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LIVE IN MONTREUX 2018 - Deep Purple

Ein Konzert der Tradition geschuldet

Dieser Ort verdankt ganz sicher auch dieser Band einen gewissen Ruhm. Schließlich handelt ihr bekannteste Song von jener Nacht als es zum Großbrand kam. Cloud Nobs suchte einen neuen Spielort für die Musiker und fand ein leer stehendes Hotel.

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Zum Jazz Festival in Montreux war Deep Purple jährlich zu Gast. 2018 standen sie am 04. Juli im Auditorium Stravinski auf den Brettern welche die Welt bedeuten. Im Rahmen ihrer scheinbar nie endenden Abschiedstournee lieferte die Band nochmals ab. Als Bootleg ist diese Aufnahme verfügbar.

Alles beginnt mit dem üblichen Intro. Don intoniert die feierliche Einleitung breit und fett. Kurz danach bricht sich "Highway Star" seine Bahn. Roger stimmt kurz ein. Das Gewitter schlägt durch. Hart und stark beginnt der Abend in der Schweiz. 

 

Mit "Pictures Of Home" geht es ohne Unterbrechung weiter. Dieser Song entstand im Keller des ehemaligen Grand Hotels. Ian singt wirklich stark und Steve treibt das Teil gehörig nach vorn. 

 

"Bloodsucker" wurde auf ABANDON 1998 neu eingespielt. Das Original stammt jedoch von IN ROCK. Ich bevorzuge die ursprüngliche Version. Auch 2018 wirkt das Teil echt frisch und enttäuscht nicht. Steve gibt in den immerwährenden Neustarts des Songs gewaltig Zunder. Zusammen mit der Hammond ein echter Hammer. 

 

Wieder geht es ohne Übergang mit "Strange Kind Of Woman" weiter. Dieser Song wurde schon so oft live gespielt, dass zählen längst keinen Sinn mehr macht. Wieder ist der Gitarrist mit einer starken Leistung zu hören. Zusammen mit den anderen Beteiligten hören wir eine Standard-Version. Zum Ende hin liefert Ian ab. 

 

Er erzählt davon nun, dass die Phase des Merchandising beendet sei. Nun mache man den restlichen Abend Pop-Musik. "Sometimes I Feel Like Screaming" ist keine leichte und somit versprochene Mucke. Der Song wiegt schwer und gibt den Versammelten die Chance herunterzukommen. 

 

 

Steve leitet dann über in "Uncommon Man". Auf dem Album von 2013 ist dieser Titel einer der Höhepunkte. Auch hier macht es Freude zu verfolgen wie sich nach und nach die restliche Band in das Teil einbringt. Als NOW WHAT?! erschien war das Album dem verstorbenen Jon gewidmet. Gedenken wir dem Herrn Lord und lauschen der beherzt aufspielenden Gemeinschaft. 

 

Einer der Lieblinge des zu früh Verblichen war gewiss auch der nächste Song. Ian erzählt kurz noch eine Episode über Cloud und seine Mundharmonika. Dann bricht mit der Orgel "Lazy" los. Das vielbetriebene Nichtstun wurde auch hier toll musikalisch wiedergegeben. Der Text ist kurz die Botschaft gewaltig. 

 

Mit einem Song vom aktuellen Album geht es weiter. "Time For Bedlam" ist ein Hammer-Song. Er passt hinter das Urgestein irre gut. Steve drückt sich wirklich stark mit Don in den Song. In dieser Version echt cool.

 

"Birds Of Prey" ist ebenfalls vom letzten Studio-Werk. Der klingonische Kampfvogel ist hier mehr Metapher. Alles dreht sich um waffenstarrende Auseinandersetzungen. Im Grunde ist all das Gemache nicht nötig und nicht heilig. Ein Scheitern ist gewiss. Steve unterstreicht den Text meisterlich. 

 

Eine Überraschung war der nächst Song auf dem aktuellen Album auch für mich. Lyrisch gekonnt drückt die Band "The Surprising" aus den Boxen. Einfach die Augen schließen und den Tönen folgen. Ein schön gespielter schlechter Traum. 

 

In der guten alten Zeit kamen Solos öfter vor. Der Gitarrist hatte seine Zeit, der Drummer auch. Ab und zu durfte auch der Bassmann zeigen was der drauf hatte. Die einzige Sondernummer mit extra Vermerk besitzt nur noch Don Airey. Seine Allein-Passagen führen immer über allerhand mysteriöse Wege. Mit dem Synthesizer führt er uns zum Piano und von dort zur Orgel. 

 

Mit dieser geleitet er den Hörer zum nächsten Klassiker. "Perfect Strangers" fließt längst wie gewohnt aus den Fingern und Hälsen der Bandmitglieder. Im Verzeichnis der gespielten Songs taucht es als nächster Programm-Punkt auf. Auf dem Bootleg fehlt es. 

 

So führt das Ende des Tasten-Solos direkt zu "Space Truckin‘". Die einstige Jam-Nummer ist längst Geschichte. Kurz und knackig zieht man das Teil über die Köpfe der Anwesenden durch die Halle. 

 

Hart und rücksichtslos wirft uns der Mitschnitt in das Anfangsriff von "Smoke On The Water". Das Ende ist gekommen. Nachdem sich das Publikum an jener berühmten Textzeile ergötzen konnte verabschiedet sich Ian im Auftrag der Band. Die Instrumente schweigen.

 

Das versammelte Volk jedoch hält lautstark dagegen. Natürlich kommen die Helden nochmals auf die Bühne. Eingeleitet durch "Peter Gunn" startet schließlich "Hush". Hier treiben es die Herren nochmals auf die Spitze. 

 

Neben Don darf auch Roger quasi allein am Bass ziehen. Gemeinsam mit dem anderen Ian darf er sich mit den Drums präsentieren. Diese Phase wirkt echt stark. Druckvoll gestaltet sich ein kleines Extra-Stück. 

 

Dann startet der Rausschmeißer. "Black Night" ist schon längere Zeit der Abschied vom Abend. Das Publikum weiß das und akzeptiert dessen Position. Man wippt nochmals im Takt bevor das Licht im Saal angeht. 

 

Der Mitschnitt ist ganz sicher interessant für alle Fans der Band. Die Aufnahme ist im Grunde nicht so schlecht. Diesen inoffiziellen Mitschnitt kann man mit einigen Handgriffen leicht echt hörfähig herausstaffieren. Wir hören hier an diesem Abend jede Menge Tradition und Spielfreude. 

 

Ganz sicher ist die Band mittlerweile zum Hit-Lieferanten mutiert. Die Interpretationen ähneln sich von Auftritt zu Auftritt. Routine ersetzt immer mehr die freie Gestaltung. Schon lange gilt die Regel der Einmaligkeit eines Deep Purple Abends nicht mehr. Anmutig und in stolzer Tradition folgt man hier jedoch noch einmal den Darbietungen. Dass wahrscheinlich ein Song fehlt kann man mit der nötigen Nachsicht auch verschmerzen. 

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