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DOWN TO EARTH - Rainbow

Ein hörbarer Übergang

Ronnie James Dio hatte keinen Bock mehr auf Rainbow. Kurz entschlossen holte er sich bei Black Sabbath den vakanten Posten des Sängers. Die Lücke im Herzen der Band wurde gefüllt. Graham Bonnet warf 1977 sein erstes Solo-Album auf dem Markt und hatte im Vorfeld einen Hit mit dem Duo Marbles. Ritchie kannte es wohl und wollte ihn fürs nächste Rainbow-Album.

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Und weil wir vom Man in Black ja schnelle Wechsel gewohnt waren, tauschte er noch die halbe Band. Don Airey saß im Dezember 1978 bei Ritchie im Haus. Dieser fragte den sich Bewerbenden ob er Beethoven’s "Ode an die Freude" kannte. "Difficult To Cure" wurde in dieser Nacht am Klavier ersonnen. Bis heute ist es live nicht mehr weg zu kriegen. Allein die Personalia des neuen Bassisten ist bemerkenswert. Schließlich wurde Roger Glover vor ca. sechs Jahren höchst persönlich und ohne Begründung vom bösen Gitarrenflüsterer aus Deep Purple geworfen. Nun gut alles Geschichten von Gestern. Nur der Drummer (Cozy Powell) ließ sich nicht verekeln. Noch nicht - aber das ist eine andere Geschichte.

Von April bis zum Juli 1979 versammelten sich nun die drei neuen Kollegen mit den beiden alten und bastelten an den Songs fürs nächste Album. Es sollte ein Neustart der Band werden. Herr Blackmore wollte mehr Kommerz um so mehr Singles zu verkaufen. Ziel war es so endlich ganz oben in den Charts zu erscheinen. Mit progressiven Rock sollte nun Schluss sein. Produziert wurde das alles durch den Herrn Glover.

 

Alles startet mit "All Night Long". Der Midtempo-Song ist ein wirklich stark gesungener Rocksong. Hier merkt man schon die Richtung hin zum allgemeinen leichteren Rock. Jedoch ist das Teil ein richtig toller Opener der nun sich neu formierenden Band. Auch als Single-Auskoplung eignete sich der Titel. Im Vereinigten Königreich schaffte es das Teil bis zum Rang 5 der Charts. 

 

Gleich in die andere Richtung greift "Eyes In The World". Hier ist Prog-Rock angesagt. Wir hören nun die Rainbow vom Album zuvor. Schick wird der Song über die sechseinhalb Minuten gebracht. Hier hört man deutlich die Qualitäten von Graham. Seine Stimme ist unverkennbar und besitzt bis heute einen großen Wiedererkennungseffekt. Das Stück wäre auch mit dem Herrn Dio gut vorstellbar.

 

Auch “No Time To Lose“ ist eines der eindeutig besseren Stücke. Es rockt an jeder Ecke. Die Band lebt und das war der Fan auch gewöhnt. Vielleicht ein wenig zu kurz, jedoch vom Anfang bis zum Ende flüssig und dynamisch vorgetragen. 

 

Mit "Makin' Love" gibt es Zeit sich auszuruhen. Wie gut sich hier der Herr Bonnet in die Band einfügt ist beachtenswert. Eine tolle kleine Ballade mit einem starken Rhythmus. Ritchie‘s Solo ist echt hübsch. 

 

Hat man die schwarze Scheibe gedreht empfängt einen "Since You Been Gone". Das ist kommerzieller Rock im Stil der Zeit. So hörte sich Rockmusik später in den 80gern an. Die Single-Version davon brachte es in den UK auf Platz 6, in den Niederlanden auf Platz 47 und in den USA auf die Position 57.

 

"Love’s No Friend" ist wieder eine Ballade nach Blackmore's Handschrift. Im Grunde ein toller und auch schlüssiger Titel mit einigen tollen Momenten im Mittelteil. 

 

Dank "Danger Zone" wird der Hörer kurz vorm Höhepunkt geweckt. Hier wird gerockt. Der Song ist zwar härter, aber leider wieder mit einer Spur Kommerz überzogen. Ein wenig zu süß um glaubwürdig rüber zu kommen. 

 

Bevor die Nadel von der Platte rutsch jagt einem noch einmal ein Schauer über den Rücken. "Lost in Hollywood" ist einer der wirklichen großen Momente. Ein toller Rocker mit jeder Menge Dramatik. Das waren die Rainbow vor diesem Album hier. Ein cooles Teil voller Druck mit einem einfach starken Riff. Den Song erkennt man daran wie selten einen anderen. Ein starker Abschluss. 

 

Das Album erfüllte leider die Erwartungen von Ritchie nicht. Chart-Erfolge waren durchaus erkennbar, der große Durchbruch einer Single fehlte. Herr Blackmore sah sich genötigt die Band erneut neu zu besetzen. Ob es auch an Verständigungsproblemen mit dem sich dem Langhaarschnitt verweigernden Sänger lag ist anzunehmen. 

 

Graham Bonnet ging also. Der startetet später mit Alcatrazz (Stichwort Yngwie Malmsteen) neu durch. Hört man ihn Live, so war er schon ein würdiger Nachfolger für Ronnie. Joe Lynn Turner hatte mit den Dio-Songs größere Probleme.

 

Cozy Powell war auch gleich mit verschwunden. Bis zu seinem Tode am 05.04.1998 spielte er noch bei verschiedensten Bands (MSG, Whitesnake, Gary Moore …).

 

2011 erschien die Deluxe Edition. Auf der ersten CD hört man die Single-B-Seite "Bad Girl". Ein eher belangloser Song. Jedoch das Instrumental "Weissheim" ist echt cool und ein reines Blackmore-Kind. Wunderschön gefühlvoll gespielt. Ein Meilenstein aufgenommen im Sommer 1980.

 

Die zweite CD ist gefüllt mit den instrumentalen Fassungen der von Songs der LP und auch Outtakes davon. Neben diesen Titeln finden sich zwei weitere Songs, welche empfehlenswert sind. Da ist zum einen "Spark Don't Mean A Fire" ähnelt  "No Time to Lose" nur mit einem anderen Text. Zum zweiten gilt es "Ain't A Lot Of Love In The Heart Of Me" explizit zu erwähnen. Auch hier gibt es einen nahen Verwandten auf dem Album. Hier klingt alles wie bei "Love's No Friend". Es ist denkbar, dass es sich bei beiden Songs um frühere Versionen handelt. 

 

Ein Album wie kein anderes, kann man hier doch sehr gut eine Übergangsphase erleben. Mit ein wenig Kenntnisse über die Band und auch über die Bestrebungen des Herrn Blackmore, hört man hier schon Trends, welche die Band dann in den späteren Jahren doch veränderte. Bei Whitesnake wurde Slide It In zum selben Zwecke gleich zweimal eingespielt und abgemischt. Wieder einmal zeigt sich hier die Überlegenheit des Herrn Blackmore, der immer genau wußte wie er klingen wollte. Bessere Alben der Band gab es aber auch.

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