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KNIRSCH - Et Cetera

Ein tolles Klangerlebnis

Im Jahr nach dem Kollaps seiner bis dato bekanntesten Band bekam Jon Hiseman die Gelegenheit mit Wolfgang Dauner ins Studio zu gehen. Wolfgang Dauner war und ist ein sehr bekannter Jazz-Pianist. Dieser wollte mit seiner Band Et Cetera ein neues Album aufnehmen.

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Mit von der Partie waren neben dem Drummer Fred Braceful, der Basser Günter Lenz auch noch Larry Coryell. Mit gelegentlicher Nutzung eines Synthesizers entstand so im März 1972 in den MPS-Studios in Villingen KNIRSCH.

Gleich beim ersten Song darf Larry Coryell seine Qualitäten vorzeigen. Hart und trocken wird hier fast schon gerockt. Mit einem kleinen Text steigt man in das Album ein. Mit Bongas und Drums wird dieser einfach toll in Szene gesetzt. 

 

Nach dem Ende des Songs dreht sich der Stil. Es wird deutlich jazziger. Schön mit einem tollen Solo wird "Sun" ins Leben gerufen. Ein echt schöner Titel entfaltet sich lyrisch im Ohr. Langsam jedoch mit Druck beladen um nicht zu langweilen. Einfach toller Jazz-Rock. 

 

Mit dem längsten Song des Albums muss man seinen Frieden finden. Glaubt man den Fans des Herrn Dauner so hören wir hier ein echtes Stück seiner Prägung. Ich als gelegentlicher Konsument von Jazz war von der Fülle der Klangwelt schlicht überfahren. Kann man freier solieren als in diesem Titel? Es kann fast als Hörspiel bezeichnet werden.

 

Startet "Yan" noch verspielt und ungestüm mutete das Intro kurz einen normalen Song an. Gut eine Minute später hört man einen Schrei. Danach wird alles anders. Klänge werden gedehnt, ein zerbrechliches Intermezzo ertönt. Dann setzen die Handtrommeln an und ein mitreißender Grundrhythmus entsteht. Leise trommelt Jon im Hintergrund mit. 

 

Dann bricht ein geordnetes Chaos los. Einfach lauschen und über die Töne grübeln. Hier passiert echt viel im Umfeld des Hörers. Übersteuerungen wechseln sich mit vermutlich gezupften Flügelsaiten ab. Nach einigen Durchgängen ist man als Konsument geneigt durchaus eine Ordnung in der scheinbaren Unordnung zu erkennen. Man kann das seltsam Entrückte doch tatsächlich als schön betrachten.

 

Irgendwann ergibt man sich den Tönen bis diese abrupt enden. Stille ist auch Klang. Gute eineinhalb Minuten verbleiben bis zum Power-Ausklang. Dann läuft die Nadel in die Auffangrille. 

 

Mit dem Synthesizer startet die zweite Seite. "Tuning Spread" ist melodiös und gestaltet die nächsten elf Minuten. Das ist wieder toller Jazz-Rock mit allen Beigaben. Teilweise verträumt wird der Zuhörer auf eine Reise mitgenommen. Eine positive Stimmung reißt einem mit. Es gefällt total. Locker und leicht geht es durch die Zeit. Auch Soloeinlagen der Schlagzeuger sind bis zum Ende zu hören. 

 

Fast schon mit fernöstlicher Eleganz läuft die Nadel dem Rillenende entgegen. Nicht ohne dem Lauscher ums Innenohr zu schmeicheln. Kraftvoll erhebt sich "Yin" aus den Verstärkern. Von Synthesizern hielt ich in der Vergangenheit nie viel. Nun muss ich meine Meinung ändern. Gerade die tollen Klänge des elektrischen Instruments sind einfach schick arrangiert. Verbunden mit dem tollen Bass und dem Rest der Band ein starkes Stück. Alles könnte wohl auch noch länger andauern, jedoch nach gut neun Minuten ist das Teil beendet. 

 

Was nach dem Album bleibt ist mehr als ich erwartet habe. Eigentlich als Karriere-Zwischenpunkt zum Superdrummer Hiseman als Pflichtteil angesehen; entpuppt sich das Album nun als gern gehörte Besonderheit. Ein starkes Stück Verrücktheit im positivsten Sinne. Ein tolles Erlebnis, welches mich neugierig macht auf mehr von Wolfgang Dauner. Leider verstarb der mit vielen Preisen beschenkte Musiker am 10.01.2020. 

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