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INFINITE - Deep Purple

Endlos stark

Wer immer noch meint Deep Purple brauchen Ritchie Blackmore dem ist nicht mehr zu helfen. Viel lebendiger können die alten Herren um Ian Gillan nicht klingen. Sie kommen durchaus in die Jahre, aber sie werden mit jedem Jahr besser. Im letzen Album bekannten sie sich wieder mehr zu ihren Hardrock-Wurzeln.

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Es scheint so zu sein, als ob sich das neue Album direkt an das davor anschließt. Schon die erste Nummer "Time For Bedlam" rockt schon klasse los. Nach einem kurzem elektronisch verzerrten Intro geht es richtig los. Hier passt wieder alles, sie sind so wie ich sie hören will. Orgel und Gitarre sind genau dort wo man sie erwartet. Knallharte Orgeleinsätze wechseln mit einer schneidigen Gitarre unterstützt vom Rest der Band.

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Auch die nächsten Nummern des Albums stehen hier der ersten in nichts nach. "Hip Boots" ist eine fesche Rocknummer. Das interessante Schlagwerk im Hintergrund drückt den tollen Text nach vorn. Orgel und Gitarre rücken den schrägen Rhythmus stark ins rechte Licht. 

 

"All I Got Is You" stellt zum vorgenannten Titel ein toller Kontrast her. Geradeaus tritt man auf den Hörer zu. Kann Rockmusik anders sein als direkt und unverblümt. Genau das schaffen alle Beteiligten hier eindringlich. Keine Sekunde langweilt man sich. 

 

Direkt wirkt auch die offene Melodie des nächsten Songs. "One Night In Vegas" gibt gut wieder wie es sich anfühlt als Tourist in einer Stadt umherzugehen in der jeder ein Gewinner sein kann. Emotionen pur fliegen dem Hörer entgegen. Sie nehmen ihn mit, reißen ihn in den Strudel der Einflüsse.

 

Diese Begeisterung und das Feuer wird mit "Get Me Outta Here" deutlich gebremst. Nachdenklichkeit ersetzt den Überschwung. Schwere Orgelklänge drücken sich ins Innenohr. Auch Steve drückt tätig mit seinem Instrument nach. 

 

Eine echte Überraschung ist vor allem der Titel "The Surprising". Hier wechselt das Tempo moderat und ständig und überrascht den Hörer somit. Diesen Song könnte ich mir gut live auf der Bühne vorstellen. Ein wirklich tolles Stück Musik mit Gefühl und jeder Menge Abwechslung. 

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Weiter geht es mit "Johnny's Band". Eine richtige Kneipen-Nummer. Hier vibrieret alles. Der Hörer wird sofort mitgerissen. Er schwingt mit der Band und lässt sich treiben. Alle Sorgen sind vergessen. Es gibt nur noch ihn und die Töne aus den Boxen. Ein Song direkt ins Herz ohne Schnörkel. Klasse Musik.

 

"On Top Of The World" als Standard zu bezeichnen wäre Frevel. Es zeichnet das Schaffen der Band aus. Es ist was es ist eine volle Portion Purple. Ganz sicher überraschend und in der Botschaft interessant. Nicht das Beste Stück, jedoch immer noch gut.

 

Das ganze Werk ist gemischt mit Blues und einigen interessanten Wendungen, das schafft ein wirklich tolles Album der Band. Einzig einige elektronische Spielereien sind vereinzelt bei so manchem Song zu hören. Da wird die Stimme von Ian mal verzehrt, hier und da mal ein wenig am Hintergrund variiert. Bei "Bird Of Prey" passt es außergewöhnlich gut. Im Grunde steht der Rockfaktor jedoch im Vordergrund. Und so soll es sein. Wieder hören wir eine starke Nummer, welche auch Live deutlich Potential hat. 

 

Erstaunlich ist die stimmliche Leistung des Herrn Gillan. Er klingt echt gut und hat hier und da auch echte Akzente in so manchem Song. Auch die anderen Mitglieder der Band geben sich hier keine Blöße. Alles klingt von hart bis zart geschlossen. Ich finde sie sind in Bezug zum Album davor noch ein wenig melodiöser geworden. Mir gefällt das sehr, aber ich befürchte, das wird von so manchen als Abkehr von alter Härte erkannt. Ich werte das als Zeichen für eine dem Alter entsprechende musikalische Kreativität.

 

Massenware fällt mir hier nicht auf dem Album auf. Mir gefällt fast alles und es ist - wie immer abwechslungsreich und definitiv im Purple-Look. Besonders die langsamen Nummern sind klar und gut arrangiert. Kein Soundbrei ist zu hören, sondern klare Instrumente.

 

Beendet wird das Werk vom "Roadhouse Blues". Ein wahrhaft tollen Stück Musik in dem so richtig losgebluest wird. Hier verbindet sich das Tasteninstrument harmonisch mit der stöhnenden Gitarre des Herrn Morse. Parallelen sehe ich hier sehr wohl zum Titel "Lazy" nur dass hier ein fulminantes Speed-Ende fehlt. Aber ansonsten ein Stück welches sich nicht zu verstecken braucht.

 

Wer zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schnell war erwarb auch Extras. Einer der Titel war der Non-Album-Song "Paradise Bar". Keine Ruhmestat und doch ein guter Purple-Titel. Neben diesem Song bekam der Käufer noch drei andere Versionen von Songs des Albums. Er fällt nicht aus der Rolle, ist im Grunde jedoch auch nicht so schlecht. Auch konnte man in der Big-Box "The Now What?! Live Tapes Vol.2" bekommen. Diesen Fan-Service versteht man ja noch.

 

Bei späteren Veröffentlichungen nahm die Flut von Titeln immer mehr zu. Die Fülle der möglichen Varianten reicht von instrumentalen Versionen bis hin zu Live-Schnipseln. Auch der Mitschnitt vom Hellfest 2017 findet sich auf vielen dieser unsäglich XXL-Editionen. Im Laufe der Zeit scheint bei dieser teilweise unnötigen Veröffentlichungspraxis nichts mehr unmöglich. 

 

Wie auch immer. Es ist ein Album, dass es verdient erwähnt zu werden. Geplant war es als Abschluss der gemeinsamen Bandgeschichte. Es kam wie so oft anders. Hier wurde ein deutliches Zeichen gesetzt. Schaut her hier sind die ganz Großen am werkeln; sie sind gealtert, haben es aber noch drauf und hinterlassen eine große Lücke bei den Fans.

Bildschirmfoto 2026-03-14 um 21.24_edite
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