ABANDON - Deep Purple
Irgendwie nicht besonders genug - Schade
Im Juni 1998 erschien das nächste Album der Besetzung mit Steve Morse. Gleichzeitig sollte es das letzte Album mit Jon Lord werden. Er hatte immer wieder mit gesundheitlichen Einschränkungen gerade live leben müssen und so wurde dieses Album hier das letze mit ihm.

Die experimentelle Phase hatte die nun neu gefundene Band hinter sich. Sie fügte sich wieder in die Rolle der rockenden Legenden. Das Album fiel somit bei weitem rockiger und härter aus als das davor.
Was auf dem Album zu hören ist sind unweigerlich Deep Purple. Hier schon eher als auf PURPENDICULAR zwei Jahre zuvor. Vermutlich ging es wohl auch darum wieder den Puristen unter den Fans einen Anreiz zum Kauf eines Albums zu geben.
Alles beginnt mit "Any Fule Kno That". Das waren eindeutig Deep Purple. Hart und melodiös. Jon setzt hier sicher einen deutlichen kurzen Lichtblick. Ansonsten bleibt das Stück nicht lange haften.
Mit "Almost Human" sieht es ähnlich aus. Zumindest überlebte der Song bei Liveauftritten der nachfolgenden Tour. Auf dem Album verblasst es einfach und geht schließlich in den Reglern unter.
Der wirklich schöne Blues "Don't Make Me Happy" überzeugt hingegen zur Gänze. Ian schmachtet und die Band spielt wirklich toll. Für mich der erste Höhepunkt des Albums.
"Seventh Heaven" beeindruckt danach ebenso. Allein das Riff besitzt ein hohes Wiedererkennungspotenzial. Hinzu kommt die filigrane Vortragsweise im Mittelteil, welche doch sehr abwechslungsreich gestaltet wurde.
"Watching the Sky" fanden auch den Weg zur öffentlichen Aufführung. Der druckgeladene Beginn wird sofort durch den Gesangsteil abgebrochen. dann startet der Song wieder durch. Auch gut gelungen und ganz sicher auch einer der Höhepunkte.
Auch das lyrische "Fingers to the Bone" ist sicher nicht schlecht gemacht. Es bleibt jedoch farblos und verblast ein wenig. Ebenso verhält es sich bei "Jack Ruby". Beide Titel sind durchaus interessante Stücke. Sie plätschern vor sich hin, sind leider schnell vergessen.
Die wirklich schöne Orgel-Gitarren-Improvisation im knalligen "She Was" hebt den vermeintlich sinkenden Durchschnitt ein wenig. Hier hören wir wieder einen Höhepunkt mit wirklich hübschen Ende.
"Whatsername" hören wir kurz Gillan-Humor. Auch hier wieder gehen die gut viereinhalb Minuten im Gesamtwerk etwas unter. Etwas schade ist das schon, denn so schlecht ist es nicht.
Erwähnenswert ist hier noch der wirklich gut gelungene Titel "’69". Ein wirklich schönes Stück Musik. Auch er wird ab und zu wieder zum Leben erweckt in den Konzerten in der Folge.
Ob die Neuauflage vom guten alten "Bludsucker" das Unterfangen noch heraus reißt? Ich glaube das nicht. Diesen Song verbindet man mit Ritchie. Eine Neuinterpretation durch Steve Morse hat niemand nötig.
Mir persönlich gefiel dieses Album nur begrenzt. Ich finde hier vor allem die Stücke an sich eher zu gleichförmig. Mir fehlte immer ein wenig Abwechslung. Irgendwie blieb beim Hören nicht viel zurück. Man kann es nicht genau sagen, was nun nicht so gelungen ist. So richtig fehlt es wohl an echten Höhepunkten.
Das gilt irgendwie für alles was die Musik der Band hier ausmacht. Alles ist am Platze, jedoch springt der Funke einfach nicht über. Ganz klar hört man die Band. Nur vereinzelt fühlt man sich mitgerissen als Hörer.
Vergleichbar ist diesen Album mit dem 1993 erschienen THE BATTLE RAGE ON. Auch hier hörte man eindeutig Deep Purple, doch auch hier schien irgendwie die Luft raus zu sein. Auch von diesem Album blieben später kaum Song im Live-Portfolio der Band übrig.
Deep Purple waren immer Meister ihres Faches jedoch hatten sie immer einige Einbrüche im schöpferischen Schaffen. Hier ist es wieder mal zu hören. Alles gerät so ein wenig in Vergessenheit gleich nach dem Hören. Nichts nachhaltiges bleibt erhalten. Seltsam das Ganze. Aus diesem Grunde bleiben bei mir nur drei Sterne übrig. Schade, denn es ist das letzte Album mit dem besten Organisten der Band.


