LIVE AT MONTREUX 2004 & AT MOLSON 2005 - Deep Purple
Keine wirklich großen Momente
Im Oktober 2003 erschien das erste Deep Purple-Album ohne Jon Lord. Die Tour zum Album BANANAS begann schon im September 2003. Sie dauerte bis zum August 2005. Wie immer trieb es die Band heftig. Man tourte durch die ganze Welt. Begann man einst die Konzerte noch mit "Highway Star" so wurde das Programm auf der Bühne erneut umgestellt. Als Opener verwendete die Band schon in der Vergangenheit moderne Stücken.

Diese Konzerte waren anders. Sie sind gewiss nichts besonderes jedoch sind sie in ihrer Kürze bemerkenswert. Wenn der geneigte Fan diese Phase der Band verinnerlichen möchte hat er neben verschiedenen Bootlegs ganz sicher zwei ganz gute Sonderlinge zur Wahl. Einer der verfügbaren Bootlegs wurde während eines Auftritts in Montreux am 04.07.2004 mitgeschnitten. Dazu komme ich gleich. Das andere verfügbare Konzert wurde ein Jahr später in Toronto am 18.06.2005 aufgenommen. Zum Mitschnitt im Molson Amphitheater ist nicht viel bekannt.
Der deutlich besser klingende Abend im Auditorium Stravinsky von 2004 soll Gegenstand dieses Textes werden. Hier trat die Band in guter Laune vor ein erwartungsvolles Publikum. Es existiert auch ein Video. Ich gehe davon aus, dass der Abend fürs Fernsehen aufgenommen wurde. Calaveras Records brachte 2004 die Musik auf CD‘s.
Seit dem Start der Tour 2004 begannen sie jeden Abend mit "Silver Tongue". Das Stück vom aktuellen Album blieb bis Ende Juli 2005 an dieser Stelle. Nachdem sie vom Sprecher beim Jazz-Festival angekündigt werden beginnen alle Beteiligte gemächlich mit diesem Stück. Es fühlt sich echt ungewöhnlich und auch seltsam an. Insgesamt keine wirkliche Ruhmestat und abgesehen von einigen Schicken Einlagen der Orgel bleibt nicht viel zurück.
Mit "Woman From Tokyo" geht es weiter. Ohne Pause und Ansprache leitet Steve das Teil ein. Die Jungs sind echte Profis und spielen das Stück meisterlich. Ian ist bei Stimme und gibt den Shooter. Auch hier werden die Töne zielsicher ans Volk weitergegeben.
"I´ve Got The Number" wurde noch mit Jon live erprobt. Diese wirkliche starke Nummer gehört zu den Höhepunkten des aktuellen Albums. Vielleicht nicht ganz so druckvoll wie im Studio verdrängen die Musiker die Luft vor den Membranen. Immer mit Backround verstärkt durch die anderen Beteiligten breitet sich Spielfreude auf der Bühne aus. Die immer wieder neuen Temposprünge peppen das Werk echt auf. Eine echt coole Band-Shuffle entwickelt sich. Trotz der über sechs Minuten hofft man auf mehr.
Viel zu früh beginnt "Strange Kind Of Woman“ in Montreux hinter "I´ve Got The Number". In Toronto wird er davor zum Besten gegeben. Ganz sicher haben wir den Song schon tausendmal gehört. Ian Gillan singt mit Spaß und hält das Teil am Laufen. Ist Steve erst dran, folgt man seiner Gitarre. Schließlich übernimmt Don. Alles schon gehört und irgendwie bekannt. Das Finale ist kurz und schnörkellos.
Im Jahr 2004 macht die Band in Montreux ein weiteres Mal Werbung fürs noch neue Werk. Ein Jahr später fällt dieser Song aus. Als Titelsong ist die Verneigung vor den Banana-People durchaus geeignet. "Bananas" drückt sich fett aus den Boxen der Halle. Mit tollem Text führt man all jene Fans ins neue Werk, welche das Album noch nicht hatten. In Toronto gut ein Jahr danach fällt dieser Song weg.
"Knocking At The Back Door" wird auch nur 2004 gespielt. Es stammt vom Réunion-Album 1984. Dort war es ganz sicher ein Höhepunkt. Hier in Montreux wird es ohne große Attitüde über die Zeit gebracht.
Dann wird es interessant. Einst ging "Demon´s Eye" auf FIREBALL fast schon ein wenig unter. Das ist sehr schade. An jenen Abenden will man dieses Schicksal korrigieren. Das Teil passt breit und fett auf die Bretter am vorderen Ende des Saales. Ian‘s Stimme präsentiert sich erstklassig. Seine Lieblingsballade "When A Blind Man Cries" hat für diese Tour ausgedient.
Die traurige Geschichte des nächsten Instrumentals wird durch Ian selbst erzählt. Die Crew der Raumfähre Columbia verunglückte bei der Landung. STS-107 zerbrach am 01.Februar 2003. Steve komponierte diesen Song.
Danach startet er sein Solo. "The Well-Dressed Guitar" rundet den instrumentalen Part toll ab. Wenn man gut hinhört erfährt man, warum der Typ so viele Preise bekam. Die Mitglieder der Band fanden einst, dass an ihm kein Weg vorbei führt, wenn sie weitermachen. Und sie hatten Recht damit.
Steve übergibt an Don Airey. Der ist schon seit gut zwei Jahren bei dieser Band. Erst nur als Vertretung für Jon Lord. Später empfahl ihn der Maestro persönlich. Herr Airey hat mit so vielen Bands schon Songs verfeinert, dass er sich fast in den vorzeitigen Ruhestand begeben wollte. Gott sei Dank hat er es sich anders überlegt. Er ist hier längst nicht mehr nur die Vertretung. Vollwertig und selbstbewusst spielt er sich in die Herzen der Fans.
Bis er schließlich in den Titelsong vom Album des Jahres 1984 einsteigt. "Perfect Strangers" klingt auch in dieser Version frisch. Steve treibt das Teil ganz ordentlich. Ian singt es ganz gut.
Mit "Highway Star" begann einst so mancher Abend stürmisch. Nun leitet Steve mit einer tollen Improvisation diesen letzten Teil des Konzertes ein. An dieser Stelle wurde einst deutlich mehr auf das Musikerherz gehört. Mittlerweile dürfen wir hier nur noch eine Abfolge von Alt-Songs lauschen.
Klar gelingt auch "Space Truckin‘". Es ist wie schon der Song zuvor leider nur zu kurz geraten. Beide Stücke werden sicher mit Liebe und auch der gebotenen Härte ans Auditorium weitergeleitet, reicht es jedoch? Ich finde diese Art der Interpretation eher mäßig. Sicher wippt der geneigte Fan mit den Füßen und neigt den Kopf. Erinnerung werden wach und verselbstständigen sich in der Ausdrucksart. Von Bands dieses Kalibers verlange ich jedoch mehr.
Wenn Steve nach Noten sucht wird es interessant. In Montreux zeigen Steve und die Band durchaus, dass sie auch jazzen können. Wunderschön erweist man so mit dem Gitarristen im Vordergrund dieser Veranstaltung Respekt. Wenn "Smoke On The Water" ertönt wird es euphorisch. Die Fans johlen, die Band kocht und der Sänger fordert zum Mitsingen auf. Nach dem Löschen des Feuers, der Flucht und dem Neuanfang im Keller eines leeren Hotels ist das offizielle Ende des Abend erreicht. In Toronto beteiligt sich Leslie West (Mountain) am Song. Bestenfalls ist das eine Randnotiz im ansonsten farblosen Mitschnitt.
Die Fans wollen ganz sicher mehr. Das bringen sie deutlich zum Ausdruck. Das Flehen freut auch die Musiker. Sie kehren für "Hush" in Montreux zurück auf die Bühne. Hübsch gestaltet man den ersten Teil der Zugabe aus. Roger darf mit einem coolen Solo dann den Rausschmeißer ankündigen. Zusammen mit Ian intoniert man den aus dem Jahre 1960 stammenden Song "Hit the Road Jack" (Ray Charles).
Mit der damals unbeliebten Single gelang der Band 1970 ein Hit. Bis heute wird der Takt immer noch von den Fans gegrölt. Ein Song wie ein Hammer. Nichts kann diesem Teil den Gar ausmachen. Für alle Ewigkeit eine Hymne. Nach dem Ende werden die Fans dann in eben diese dunkle Nacht hinauskomplimentiert.
Ein Jahr später beginnt man die Auskehr-Aktion mit „Lazy“. Das gelingt und auf der Bühne fliegen die Fetzen. Einfach schick das Ganze und auch in einer akzeptablen Länge.
Hier komplementiert die Band mit "Hush" die Fans aus der Halle. Viel zu schnell sind die Mini-Solos des Schlagzeugers und des Bassisten. Der Abend endet, die Eintrittsgelder sind abgegolten. Der geneigte Fan kann nach hause gehen.
Die Aufzeichnung vom Jazz-Festival und auch jene aus Toronto ein Jahr später sind Zeitzeugen einer Zeit der Zurückhaltung. Die Band mutierte zum braven Hit-Lieferanten. Die Konzerte waren kurz und im Grunde nicht einer Erwähnung wert. Die Zusammenstellung der Song jedoch war außergewöhnlich. Sicher sind die verfügbaren Mitschnitte nicht gerade in toller Qualität verfügbar. Mit ein wenig Arbeit jedoch lässt sich die Band im Auditorium Stravinsky gut genießen.


