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IN CONCERT WITH THE LONDON SYMPHONY ORCHESTRA - Deep Purple

Ein Epos wird 30

Zum dreißigjährigen Jubiläum wollte Jon Lord sein Concerto For Group And Orchestra nochmals aufarbeiten und aufführen. Zusammen mit dem Niederländer Marco de Goeij musste Jon jedoch die in den Siebzigern verlorenen Partituren wieder herstellen.

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War dies geschehen kam das Werk in der Royal Albert Hall am 25. und 26. September 1999 erneut zur Aufführung. Diesmal jedoch begleitete die Band das London Symphony Orchestra unter Leitung von Paul Mann.

Diese Veranstaltung als reines Deep Purple-Projekt zu bezeichnen ist nicht ganz richtig. Eingeleitet wird der Auftritt durch verschiedensten Interpretationen aus den Fendern der Mitglieder der Band und nicht mit reinem Deep Purple-Stoff. Die ersten beiden Titel stammen aus dem Fundus des Herrn Lord. "Pictured Within"

wird gesungen von seinem langjährigen Freund Miller Anderson. Im Song danach brilliert Sam Brown. Genauso wie das Stück davor stammt "Wait A While" von seinem Soloalbum 1998. Wundervolle Musik hört man hier. Zart und ausdrucksvoll dargeboten mit beschränkten Instrumentarium. 

 

Roger Glover steuerte zwei seine Solo-Stücke bei. "Sitting In A Dream" wirkt zerbrechlich gesungen. Ronny James Dio wird dezent instrumental unterstützt.  Auch "Love Is All" wird durch Dio meisterlich intoniert. Begleitet wird er dabei neben dem Orchester auch durch Eddi Hardin persönlich. 

 

Als Nächstes darf Gillan seine Teile beisteuern. Zusammen mit der Band darf "Via Miami" (vom Album Accidentally on Purpose) wieder aufleben. Danach singt Ian noch "That's Why God Is Singing The Blues". Dieser Titel kommt von seinem Solowerk Dreamcatcher aus dem Jahre 1997. Beim zweiten Song wird Ian von Steve Morris begleitet. 

 

Steve Morse fügt noch "Take It Off the Top" zu diesen Stücken hinzu. Das Teil stammt von seiner eigenen Band. Warum sich das Stück "Night Meets Light" nicht mit auf den CD‘s befindet bleibt rätselhaft. Vermutlich mangelte es am Platz dafür. 

 

Erst nach gut einer halben Stunde kommen die ersten Purple-Songs hervor. Mit einer Erinnerung an 1969 beginnt dieser Abschnitt mit Ritchie‘s einstigen Lieblingsstück. "Wring That Neck" geht auch mit dem Herrn Morse tüchtig ab. Ist es im Grunde wesentlich kürzer, so wird dieser Song doch gut wiedergegeben. Die Bläser sind befremdlich, passen jedoch und sind dem Anspruch des Vortrages gerecht. Besonders ist der Geigeneinsatz zu bewerten. Jon spielt seinen Einsatz wie immer cool. 

 

Mit einem weiteren Klassiker geht es weiter. "Pictures Of Home" ist ein weiterer meist zu Unrecht vergessener Song. Zu Machinehead auf‘s Band gebracht wurde der Titel nur zu gern Live nicht beachtet. Allein die Einleitung mit großem Orchester ist dem Anspruch der Veranstaltung angemessen. Dann bricht es aber los. Steve spielt dieses Teil richtig gut. Es macht Spaß das zu hören. 

 

Nun erhebt sich die Sinfonie. Alle drei Teile sind gut doppelt so lang als die aufgeführten Teile in der Uraufführung 1969. Schon im ersten Satz merkt man die Freude am Musizieren. Neben dem entspannten Orchester hört man einen hervorragenden Steve Morse. Er passt sich schön den Noten an und klingt in Verbindung mit dem Klangkörper des Orchesters einfach toll. Auch das Orgelspiel von Jon ist, wie soll man es anders sagen, einfach klasse. 

 

Auch im zweiten Teil wirkt das Unterfangen deutlich druckvoller. Man lässt sich auch mehr Zeit und der Hörer kann in Ruhe lauschen. Ian singt seinen Part gut. Auch er wirkt nicht gehetzt. Alles ist lyrisch und ruhig - dem Stücke zugewandt sozusagen. Diese entspannte Atmosphäre ist der wahre Grund für diese gelungen Aufführung. 

 

Im dritten und letzten Satz dann entlädt sich quasi eine ins Orchester integrierte Rockband. Ian Paice greift immer mal wieder Rhythmisch auf das bereits gespielte im Solo zurück. Es wirkt auch hier wieder entspannter als dereinst. Immerwährend spielen die Bandinstrumente dem Orchester zu und unterstützen so den dramatischen Verlauf. Das Finale ist ein Erlebnis. 

 

Zum Ende der Aufzeichnung werden noch vier Purple-Songs zum Besten gegeben. Es beginnt mit "Ted The Mechanic". Ich mag diesen Titel sehr und auch das dazu gehörige Album Purpendicular. Mit "Watching The Sky" vom Nachfolger hatte ich immer so meine Probleme. Abandon war und ist nicht mein bevorzugtes Album. Nach einem wunderschön dargebotenen "Sometimes I Feel Like Screaming" endet der Mitschnitt bald. Nach dem Rauswerfer "Smoke On The Water" (mit Dio und Orchester) ist dann endgültig Feierabend.

 

Die Aufnahme zeigt eine in sich ruhende Band. An jenen beiden Abenden waren die Band und das Orchester auf das vorbereitet was stattfand. Man hatte sich richtig auf diese beiden Veranstaltungen vorbereitet. Das Event fand nicht überstürzt in einer Atmosphäre des Aufbruchs statt wie einst 1969. Hier ließen sich alle Musiker auf das Unterfangen ein und beteiligten sich mit Herz und Seele. Genau das hört man hier und es freut einen, dass es Jon und Marco gelang die Partituren wieder herzustellen.

 

Vom Auftritt gibt es auch ein Video. Hier wird "Pictures Of Home" als vorletzter Titel der Aufzeichnung aufgeführt. Das macht auch mehr Sinn, da er dort besser in den Kontext passt. Auch fehlen beide Titel von Steve Morse. Warum das so ist, erschließt sich dem Interessierten nicht.

 

Am 01. September 2000 startete die Band dann die 2000 Orchestra Tour. Bis zum 03. November 2000 zog man dann durch die Welt und gab ähnliche Konzerte. Ein Konzert wurde in Rotterdam am 30.10.2000 mitgeschnitten. Allerdings fehlt hier die Aufnahme vom Concerto selbst. Ebenso fanden am 24. und 25. März 2001 in Tokyo noch zwei Aufführungen ähnlicher Art statt. Diese kann man in der Soundboard-Serie (2001) auch vollständig bewundern. 

 

Noch kurz vor seinem Tode schaffte es Jon Lord sein Concerto auch in eine Studioversion zu überführen. Man glaubt es kaum, dieses Werk schaffte es erst im Jahre 2012 zu Studio-Ehren. Er hinterließ es uns als seinen letzten musikalischen orchestralen Gruß. Er wird allen in Erinnerung bleiben. Jon schaffte es wie kein anderer Fans für Rockmusik und für klassische Musik zu begeistern. Dieses Album hier steht auch nach seinem Tod für eine Band und ein Publikum, welches diesen Menschen und dessen Musik über alles verehrten.

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