
DEEP PURPLE WITH ORCHESTRA 2011 - Deep Purple
Orchestrale Meisterleistung
Am 03.06.2011 begann im Casino Rama in Ontario eine besondere Tour. Unter dem vielsagendem Titel "The Songs That Built Rock!" Tourte die Band erneut mit einem Orchester. Zusammen mit der Neuen Philharmonie Frankfurt unter der Leitung von Steve Bentley-Klein (auch als Solo-Violinist) ließ man sich wieder auf diese Abenteuer ein. Doch bei dieser Konzert stand nicht Jon‘s "Orchestra For Group An Orchestra" im Mittelpunkt wie einst 2001 in Tokyo.
Die Zeiten ändern sich. Jon war längst auf Solo-Pfaden unterwegs. Ab und zu traf man sich auch mal auf der Bühne. Auch am 08.07.2011 war das so als man sich in der altehrwürdigen Royal Albert Hall traf. Jackie Peace veranstaltete den jährliche "The Sunflower Jam". Deep Purple waren selbstverständlich dabei.
Doch zurück zur Orchestra-Tour 2011. Diese war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Ein totaler Erfolg. Über die ganze Welt trug es die Band. Die Tour wurde verlängert und lief schließlich am 10. Dezember 2012 aus. Bei zwei Auftritten wurde die Band aufgenommen.
Am 16.07.2011 trat Deep Purple, quasi schon als Stammgast, beim internationalen Jazz Festival in Montreux auf. Auf den unterschiedlichsten Videoformaten kann man diese in der Stravinski Hall die Show nachverfolgen. Zwei Tage später unterhielten sie die Fans in der großartigen Kulisse der Arena di Verona. In dieser zauberhaften Umgebung nutzen sie die Chance ihr Publikum erneut zu verzaubern. Auch dieses Video wurde auf vielen Medien drei Jahre später unters Volk geworfen.
Alle Abende beginnen mit dem "Orchestral Intro". Im Grunde handelt es sich um eine jazzlastige Einführung. Am Abend in Montreux passt das einfach besser. Beide unterscheiden sich nicht. Der Klang ist jedoch am Abend in der Schweiz besser. Ich werde mich auch an diesem orientieren. Unterschiede werden später dann gesondert vermerkt.
Mit "Highway Star" steigt die Band ein. Brutal drückt sich die Orgel ins Geschehen. Neben Roger hören wir gleich Steve vor den Drums auftauchen. Druckvoll wird man in den Song gezogen. Immer wieder drückt das Orchester in das Geschen und verschafft diesen mehr Tiefe. Der große Klangkörper ist klar verständlich im Sound vertreten.
Nahtlos geht weiter mit "Hard Lovin' Man". Einer der weniger beachteten Prunkstücke der Bandgeschichte. Auf IN ROCK ging das Teil wegen der anderen Superknallern fast unter. Zu unrecht wie sich hier zeigt. Mit einer tollen Bass-Line verschlingt den Hörer der Song. Mit der großen Klangkulisse wirkt das Teil so frisch wie noch nie. Don spielt seinen Solo-Beitrag echt brutal und quicklebendig. Er improvisiert hier wirklich stark. Steve lässt sich nicht lumpen und gibt Gas. Auch wenn sein Beitrag ein wenig hinter dem der Tastenbedieners zurückzufallen scheint.
Auch "Maybe I'm A Leo" ist nicht oft live gespielt worden. MACHINE HEAD war ganz sicher ein Ausnahme-Album. Leider traf auch diesen Song ein wenig der Schatten der anderen bekannteren Titel. Hier hören wir eine tolle Live-Version. Steve spielt seinen Part hier auf die ihm zugeschriebene Weise.
"Strange Kind Of Woman" muss man nicht erklären. Es gibt unzählige Variationen davon. Unvergleichbar steht jene von Japan immer wieder ganz vorn. So viele Jahre später zündet Steve jedoch gehörig durch bis Don erwacht. Ian‘s Stimmbänder sind auch nicht mehr dieselben. Den Schlussteil gestaltet er zusammen mit dem Gitarristen ansehnlich.
Nach der Orchester-Präsentation präsentiert Ian Gillan den nächsten Song als Titelstück seines neuen Albums. Gottseidank stand nicht der gute Ritchie auf der Bühne. Das Konzert hätte der geschmissen. Nicht so der Rest der Band in dieser Besetzung. "Rapture Of The Deep" wird kräftig und schwer ans durstige Volk vor der Bühne abgedrückt.
Seit einiger Zeit ist "Woman From Tokyo" nun schon Standard. Der echt coole Blueser verschafft sich mit den ersten Tönen Platz im Gehörgang. Immer wieder drückt das Orchester ordentlich in das Soundgefüge. Das wirkt echt dynamisch und liefert so mehr Volumen. Ian singt das Teil ordentlich.
Eine traurige Geschichte verbirgt sich hinter dem Instrumental "Contact Lost". Der Verlust der Columbia wiegt schwer. Niemand hörte noch etwas nach dem die Astronauten am 1. Februar 2003 wieder in die Erdatmosphäre eindrangen. Dieses Gefühl kommt gut rüber.
Dass Ian Gillan "When A Blind Man Cries" gerne singt ist kein Geheimnis. Mit der Unterstützung der anderen Musiker hinter ihm im Orchester wirkt das Teil mächtiger denn je. Steve spielt wunderschön und er passt toll zum Hintergrund. Außergewöhnlich gut das alles.
Dann stimmt der begnadete Saitenbediener seinen eigentlichen Solo-Part an. Nicht wegen der Geschwindigkeit hebt die Halle ab. Nein seine Art die Gitarre zu überreden Töne abzugeben ist eben echt nicht zu toppen. Ein wirklich starker Musiker. Er spielt "The Well-Dressed Guitar" bei weitem nicht allein. Nein alle Anwesenden machen gemeinsam mit ihm Druck.
"Knocking At Your Back Door" ist für mich einer der besten Songs vom Réunion-Album. Das Riff ist fett, die Orgel dröhnt und das Teil schlägt wie Blei auf die Bretter des Parketts auf. Mit den äußerst druckvollen Einschüben der Kollegen hinter dem Dirigenten kommt es noch kräftiger ins Innenohr gewandert. In dieser Version der absolute Bringer.
Natürlich sticht es nie und nimmer meinen erklärten Liebling aus. Wenn sich "Lazy" aus dem Intro entwickelt, dann Freunde der gutgelagerten Mucke, brennt die Luft. Niemals vergesse ich diese tolle Musik mit dem kurzen Text. Hier und auch später noch kommt ein ungewöhnliches Instrument zu Einsatz. Steve Bentley-Klein darf hier zur Geige greifen. Er bereichert den Song mit seinem Instrument wirklich. Klassik und Rock sind sich verteufelt ähnlich. Diese klassischen Instrumente tauchen immer mal wieder in Darbietungen so mancher Rock-Band auf. Hier darf sich der Instrumentalist ausleben. Er darf sich anpassen um gemeinsam mit den Anderen abzugehen. Ungewöhnlich und schön.
"No One Came" ist ein guter Bekannter. Dieser Song wurde auch schon Live gespielt. Er bringt die Massen behutsam aus der Über-Mucke. Er beruhigt die Fans und gibt ihnen eine Bassline zum Mitklatschen. Die Band jammt noch ein Weilchen auf dem Grundrhythmus.
Dann greift Don Airey in die Tasten. Sein Solo führt er wie schon gewohnt in einer professionellen Art über die Bühne. Er bekommt mit guten fünf Minuten echt viel Zeit. Die nutzt er mit jeder Menge synthetischer Unterstützung. Dann erhebt sich das Orchester und spielt sich dezent in den Vordergrund. Schließlich findet er das Piano und spielt klassisch gut. Wenn sich der Boogie aus den Tasten erhebt geht es mit anderen Anspielungen und der vielstimmigen Unterstützung dem krachenden Ende entgegen.
Wenn "Perfect Strangers" anfängt merkt man wie fest sich dieser Song in die Herzen verankert hat. Die Band von damals ist schon lange Geschichte. Die Formation hier jedoch wischt alle Zweifel beiseite. Zusammen mit Großinstrumentarium drückt man das Teil durch die Verstärker. Es kommt kein Gedanke an diese Zeit mehr auf, alles liegt schwer unter Kontrolle. In dieser Version ein Hammer.
"Space Truckin'" hingegen wirkt abgehackt. Nicht mal fünf Minuten sind eindeutig zu wenig für die zielgerichtete ordnungsgemäße Abgabe ans gierige Volk am anderen Ende der Bühne.
Steve leitet den wohl bekanntesten Song der Band ein. "Smoke On The Water" hat Kult-Status. Jeder kennt das Riff. Als Rauswerfer gab es das schon früher. Sicher wussten die Versammelten was nun geschehen muss.
Sie schreien sich die Lungen aus den Körpern und fordern noch mehr tolles Zeug zum Ohren füllen. Den Namen der Band kenn längst jeder. Klar ist das Deeep Puuurple! Rückt noch mal raus und gebt uns die Dröhnung! So lautet die Forderung der Vernarrten.
Natürlich kommt die Band dem nach. Alle wissen das und dem Ego der Beteiligten schmeichelt die Gier nach mehr.
Don Airey steigt mit seiner Orgel ein und unterbricht das Flehen. "Green Onions" eröffnet die Zugabe. Längst ist "Hush" ein alter alter Bekannter. Der erste Hit der Band 1968. Irre wo ist die Zeit geblieben? Das fragt man sich auch wenn man dem Schlagwerker zuhört. Der hat das Teil damals live getrommelt. Herr Paice bewegt hier seine Drums auch ganz kurz im Solo-Betrieb. Gelassen wird gewaltig gejammt. Fett donnert das Orchester aus den Boxen.
All das geht dann in das Bass-Solo über. Roger zieht gewaltig an den Saiten seiner Gitarre. Aus diesem Teil erwächst dann der endgültige Abschiedsgruß. Dass "Black Night" je so abgehen würde war bei dessen Entstehung keinem bewusst. Hier schickt man die Zuhörer auf dem Heimweg. Wenn sie durch die schwarze Nacht streifen werden sie bestimmt noch dem Gedanken nacheilen.
Dieser Live-Mitschnitt ist tatsächlich einer der wirklich guten. Die Band ist toll in Schuss und verträgt sich wirklich mit den gut 50 klassischen Musikern. Der Mitschnitt von Montreux ist tatsächlich der bessere der beiden Aufnahmen. In Verona am 18.07. ist die Lokalität natürlich eindrucksvoller. Am Ende haperte es mir allerdings am Ton. Der könnte ein kleines wenig besser ausfallen.
Der Abend vom 16.07.2011 ist wirklich eine herausragende Leistung aller. Klanglich auf dem höchstem Niveau und spielerisch in diesem Umfang ganz sicher eine Bereicherung für jeden Fan. Man hört sogar den unermüdlich auf die Handtrommeln schlagenden Ian Gillan. Zusammen mit dem Bild von den unterschiedlichsten Medien ein wirkliches Erlebnis. Der Erfolg dieser Band ist kein Rätsel sondern eine Mischung aus Qualität und Professionalität.



