MADE IN JAPAN 2000 - Deep Purple
Mehr als ein Standard-Auftritt
Das Label Thames Thompson veröffentlichte im Jahre 2000 ein Bundle von sechs Doppel-CD`s unter dem Titel The Bootleg Series 1984 - 2000. Dort wurden mehr oder weniger bekannte Bootlegs der Besetzungen mit Blackmore und Steve Morse zusammengefasst.

Wahrscheinlich durchliefen sie auch eine kleine Nachbesserung im Ton. Die Aufnahmen lassen sich anhören und sind in einem verträglichen Ton erhalten. Die letzen beiden Abschnitte jedoch gehören der Formation mit dem Herrn Morse. Am 01.04.2000 traten sie in der Festival Hall in Osaka auf. Zu diesem Event wurde die Band mitgeschnitten. Das letze Tondokument (2xDC) dieser Veröffentlichung.
Nun ist ABANDON nicht gerade mein liebstes Album. Die Tour zum Album jedoch lief über viele Jahre. Deep Purple stellten das Programm auf der Bühne öfters um. Die Abende wurden so abwechslungsreicher. Je nach dem in welcher Phase man sich befand starteten die Auftritte immer anders.
Zu Beginn der Tour 2000 startete die Band mit "Woman From Tokyo". So beginnt auch der Auftritt in Osaka. Der schrittweise Einstieg der Musiker an diesem Abend wirkt ganz schick. Das kleine Solo von Roger Glover am Anfang ist frisch. Als Start für den Abend wirkt das Stück jedoch zu lahm. Irgendwie wirkt das Tempo gebremst und die Band scheint nicht dynamisch genug. Das täuscht jedoch auch, da der Herr Gillan recht gut bei Stimme ist. Erst der brettharte Einstieg von Steve wirft ein wenig Würze in den Song.
"Fireball" erst als zweiten Song zu spielen ist sicher mutig. Das Donnerstück hätte jedoch zum Start besser gewirkt. Leider fällt es viel zu kurz aus. Das ist richtig ärgerlich, da sich hier Potential für mehr durchaus ergeben könnte.
Auch geschickte Übergang zum nicht oft gespielte "Into The Fire" macht diese Kürze nicht wieder gut. Sicher das Teil passt wirklich gut hinter den eben gehörten Hammer. Es wird durch Steve auch toll interpretiert. In dieser Ausführung leider auch keine Glanzleistung.
Mit "Sometimes I Feeling Like Screaming" kommt etwas Ruhe ins Geschehen. Steve spielt wirklich schön. Ian`s Gesang ist wirklich toll. Die Botschaft stimmt, die Stimmung auf der Bühne auch.
Erst beim nächsten Stück verweist die Band auf ihr aktuelles Studio-Werk. "`69" ist ein wirklicher Höhepunkt der Scheibe. Es wurde nicht oft live gespielt. Nur zu besonderen Momenten hatte das Volk die Gelegenheit der Band zu lauschen. An diesem Abend ist das Stück aufregend und erfrischend. Das Publikum geht mit. Jon läßt "The Mule" kurz aufleben. Schließlich hört man kurz das Motiv "Paint It Black". Eine tolle Aneinanderreihung von Zitaten immer unterlegt vom rhythmischen Klatschen der Anwesenden im Saal.
Dann lässt sich Steve nicht zweimal bitten. Wie bei Live-Auftritten üblich sucht er nach geeigneten Akkorden. Mehrmals nimmt er Anlauf und spielt sich durch allerlei Rock-Ansätze. Schließlich findet er das unvergessliche Riff. "Smoke On The Water" erhebt sich. Zusammen erzählt man die Geschichte zur Aufnahme im Grandhotel Ende 1971. Steve drückt gewaltig aus den Verstärkern. Ian geht fast ein wenig unter. Liegt es an der Aufnahme? Der Glanz früherer Aufzeichnungen ist jedoch verflogen.
Auch "Fools" ist nicht mehr das Hammerteil vom Album. Ritchie hielt einst mit der Orgel und seiner Gitarre leise die Spannung zwischen den Texten des Sängers. Das klappt in dieser Version nicht. Steve hangelt sich schließlich auf seine Art aus dem Stück ins Freie. Kennt man das Original, so bedauert man diesen Umstand. Es gibt wohl wirklich Stücke, welche ohne den Einfluss vom echten Mann in Schwarz nicht wiedergegeben werden können.
"Black Night" gehört nicht dazu. Die Erfolg-Single ist auch in der Version mit dem neuen Gitarristen ein echtes Erlebnis. Wieder wackelt die Bühne. Steve passt hier deutlich besser zum Stück. Das Teil ist aufregend und erfrischend.
Wieder kehrt die Band zum aktuellen Album zurück. "Watching The Sky" ist die Ballade daraus. Behutsam verschafft man dem Publikum und der Band eine Pause vom aufgeregten Songschaffen. Der Gitarrist leitet das Teil wunderschön ein. Jon leitet den Song dann aus.
Steve`s Solo beginnt. In diesem zitiert er auch "Cascades". Wir kennen seine Art der Einzelbetätigung mittlerweile gut. Gekonnt drückt er seine Gitarre durch die Verstärker ins Auditorium. Immer wieder wird er dabei begleitet. Während dieser Zeit bleibt er immer professionell. Sein Spiel ist filigran bisweilen ausgreifend. Ohne Zweifel ein Ausnahmekönner.
Noch einmal verweist man auf das aktuelle Studio-Werk. "Any Fool Kno That" knallt trocken durch die Halle. Live wirkt das Teil richtig gut. Es geht ab und reißt mit dem ersten Ton wirklich mit.
Dann darf Jon Lord in die Tasten drücken. Auch er ist über die Jahre nicht gealtert. Leider erstreckt sich seine Solo-Einlage über einen zu kurzen Zeitraum. Viel zu früh endet seine Hommage an toller Musik jenseits von Rock und Blues.
Schließlich leitete er "Perfect Strangers" ein. Nun wandelt man durch die seeligen Jahre der Wiedervereinigung. Der Song wandert flüssig und hart von der Bühne in die Ohren der Zuhören.
Da ist er wieder; Gillan`s Liebling. Eine Zeit war der Song live nicht mehr zu hören. Nun breitet sich "When A Blind Man Cries" wieder auf der Bühne aus. Wie immer glänzt Ian neben der Gitarre von Steve.
Danach schlägt "Speed King" durch die Halle. Gewohnt druckvoll drängt es sich in die Gehörgänge des interessierten Lauschers. Hier wird fleißig improvisiert. Jon und Steve ergänzen sich. Alles wirkt wirklich wie aus einem Guss. Herr Paice lässt ein gediegenes und schickes Solo aufblitzen. Kurz noch mal zu "Great Balls Of Fire" abgebogen, dann geht es mit stimmlicher Begleitung dem Ende des eigentlichen Abends entgegen. Steve donnert nochmals durch die Halle. Das Finale gibt dem auf mehr wartenden Massen die Gelegenheit auch mehr zu verlangen.
Hier hören wir noch das Flehen der Anwesenden Fans. Natürlich lässt die Band das nicht kalt. Mit "Lazy" geht es in die Verlängerung. Mutig weil dort war der Song noch nie. Routiniert wickelt die Band das Teil ab.
Schließlich beginnt "Hush". Ian hatte damit lange Zeit Probleme. Seit der Réunion zerstreute sich seine Unmut. Mit Steve hört sich das Teil echt toll an. Roger brettert mit seinem Bass durch das Teil. Er drückt hier fleißig und sorgt neben Jon für einen gewaltigen Eindruck.
Als Rausschmeißer hat sich "Highway Star" durchgesetzt. Beherzt gibt man dem Volk am anderen Teil der Halle einen Abschiedsgruß. Mit jeder Menge Power drückt man die Luft von der Bühne hinüber zum gierigen Konsumenten.
Das Konzert wirkt überzeugend. Die Aufnahme dürfte nicht vielen bekannt sein. Ist auch der Ton nicht immer ganz toll, so hält sich das Niveau im höheren Bereich. Selten gab es Schwächen, dafür jedoch auch mehrere Höhepunkte. Einzig des auf dem Album falsch verzeichnete Datum des Mitschnittes nervt ein wenig.
17 Titel in über zwei Stunden hinterlassen an jenem Abend ganz sicher viele glückliche Fans. Einen tollen Abend im Kreise von Gleichgesinnten zu haben scheint kollegiales Erlebnis für alle gewesen zu sein. In das Format einer Bootleg-Sammlung passt dieser Mitschnitt ganz sicher als Abschluss der Konserve.


