BANANAS - Deep Purple
Kein Deep Purple Album von der Stange
Im Januar und Februar 2003 wurde das erste Deep Purple Album ohne Jon Lord aufgenommen. Wieder mussten sich die Fans von einem Urgestein verabschieden. Konnte der neue Tastenmann dem kritischem Publikum gefallen?

Während einer Tour im Jahr davor wurde dieser live präsentiert. Da Deep Purple mittlerweile wie echte Freunde agierten gaben sie sogar Jon Lord die Gelegenheit sich bei diesen Auftritten zu verabschieden und Don Airey vorzustellen.
Dem geneigten Hörer war der Herr Airey gewiss bekannt. Er spielte mit Rainbow, mit Gary Moore, mit Colosseum II, Black Sabbath, Ozzy Osbourne... Er musizierte mit Whitesnake, mit Michael Schenker, mit Brian May und vielen weiteren mehr. Ein guter Ersatz; selbst von Jon vorgeschlagen.
Produziert wurde mit Michael Bradford (einem Freund Gillan‘s). Für mich als Fan kein guter Mann für die Band. Unter seiner Führung erzog er die Band zu einer neuerer Variante. Sie klang nun deutlich mehr nach Mainstream als je zuvor. Auch das Album danach RAPTURE OF THE DEEP wurde in diesem Stiel gefertigt.
Was man zu hören bekam waren immer noch Deep Purple, jedoch wirkten sie gezähmt, irgendwie gealtert, nicht mehr so hard.
"House of Pain" ist noch ein solider Rocker, der sich als Start-Song eher schleppt. Im Grunde hört man hier einen echten Purple-Song mit echtem Potential für mehr. Solide Arbeit. Die Melodie ist einprägsam, Ian singt echt gut. Schade dass dem Titel kein sauberes Ende geschenkt wurde. Es verschwindet im Mischpult.
Weiter geht es mit "Sun Goes Down". Auch hier purpelt es gewaltig. Schwer im Rhythmus gefangen entfaltet sich ein schicker Song mit tollen Solos.
Mit "Haunted" hören wir eine Ballade. Stromlinienförmig wird sich ins Ohr geschmeichelt. Dutzendware, welche es auch von anderen Bands immer mal wieder hört.
Bis zum vierten Titel schleppt sich das Album. "Razzle Dazzle" reißt den Gejagten vom Song zuvor aus dem Jammertal. Ein wirklich cooles Stück Musik. Es pulsiert an jeder Ecke. Für vier Minuten einfach zu schade. Und wieder versteckt man das Ende im Mischpult. Warum rumpelt hier nicht Mal das Schlagzeug zum Ende?
Durch "Silver Tongue" hingegen wird man dann versöhnt. Hier hört man den Einfluss des neuen Keyboarders richtig gut. Gerade hier wird es modern und leicht. Don befürwortet einen moderneren Klang und bringt hier mehr elektronische Klänge ins Spiel. Das wirkt erfrischend. Klasse das gefällt.
Danach geht es weiter mit einer Orgel-Klang-Einführung von ihm. "Walk On" ist wieder so ein durch Bradford beeinflusstes Stück. Blues gehört zur Bandgeschichte, keine Frage. Aber wieder greift es nicht; läuft ins Leere (zu glatt gebügelt und zu brav?). Wenigstens hören wir ein ausgestaltetes Ende.
Das Album ist ein Neuanfang ohne Jon. Zwei Stücke hatte er noch mit komponiert. "Picture of Innocence" ist einer von diesen. Ein echter Höhepunkt. Power und ein toller Refrain bilden so einen starken Song mit coolem Ende.
Die zweite Nummer von Jon ist "I Got Your Number". Auch dieses Stück lebt. Hier wird gerockt. Hier hört man die DNA der Band. Steve spielt hier wirklich toll. Ab der Mitte geht es dann in die vollen. Eine Super-Mucke und nicht eine Minute langweilig.
Danach wird es wieder zäh. "Never A Word" ist eine kleine Nummer, welche so schnell verklungen ist, wie sie vorüber ist. Ein Füllstück quasi.
Mit dem Titelsong geht es weiter. Auch hier hört man die Freude am Spiel der Band, hört man den Rock im Blut der Beteiligten. "Bananas" ist schlau gestaltet. Einen guten Text gibt es gratis obendrauf. Knackig und auf den Punkt gebracht.
"Doing It Tonigth" ist eine Rocknummer. Sie reißt mit und bewegt mit einer wirklich schönen Melodie. Eine starke Leistung der Band. Hier fühlt man sich unterhalten. Man hat Spaß.
Mit dem kurzen Instrumental "Contact Lost" gedenkt man der verstorbenen Besatzung der Columbia (2003). Das Raumfähre stürzte ab beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ab und sieben Besatzungsmitglieder (darunter auch eine Lehrerin) kamen ums Leben. Der Kontakt mit der Bodenstation brach ab und man konnte nur noch Trümmer bergen.
Das Album höre ich mir immer noch gern an. Ich finde es besser als das Werk danach. Es ist in sich schlüssig und die Leistungen der Musiker sind einfach toll. Hard-Rock war das jedoch nur teilweise. Die Melodien sind größtenteils einprägsam und die Band wirkt geschlossen. So richtig jedoch zündet das Feuer nur bescheiden.
Zu sehr vermisst der Fan die Härte (vor allem nach dem Album davor). Vier Sterne gibt es zwar auf Grund des Titelsongs und einiger wirklich guten Rocknummern. Der an sich sehr weich gespülte Ansatz enttäuscht jedoch.
Der Großteil der Songs verschwinden einfach in den Reglern. Ganz sicher ist es nicht einfach jedem Titel ein tolles Ende zu verpassen. Viele der Songs permanent nieder zu regeln ist einfach und wirkt auf den Hörer fantasielos. Das konnte die Band besser. PURPENDICULAR zum Beispiel war das deutlich anders.


