel, Bass, Gitarre und Drums. Wer braucht da Gesang (auch wenn er stark ausfällt). Die Mundharmonika bringt Blues-Feeling in das Ding. Botschaft verstanden. 

 

Auch "No One Came" ist schon recht alt. Als letzter Beitrag vom FIREBALL-Album hat es seinen Charme nicht verloren. Wieder hören wir eine tolle Interpretation auf allen Mitschnitten. 

 

Genauso verhält es sich mit dem Single-Hit "Black Night". Natürlich hat sich das damals anders angehört. Auch sind die kleinen Duelle vom Tastenmann und dem Gitarristen abgesprochen. 

 

Vom 1998 erschienen Album stammt "Sometimes I Feel Like Screaming". So lange ist es schon her, dass diese Band ihr letztes Studiowerk herausbrachte. Drei Jahre und immer noch tourte man mit dem Material. Dem Gesang hört man das nicht an. Der überaus gute Klang auf allen Mitschnitten überzeugt den Hörer. 

 

Ebenfalls von dieser Scheibe stammt "69". Das Teil ist nur in Melbourne zu hören. Wenn ich die im Internet verfügbare Literatur richtig deute ist das auch tatsächlich so gewesen. Das ist sehr bedauerlich, da sich hier doch schöne Rückblicke auf das Leben der Mitglieder der Band verstecken. Hier improvisieren Jon und Steve ein wenig. Schade dass diese freie Spielweise mit der Zeit etwas verloren ging. 

 

In allen anderen Aufnahmen sucht Steve nach der Ballade vom Album ABANDON mal mehr und mal weniger lange nach dem richtigen Riff. Ein lustiger und humorvoller Einwurf bevor "Smoke On The Water" den Weg aus den Boxen findet. Zum Ruhme aller ist die Zerstücklungs-Phase vergessen. Vom Start an kann man wieder dem Geschehen folgen. Bis zum Ende des Songs eine Erholung für Geist und Seele. 

 

Mit der ungewohnt zahmen Ausleitung beginnt Jon in die Tasten zu greifen. Ganz im Sinne der Zeit hinterlässt er nur kurze Zeit ein Lachen in den Herzen der Zuhörer. Zu früh beginnt "Perfect Strangers". Routiniert schaufelt die Band an jedem Abend das Teil zum Publikum. 

 

Mit "Hey Cisco" dürfen sich die Bläser in Melbourne wieder dem Klangbild zufügen. An den restlichen drei Abenden sind sie nicht auf den Aufzeichnungen. Der Song kommt immer cool rüber und ist mittlerweile ein wirklich starker Purple-Song. 

 

"When A Blind Man Cries" ist seit gut einem Jahr wieder Bestandteil der Abende. Wie immer klingt die Band erstklassig und zeigt eine tolle Leistung. Ruhig und gelassen nehme sich alle zurück. 

 

Ritchie hätte bei dieser Interpretation von "Fools" schon nach dem ersten Abschnitt die Stromleitungen gekappt. Steve ist ein wirklich starker Instrumentalist. Er hat viele Preise gewonnen, wird zu den besten Gitarristen der Welt gezählt. Mit diesem Titel hier gehen die Band und er ein großes Risiko ein. Und sie schaffen es nicht diesen Song in geeigneter Art durch die Verstärker zu lotsen. Steve ist zu sehr er selbst, das ist sein Dilemma. 

 

Mit der einzigen echten Jam-Nummer endet das offizielle Angebot. "Speed King" dient schon seit einiger Zeit als Ersatz für die Reise zu den Sternen. Trotz dem bisweilen schmerzlich empfundenen Unvermögen des Gitarristen Töne einfach so aus seinem Instrument zu leiten, hören wir hier schicke Mucke. Alle Mitglieder dürfen kurz mal zeigen was in ihnen steckt. Auch der bekannte Trommler darf in die Felle schlagen. Ian‘s Gesangseinlagen beenden das Unterfangen. Am 13. und 14. März schmettert der in Australien sehr bekannte Jimmy Barnes seine Stimme zusammen mit dem Herrn Gillan durch die Verstärker. 

 

Die Fans in der Halle haben die Chance auf eine Fortsetzung. Diese bekommen sie auch immer brav. Ihnen wird als erste Zugabe der erste Hit der Band angeboten. Junge ist das lange her. 1968 erschien auf dem Album Shades Of Deep Purple "Hush". Ian stieß ein Jahr später zur Band. Immer und immer wieder musste er das Teil singen. Seit der Réunion ist die einstige Abneigung vergessen. 

 

Gekonnt wickelt die Band noch "Highway Star" ab. Druckvoll werden die Anwesenden aus der Halle gescheucht. Am 14. März darf sich Jimmy Barnes noch mal mit auf die Bühne bewegen. Auch der australische Sänger und Gitarrist Ian Moss darf mit dieser Band präsentieren. 

 

Das ganze Konzept der einstigen Bootleg-Veröffentlichung ist stimmig. Die Band zeigt mit den verschiedenen Auftritten ihr Live-Potential. Was jedoch nicht so toll erscheint ist die Tatsache, dass die unterschiedlichen Mitschnitte zum größten Teil gleich erscheinen. Hört man einige der Auftritte hintereinander so bemerkt man bald nicht mehr welches Konzert man hört. Die vielen Auftritte und das Streben nach Perfektion führt dazu, dass sich die Shows angleichen. Die Musik wird immer gleichmäßiger. Das individuelle Gefühl der Einzigartigkeit bleibt auf der Strecke. 

 

So ist es auch nicht schlimm, wenn man anstatt der Box nur die 2021 und 2022 vertriebenen Einzelexemplare hat. Nur absolute Sammler und vernarrte Fans wie  ich legen schließlich deutlichen Wert auf die Authentizität des einzelnen Tages. 

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