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LIVE AT HELLFEST 2017

THE INFINITE LIVE RECORDINGS VOL.1 - Deep Purple

Die Erwartungen waren höher

Im Frühling 2017 erschien INFINITE. Am 13. Mai startete die Tour zum Album in Bukarest. Da die Band im Grunde dieses Album als das letzte Werk ansah wollte man sich vom Publikum und den Fans gebührend verabschieden. So nannte man diese Tour "The Long Goodbye". Gute zwei Jahre später gab man man in Rumänien am 10. Dezember 2019 das wohl letzte Konzert. Die einsetzende COVID-19-Pandemie verhinderte im neuen Jahr weitere Heldentaten.

Das Studio-Werk war wirklich von außergewöhnlicher Qualität. Es wunderte wenig, dass sich alle Beteiligten auf machten um erneut die Welt zu umrunden. Die Fans konnten noch einmal diese Band sehen bevor sie scheinbar für immer als Gesamtheit verstummten.

Vom 16.06.17 bis zum 18.06.17 erschienen die Fans in Val de Moine Clisson zum Hellfest-Festival. Headliner waren Aerosmith, Linkin Park und Deep Purple. Sie traten gleich am 1. Abend auf. Diese Bühnenshow wurde in Bild und Ton für den Sender „ARTE France“ mitgeschnitten. Die Songauswahl zum Beginn dieser Tour war echt außergewöhnlich. 

 

Es beginnt schon beim Auftakt. Es geht nicht mit dem Orgel-Intro von Don los. Nein es grummelt böse in den Lautsprechern bis Ian mit seinem Sprechgesang das Grollen unterbricht. Nun startet "Time For Bedlam". Einfach scharf und hart hören wir einen der aktuellen Album-Songs. Vor allem Don drückt sein Instrument hier deutlich fett in das Teil. Wirklich stark gemacht. So hört sich diese Band an. Mit dem Sprechgesang geht das Teil wieder unter.

 

"Fireball" war ein bevorzugtes Album von Ian. Immer noch schafft es die Band den Titel druckvoll durch die Boxen zu leiten. Eine echt coole Dynamik entsteht auf der Bühne. Trocken kommt Roger daher und wird von Don abgelöst. Niemals alt wirkt das Gebilde auf der Bühne. Das Teil lebt und wird zelebriert.

 

Auf ABANDON (1998) veröffentlichte die Band "Bloodsucker" erneut. Im Grunde hatte Song das nicht nötig. Wieder drückt sich die Band in das teilweise vertrackte Teil hinein. Waren vielleicht über Jahre gereifte Staubschichten auf dem Song abgelagert; so werden sie gehörig weggefegt. 

 

Einst mal eine echte Vorzeige-Nummer dümpelt dieses Teil nun durch die Hallen der Welt. Der Zauber ist längst einer eigenartigen Routine gewichen. "Strange Kind Of Woman" ist immer noch ein starker Rocker. Zum Ende hin sollte der Herr Gillan den großen Shouter spielen. Stattdessen verliert er sich in belanglosen Geplapper und bringt das Trauerspiel letztendlich mit einigen Schreien zu Ende. 

 

Bei normalen Abenden folgt zu jener Zeit noch ein weiterer Hammer. "Johnny's Band" ist auf dem aktuellen Album eine starke Nummer. Beim Festivall-Auftritt  fällt der Song weg. Äußerst schade wie ich finde.

 

Vom Vorgänger NOW WHAT?! stammt "Uncommon Man". Jon Lord wurde das Album einst gewidmet. Die Band interpretiert es wieder ohne Makel. Hier werkeln Profis an ihren Instrumenten. Steve glänzt gleich zu Beginn. Immer unterstützt von der dezenten Orgel. Fein dosierter Druck paart sich mit einer langsamen Melodie. 

 

Auf dem aktuellen Werk ist das nächste Stück einer der vielen Höhepunkte. Fast im Album-Format ziehen die Beteiligten das Stück über die Bühne. "The Surprising" ist ganz sicher ein starkes Stück Purple. Ich hätte hier gern etwas mehr gestalterische Freiheit und die ein oder andere instrumentale Ausschweifung. In dieser Besetzung sind solche Wünsche sicher fromm und wurden vielleicht auch öfters verlautbart. Leider wurden sie selten erhört. 

 

Mit "Lazy" folgt darauf ein alter Bekannter. In der tollen Live-Mucke gehen alle Wünsche nach mehr Sondereinlagen unter. Zu bekannt ist das Gefühl und der dreiste Takt. Dieser schlägt unweigerlich in die Beine durch. Eine Nummer für alle Ewigkeiten. Zu jeder Zeit zündfähig und stark. 

 

"Birds Of Prey" passt wirklich gut hinter diesen Oldi. Es kehrt etwas Ruhe ein. Schwer drücken sich die Töne durch die Boxen. Wunderschön umspielt die Band den Sänger. Deutlich spürt man wie gut die Stücke vom aktuellen Werk in das gesamte Schaffen der Band passen. 

 

Das gilt auch für den nächsten Höhepunkt des zu bewerbenden Albums. "Hell To Pay" hat Zunder und bläst die Ohren frei. Druckvoll gibt Ian den Aufklärer. Hart und brutal spielen sich die Protagonisten in die Herzen der Fans. Viel zu kurz und mit zu wenigen Ausflügen. Wenn einem die Inspiration packt hält es nicht wirklich lang.  In fünf Minuten bleibt wenig Platz. 

 

Wenn Don im Solo seine Tasten niederdrückt hören wir einen bunten Mix. Er spielt mit allerhand Klängen und verknüpft diese. Sein Solo ist als Programmpunkt erhalten geblieben. Ab und zu hören wir noch Roger. Von den einstigen Individualisten-Band ist nicht viel mehr übrig. 

 

Im Anschluss leitet er dann zu "Perfect Strangers" über. Das sind wir gewohnt und kennen es von unzähligen Live-Auftritten. Routine und für das Schwelgen in der Vergangenheit geeignet. 

 

"Space Truckin'" verkümmert schon seit Jahren zur Kurznummer. Früher mal ein Wunderwerk der Inspiration, wird es nun nur kurz an die Oberfläche gelassen. Nicht wirklich ein Genuss.

 

Steve leitet wie schon so oft die Nummer aus Wasser und Rauch ein. "Smoke On The Water" ist fester Bestandteil eines jeden Konzertes. Der geneigte Zuhörer in der Halle ist entzückt wenn das so bekannte Riff durch die Luft jagt. Ja Freunde, das waren noch Zeiten. Alles war frisch und stand auf dem Spiel. Das Rennen um MACHINE HAED schien längst verloren, bevor überhaupt der Name feststand. Claude Nobs war es zu verdanken, dass die Band in einem alten Hotel die Muse fand. 

 

Hat das Volk mitgesungen, ist der letzte Ton verklungen, dann ist erstmal Schluss. Lässt sich das die Masse vor der nun leeren Bühne bieten? Natürlich nicht. Eine Ehre für jeden Musiker und eine Streicheleinheit fürs Gemüt der Beteiligten.

 

Peter Gunn ist ein Instrumental. 1959 auf dem Album "The Music from Peter Gunn" veröffentlicht von Henry Mancini. Don stimmt es kurz an bevor sich "Hush" von den Membranen löst. Wieder wird ein wenig gejamt, darf ein jeder sich beweisen. Doch wie immer bleibt zu wenig Zeit. 

 

"Black Night" rundet den Abend ab. Wieder hören wir die Routine von Könnern. Das Teil hat sich zu einem potenten Rausschmeißer gemausert. Nach dem Ende der letzten Zugabe lässt man das Publikum endgültig allein mit sich und der Nacht. 

 

Schon im Jahr des Auftritts wird das Set auf LP‘s verfrachtet und veröffentlicht. Das Cover dieser Version ist toll. Der Klang wirklich spitzenmäßig. Später wird der Mitschnitt ein wenig zur Ramschware. Auf Versionen des später erschienenen Albums  WHOOSH! wurde der Mitschnitt angehangen. Auch in einer der zahlreichen Sondereditionen von INFINITE bietet man das Video als Zugabe. Natürlich könnte man sich auch noch ein Video als Bootleg (als semi-official) für gutes Geld zulegen. 

 

Wie schon so oft im Umfeld der Band erleben wir hier ein fragwürdiges Management. Ich denke der Durchsatz im Kreise der Fans wird aus diesem Grunde recht hoch sein. Es wird etliche Verehrer geben mit doppelten Exemplaren im Portfolio. Dieses Konzert ist nicht mal besonders gut. Es bewegt sich eventuell etwas oberhalb des Durchschnittes. Die Band kann mehr. 

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