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FIRST SHOW WITH SIMON - Deep Purple

Ein toller Start mit neuem Gitarristen

Deep Purple wurden auch durch die weltweite Corona-Lage stark betroffen. Das letzte echte Bandalbum mit eigenen Konstrukten wurde deutlich verspätet Anfang August 2020 auf den Markt geworfen. WHOOSH konnte im Anschluss wegen zu vielen weltweit ausgefallenen Konzerten nicht Live präsentiert werden. Das im Grunde starke Album blieb so ohne zeitnahe Live-Promotion.

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Ende November 2021 doubeln sich die Herren Gillan, Glover, Paice, Airey und Morse durch Werke anderer Musiker. Die Band blieb dank TURNING TO CRIME im Gespräch und im Geiste der Fans. Der Geist der Band bekam hier erneut einen deutlichen Schub. Schließlich coverten die Gründungsmitglieder fleißig fremde Stücke und erschufen so einst mit "Hush" ihren damals ersten großen Hit.

Die weltweite Epidemie schwächte sich 2022 ab. Nun wurden auch wieder Live-Auftritte vor größerem Publikum möglich. Eine Tour wurde erneut ins Auge gefasst. Wieder schlug das Schicksal zu. Janine erkrankte schwer. Die Frau von Steve Morse ereilte eine Krankheit dermaßen schlimm, dass beide nicht wissen wieviel Zeit ihnen noch bleibt. Steve zog darauf hin seine Live-Option zurück. Erst geplant für die Europa-Tour, gab dieser den Posten an der Gitarre frei. Die Band stand ohne einen Griffbrett-Artisten da. 

 

Ian Gillan spielte im Sommer 2019 mit der Don Airey Band eine kurze Tour. Dort bediente ein fantastischer Gitarrist die sechs Saiten. Vielleicht kannte man sich ja auch schon früher. Auf der Suche nach einem Gitarristen fiel dann eine Entscheidung. Simon McBride ist ganz sicher ein toller Ersatz für dieses wichtige Instrument. Die anfängliche Vertretungsrolle mutierte schließlich in der Entscheidung ihn ganz als Mitglied der Band zu integrieren. Steve erkannte zwischenzeitlich im Herbst des Jahres 22 die Unmöglichkeit der Fortsetzung seiner Rolle in der Band.

 

Am 22.05.22 stand der damals noch als Vertreter angepriesene Simon das erste Mal mit der Band in Tel Aviv auf der Bühne. Dieser Auftritt wurde in Bild und Ton mitgeschnitten. Dieses Bootleg ist über die gängigen Portale einsehbar. 

Der Abend in der Menora Mivtachim Arena verfügt über einen guten Ton und ein passables Bild. Mit wenigen Handgriffen (Software vorausgesetzt) lässt sich daraus durchaus taugliches Live-Material zaubern. So bekommt man einen sauberen Eindruck von jener Show.

 

Den Abend startet Don mit "Mars The Bringer Of War". Ist das imposante Vorspiel beendet startet "Highway Star". Lange werkelt die Orgel zusammen mit der Rhythmusgruppe. Dann hört man zum ersten Mal den neuen Gitarristen. Fast zaghaft hält er sich zurück. Es wirkt fast schon zurückhaltend. Nach guten vier Minuten spielt er sich in den Vordergrund. Die spitz werkelnde Gitarre passt gut zum Rest der Band. Sein Sound ist mehr europäisch ausgeprägt. Er scheint sich mehr an die Vorlage des einstigen Gitarrenhexers Blackmore zu halten. Doch den Beweis tritt er erst später an. 

 

Weiter geht es mit "Pictures Of Home". Im einstigen Song vom legendären Album MACHINE HEAD kommt druckvoll daher. Die Band ist voll bei der Sache. Mittendrin der beinharte Simon. Er liefert tolle Passagen und wirkt nicht eine Sekunde so, als wäre er die Aushilfe. 

 

Mit "Strange Kind Of Woman" verbindet der Fan dieses tolle Duell zwischen Sänger und Gitarristen. Das ist lange her. Gillan kann das Gekreische und den Kehlkopfgesang nur noch kurz ertragen. Mit 76 Lebensjahren zum Zeitpunkt des Abends ist die Leistung des Mannes immer noch echt stark. Es gibt viele Sänger, welche ihre Stimmbänder in diesem Alter schlechter im Griff haben. 

 

"Nothing At All" stammt vom Album des Jahres 2020. Für mich immer wieder einer der Höhepunkte von WHOOSH. Simon hat hier scheinbar wenig Mühe dem Teil einen gehörigen Drive zu verpassen. Zusammen mit Don eine echt tolle Live-Mucke. Die Melodieführungen seines damals noch zu vertretenden Vorgängers spielt er unbeirrt durch. 

 

Simon führt ins opulent ausgeweitete "Uncommon Man". Er startet solistisch voll durch und zeigt seine Qualitäten. Einst vom Werk NOW WHAT stammend wird es hier auf gute acht Minuten bedächtig und kräftig ins Volk geworfen. Gillan singt wirklich stark und die Band wirkt geeint und stabil. Die Kontrolle und die Unterordnung dem Song zuliebe ist cool. Einst Jon Lord gewidmet schwebt auch an jenem Abend sein Name in Achtung in der Halle für einen kurzen Moment.

 

Don erfüllt das Gedenken mit der Einleitung zum beständigsten und meiner Meinung nach besten Live-Song der Band. "Lazy" ist für jeden Freund der Band in fast jeder Fassung einer der Höhepunkte eines jeden Konzertes. Simon steigt trocken und hart ein. Er schießt seine Beiträge ins Gefüge, gibt den starken Mann an der Gitarre. Ohne Schnörkel rockt er das Teil. Das Duell zwischen dem Sechssaiter und dem Tastenbediener ist nicht mehr so stark wie einst. Freunde die Zeiten ändern sich! Alles wirkt konstruktiver und abgeklärter. Es schadet nicht. Hört man Ian zu spürt man die Freude am Song. Simon jedenfalls fliegt über sein Instrument. Er kopiert nicht, bewegt sich nahe am Original und ist trotzdem erkennbar. 

Gillan’s Liebling "When A Blind Man Cries" ist schon seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Auftritte. Simon imitiert auch hier nicht Morse, sondern drückt dem Teil ein anderes Feeling rein. Dieser neue Gitarrist ist ein Geschenk an die Band. Damals dachte man sicher noch nicht über eine dauerhafte Beschäftigung dieses Mannes nach. Das jedoch erscheint nur folgerichtig. 

 

"7 And 7 Is" ist ein Cover vom Album des Jahres 2021. Einfach toll ist, dass es auch Titel von diesem Werk auf die Bühne schaffen. Es ist wie Gillan es einst mal formulierte; die Band hat dieses Stück für sich neu eingespielt. Es gehört nun zum Erbe dieser Band. 

 

Aus dem Jahre 2020 stammt "Throw My Bones". Ian singt ein wenig anders als auf dem Album. Er wirkt gelassen und glücklich. Simon hält sich auch hier gut an Vorgaben und variiert leicht. Das erwartet man von einer Band mit diesem Ruf. 

 

Der düster klingende Sprechgesang zum Start von "Time For Bedlam" ist vielleicht ein wenig kürzer als auf INFINITE. Das Teil kommt jedoch druckvoll aus den Boxen. Don läßt seine Orgel gehörig von der Leine. Schließlich fügt sich daran sein Solo-Beitrag an. Verspielt mit dem Piano startet der so erfahrene Tastenverantwortliche in die nächsten vier Minuten. Er liefert Klassik und volksnahe Interpretationen ab. 

 

Mit einem Knall startet "Perfect Strangers". Vom Réunion-Album 1984 stammend ist das Stück zu einer Konstante gereift. Wieder klingt Gillan anfangs echt super. Später bekommt er leichte Probleme. Ritchie’s Riff donnert zusammen mit der dröhnenden Orgel durch die Halle. Alles ist sicher nicht wie früher, aber trotzdem ist alles gut. Die Band ist wieder da und liefert ab. 

 

Einst als Super-Jam-Nummer überlang auf der Bühne präsentiert hat sich "Space Truckinˋ" schon verändert. Nun wird daraus eine Live-Darbietung zur Erinnerung an diese Zeit. Nach gut fünf Minuten ist die Band durch. Simon hört sich hier ganz anders aus als seine Vorgänger. Er hält sich jedoch auffällig zurück. Kurz hat man das Gefühl, dass sein kurzer Solostart misslang. 

 

Diese Klänge erkennt wohl jeder. Simon spielt nicht lange. Die Akkorde stechen ins Freie. "Smoke On The Water" war es und wird es immer bleiben. Das Aushängeschild einer Ausnahme-Formation, ersonnen zur immerwährenden Beschreibung der Umstände in Montreux. Simon bedient hier den Song. Über die Jahre hat das Teil vielleicht ein wenig an Glanz verloren. Die Massen am Fuße der Bühnen grölen die Titelzeile jedoch immer mit. Zum Ende hin gibt Don nochmals Feuer. Ian Gillan verabschiedet die Band.

 

Kein Konzert sollte auf diese Art enden. Das Publikum einfach nach Hause zu schicken gehört sich einfach nicht. Erst wenn sich die Musiker wieder auf die Bühne begeben geben die Anwesenden Ruhe.

 

"Caught In The Act" ist 2021 das letztes Stück des Albums. Es wird schon damals als Konstrukt einer Live-Session angepriesen. Das stimmt tatsächlich und man kann sich hier davon überzeugen, dass das auch funktioniert. 

Simon ist mittendrin als nur dabei. So ganz improvisiert wirkt es am Ende dann doch nicht. Eine starke Nummer bleibt dann doch im Kurzzeit-Gedächtnis haften. Die Brüche im Stück klappen nicht ganz zu hundert Prozent. Doch die Musiker lernen sich erst kennen. 

 

Mit einer weiteren Cover-Nummer geht es weiter. 1968 war "Hush" der erste Erfolg der noch jungen Band. Simon kennt das Teil schon und hat es auch schon des Öfteren live zum Besten gegeben. Einzig Herr Paice kann sich noch daran erinnern, dass Ritchie einst die Studiotür zufrieden zuschlug, als das Ding auf Band war. Don und Simon geben sich hier die Kante. Sie ergänzen sich gut. Ihr Spiel ist flüssig und schlüssig. 

 

Das sich an "Hush" anschließende Bass-Solo wirft Fragen auf. Es wirkt angestückelt. Sicher fehlt ein Teil (vielleicht der überfällige Drum-Auftritt). Wie dem auch sei, Roger ist ein Könner am Gerät. Immer wieder beeindruckt die Gewalt des Instruments nur begleitet durch die Drums. Wenn man es so will ein Solo für zwei Personen. 

 

Mit "Black Night" werden die Massen angefeuert in die schwarze Nacht hinaus zu gehen und sich schwärmend auf dem Weg zu machen. Nach gut fünf schicken Minuten legen die Beteiligten die Instrumentale beiseite. Ian verabschiedet sich und bedankt sich beim Publikum. 

 

Der Mitschnitt ist ein Beweis für die Band wie sie es schaffen neues Personal einzuarbeiten. Simon bekommt jede Menge Zeit sich zu präsentieren. Er darf sich innerhalb und außerhalb der Songstrukturen frei verwirklichen. Die erste Show mit der Band ging ohne große Komplikationen über die Bühne. Die Band wirkt geschlossen und glaubhaft. 

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